Archiv für April 2007

Ich bringe es kaum über das Herz, amazon endlich mitzuteilen, mir keine Empfehlungsmails mehr zu schicken, solange mir dadurch die komplizierten Strukturen unserer viel zu komplexen Welt auf so anschauliche Art vor Augen geführt werden.

Kunden, die sich für “Ein Lied Mehr — The Anthology Archives 1 (Limited Edition)” interessierten, haben “Move Against G8″ bestellt.

Ach, ich liebe diese Schlaubi-Schlumpf-Algorithmen, diese Schwarz-Weiß-Heuristiken, die immer so nett verhungern, wenn nicht genug Datenmaterial vorhanden ist. Ich zieh da lieber meine eigenen Schwarz-Weiß-Schlüsse: Wer Blumfeld bestellt, ist zwar total gegen das G8-Treffen, aber bestellt trotzdem besagte Move-against-CD sofort bei amazon und nicht im attac-Webshop, wo sie eigentlich herkommt.

Außer mir. Hüstel, ja, ich habe diese Blumfeld-Anthologie von amazon, aber die G8-CD würde ich dort trotzdem nicht bestellen. Warum? Keine Ahnung, aber irgendwie bin ich da eitel. Die Welt ist aber auch verdammt kompliziert.

er kam aus dem November, der hagel brachte ihn herab

heidi klum passt als mutter gut ins konzept salat

Ok, ok. Der erste Satz ist der Anfang eines tollen Gedichts von Raoul Schrott. Aber ist der zweite Satz nicht ähnlich formschön, rhythmisch beinahe genauso gelungen und irgendwie, nun ja, ebenso tiefgründig?

Er wurde gestern Abend geäußert von einem McDondald’s-Vorstandsmitglied im Christiansen-Talk zum Thema “Falsche Ernährung”. Viel gelernt hat man daraus natürlich nicht. Zusammengefasst vielleicht: Ja, es gibt falsche Ernährung und wir sollten uns schon eher bewusst ernähren. Und: Ja, gegen Dicksein hilft auch Bewegung. Nährwert, äh, Mehrwert = Null. Nein, Scherz beiseite!

Es ist schon bemerkenswert, dass in einer Sendung zum Thema Ernährung, in der alle zwei Sekunden erwähnt wird, dass Kinder nur noch Mist essen würden und irgendwo die Lebensmittelindustrie vielleicht doch auch ein wenig – nur ein wenig, ein winziges Bisschen, aber kaum der Rede wert – mitverantwortlich sei, kein einziges Mal, KEIN EINZIGES MAL, die Konditionierung unserer Gaumen durch Geschmacksverstärker und Aromastoffe angesprochen wurde. Aber wozu auch? Das passiert vielleicht im Konzept Jogurt, aber sicherlich nicht im Konzept Salat und schon gar nicht bei McDonald’s.

Nachtrag (2. Mai): Ach schade, jetzt gibt es gar nicht das EINE Konzept Salat, sondern nur das von McDonalds. Zumindest wird’s anderswo anders zitiert. Aber jetzt genug der Albernheiten! Versprochen.

„Ich bin ja”, sagt der Rentner Manfred Meyer, „ein besserer Beichtvater der Wohlhabenden gewesen.” Wem vertraue sich jemand an, der sein Leben um sein Vermögen gewickelt habe? Nicht unbedingt dem Pfarrer, sondern dem Chef der Deutschen Bank in Starnberg.”

So schöne Sätze kommen in der Reportage „Die Starnberger Republik” der beiden ZEIT-Journalisten Stephan Lebert und Stefan Willeke vor, die dafür am vergangenen Donnerstag mit dem Herbert Riehl-Heyse-Preis ausgezeichnet wurden. Sie beschreiben darin das Leben der zumeist steinreichen Menschen am Starnberger See. Anfangs habe ich mich beim Lesen königlich amüsiert. Recht garstig wird da die Kleingeistigkeit der Großbürger geschildert, ihr Anfechten jeder Gemeindeverordnung, ihr arrogantes Herabschauen auf Normalbürger, ihr empörtes „Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?”, doch irgendwann erkennt man dann doch den melancholischen Ton, der die ganze Reportage erst so großartig macht. Man bekommt beinahe schon Mitleid mit diesen Menschen und ihrer Hoffnung auf eine – zumindest für sie – heile Welt.

Wer ein wenig Zeit übrig hat: Den Text kann man hier im ZEIT Dossier lesen. Dort ist er bereits im Dezember 2006 erschienen. Die SZ hat ihn heute wegen der Preisverleihung noch einmal nachgedruckt. Der Text ist recht lang, es lohnt sich aber. Und für die, die den Starnberger See kennen und sich schon immer über das seltsame Gefühl gewundert haben, das uns Normalbürger dort gerne befällt:

Vielleicht hat der See das Bewusstsein verdorben, die Leute beginnen sich nach einer surrealen Vollkommenheit zu sehnen, die der Schmutz der Alltagswelt nicht mehr trübt: Zu der schönsten Abendsonne der Welt muss sich die schönste Herrschaftsform der Welt gesellen, die Demokratie der höheren Stände. Die Starnberger Republik.

Die RAF geht an die Börse? Jetzt ist es soweit. Ich lese überall nur noch RAF, egal was da in Wirklichkeit steht.

RAG-Boersengang

Sich zusammen mit Helmut Färber eine Woche lang durch Godards “Histoire(s) du cinéma” graben zu dürfen, war ein besonderes Glück.

Helmut Färber ist heute 70 geworden.

Mehr über ihn kann man in einem älteren Artikel aus der Jungle World lesen. Gratuliert wird auch von new filmkritik.

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