Archiv für April 2007

Warum landet eine solche E-Mail nicht sofort im Spam-Ordner? Sowas will man doch nicht lesen!

Betreff: Your Ticket Application for UEFA EURO 2008(TM) has been unsuccessful

noch ein nachtrag zur schmöckes-rundschau von gestern, via stefan niggemeier via netzjournalist und onlinejournalismus.de (beide thomas mrazek): Ein Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung von Steffen Range und Roland Schweins beschäftigt sich mit dem Phänomen “Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet — wie das Web den Journalismus verändert”, darin heißt es unter anderem: “Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten. Das Gros der Klicks ist dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen.” Die Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden – wenigstens dieser Klick lohnt sich also… und noch ein weiterer auch: hier geht´s zum blog der beiden autoren.

das mag vielleicht ein gutes zeichen sein, ist aber grad doch doof: weil sowohl heise als auch der perlentaucher medienticker den ersten TV 2.0 Sender – mit user generated content – bewerben, wollte ich mir das gleich mal ansehen. doch scheinbar bin ich da nicht die einzige:

nun würde ich gerne mit einer anrede beginnen, weiß aber gar nicht, ob man sagt “lieber spon” oder “liebes spon” oder gar “liebe spon”. jedenfalls sind die ja bekannt dafür, dass sie im so genannten “panorama” für krassen pepp sorgen – wenn schon von dem politischen zeug keiner was wissen bzw. “mehr…” lesen will. also ich natürlich auch schnell die headlines und “eilmeldungen” überflogen und dann – eh klar – auf den titel “london: restaurant-gast entmannt sich mit messer” geklickt. dass die ganze story von der britischen dreckschleuder “the sun” übernommen ist, wäre nicht der rede wert, wenn die unterzeile nicht so hübsch deppert von einem “unappetitlichen zwischenfall” spräche. also, wenn ich beim essen säße und da käme einer rein und nähme sich ein messer und setzte es an seinem eigenen schwanz an, würde mir nicht nur der appetit vergehen. und das wort “zwischenfall” käme mir wohl auch nicht in den sinn.
aber à propos “eilmeldung”: die sueddeutsche online hat das ja jetzt auch schon angefangen – oh, ist schon wieder weg. ich bezeuge, dass vor ein paar minuten die hafterleichterungen für christian klar noch als eine solche gebrandmarkt gewesen waren.
und à propos klicks: auch da ist sueddeutsche-online spon schwer auf den fersen – die “diese netten menschen hat der irre asiate eiskalt erschossen”-bildergalerien gab es jedenfalls hier wie dort, nur hat spon eben noch einige interaktive karten (als popups am rechten rand des artikels) bereitgestellt und muss insofern doch wieder als sieger in der klasse “obszönität” gelten. sowieso tobt auf sueddeutsche-online um dasselbe thema offenbar gerade ein kleiner edit-war (am ende der seite) angesichts eines tatsächlich bitter schlechten textes, dessen autor offensichtlich weder paul virilios “krieg und kino” gelesen (das, wie ich gerade merke, offenbar vergriffen ist), noch michael hanekes großartigen film “benny´s video” gesehen hat. und dass er ansonsten die virtuelle gewalt andauernd verteidigt, ist ihm offenbar auch noch nicht aufgegangen. schon schön, wenn medienjournalisten keinen begriff von medialität haben…
immerhin gibt es auf dieser seite – und auch gedruckt – heute endlich den ersten gescheiten text dieser zeitung über second life. und das von andrian kreye, der treffend konzediert, dass der Medienhype um SL “nicht so sehr auf tatsächlichen Neuerungen, sondern auf der Unfähigkeit der meisten Journalisten, überschätzte Internetmoden von Phänomenen mit Durchhaltevermögen zu unterscheiden” beruhe. den ganzen text lesen!
und noch etwas schönes am ende: “musik für sechs schlagzeuger und ein appartment” – geklaut vom ohnehin unschlagbaren “endgültigen Satiremagazin Titanic”.

Es ist ein Elend, überhaupt über so etwas wie “Bewahrung der Privatsphäre” nachdenken zu müssen. Aber wenn Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist, bleibt einem ja nichts anderes übrig. Jens Scholz hat auf seiner Seite zusammengeschrieben, was man so alles tun kann, um die eigene Privatsphäre zumindest ein wenig zu verteidigen. Sehr schön, viele gute Tipps und eine wunderbare Doppelstrategie: einerseits gar nichts mitteilen und andererseits möglichst viel irrelevanten Datenmüll produzieren.

SuperbotsBeim Lesen dieses Textes fiel mir auf, dass ich von einem Netz(kunst-)projekt, das genau den zweiten Teil dieser Strategie verfolgte, schon ewig nichts mehr gehört habe: “Machines will eat itself” von Franz Alken. Allen Anschein nach gibt es das Projekt nicht mehr, das Bild müsste jedoch davon sein. Man konnte damals auf der mittlerweile toten Website superbot.tk Software-Agenten basteln, die dann selbstständig durch das Internet spazierten und Formulardaten mit willkürlichen Nutzerprofilen ausfüllten. Das Lustigste daran war, dass man seinem Bot auch noch dabei zusehen konnte, wie und wo er gerade Müll produzierte.

Schade, dass es diese Bots wohl nicht mehr gibt. Obwohl: Vielleicht laufen sie losgelöst von der ganzen Sache immer noch durchs Netz und müllen und müllen. Eine schöne Vorstellung. Automatisiertes Produzieren von Datenmüll scheint mir schon der Königsweg zu sein gegen automatisierte Datensammlerei. Warum nicht eine Maschine gegen Maschinen kämpfen lassen? Lesen kann man noch über das Projekt: hier etwa oder hier.

Beim Suchen im Netz habe ich immerhin herausgefunden, dass man Franz Alken mittlerweile in der Münchner galerie hobbyshop in der Lothringer 28 finden kann.

Nachtrag (26. April):
Vor lauter Bot-Begeisterung habe ich vergessen, darauf hinzuweisen, dass Jens Scholz auch von anderen Menschen Tipps zum leidigen Thema zusammenträgt. Ein Klick auf den Button teleportiert zur Stoffsammlung:
hownot2bseen.png
Mein Tipp dazu ist ein besonders altmodischer, tausendmal durchgekauter und leider ganz und gar unkomischer, den jeder kennt, aber keiner (einschließlich mir) befolgt: E-Mails mit PGP verschlüsseln. Ich gelobe jedoch Besserung und finde, das ist eine gute Gelegenheit meinen Schlüssel mitzuteilen: Hier kann man meinen Public-Key herunterladen.

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