Archiv für April 2007

Das gestrige Champions-League-Spiel zwischen dem AC Milan und dem FC Bayern war ein miserables Fußballspiel zweier Mannschaften in der Krise. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als Milan schon 1:0 führte, sah man vor allem auf Seiten der Bayern Fehlpässe zuhauf, weite Bälle ins Nichts, Stoppfehler und Unsicherheiten in der Verteidigung. Und Torchancen hatten weder Makaay noch Podolski. Zwischenzeitlich roch es schon schwer nach einer abermaligen Demütigung für den FC Bayern.

Man darf sich beim unfähigen AC Milan bedanken, dass das Spiel doch noch zu dem wurde, was man als Fußballfan so liebt: ein Drama mit Schurken und Helden, Gemeinheiten und Wiedergutmachungen. Erst der überraschende Ausgleich für die Bayern, dann ein unberechtigter Elfmeter für Milan nach einem wunderschönen Lehrbuch-Tackling von Lucio gegen Kaka wenige Minuten vor Schluss. (Als Zuschauer musste man unweigerlich an all die gekauften Strafstöße der letzten Saison in der italienischen Liga denken. Auch der Moderator konnte sich eine Bemerkung dazu nicht verkneifen, so lächerlich und hilflos, beinahe ferngesteuert, wirkte diese Schiedsrichter-Entscheidung.) Als van Buyten dann doch noch den Ball in der 93. Minute aus spitzem Winkel zum Ausgleich ins Mailänder Tor drosch, war das, mal wieder, die Vollendung einer Dramaturgie, die es so nur im Fußball gibt: Ein Tor zum Ausgleich egalisiert sämtliche Ungerechtigkeiten und mischt die Karten neu. Als ob sich das Schicksal nach irgendeinem göttlichen Plan gewendet, als ob sich Zufälle und Millimeter-Entscheidungen zu einem großen Ganzen zusammengefügt hätten. Lächerlich natürlich, aber man weiß ja, es funktioniert jedes Mal wieder. Erst mit einigem Abstand ist so ein Tor einfach nur ein Tor, zufällig, eigentlich belanglos. Und dann fällt einem vielleicht auch wieder ein, dass Milan zuvor ein reguläres Tor aberkannt wurde.

Nebenbei: Wer präsentiert denn eigentlich die Champions-League?

Sowas kommt beim Superbösewicht-Persönlichkeitstest heraus, wenn man seine Sympathien für den Feminismus äußert. Einmal falsch geklickt und schon ist man der mütterliche Typ. Ist das aus feministischer Sicht jetzt gut oder schlecht? Immerhin hätte es fast zu Magneto gereicht …

Your results:

You are Mystique

Mystique
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Magneto
58%
The Joker
56%
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56%
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56%
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51%
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50%
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48%
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42%
Juggernaut
38%
Mr. Freeze
36%
Dr. Doom
35%
Lex Luthor
30%
Green Goblin
22%
Two-Face
14%
Kingpin
9%
Sometimes motherly, sometimes a beautiful companion, but most of the time a deceiving vixen.


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Ums Boxen ging es sowieso nicht am Samstag Abend auf RTL, als Henry Maske sein großes Comeback feierte gegen einen deutlich unterlegenen Virgil Hill. Böse geunkt wurde ja, Maske könne nur verlieren und würde wie ein geprügelter Hund nach Hause schleichen. Der sportliche Wert der Veranstaltung wurde im Vorfeld allerorten tief im Minus-Bereich veranschlagt. Der Kampf war dann auch stinklangweilig, was Maske nicht weiter zu stören braucht. Gewonnen ist gewonnen.

Bitter ist nur, was der Sport selbst dem Sender RTL in seiner Sportveranstaltung war: absolut lästig. Der Kampf: 14 Runden Werbung mit 12 Boxunterbrechungen, kaum Wiederholungen, Zeitlupen, Analysen oder ähnliches, in den Rundenpausen schon gleich gar nicht, wäre zwar interessant, brächte aber kein Geld. Gefühlte tausend Mal musste man sich anhören, welche Autofirma in ihrer grandiosen Güte den Abend präsentiert (oder war es eine Reifenfirma, Rasiergel, Waschmittel, Hundekuchen? Bekommt das überhaupt irgendjemand mit bei dieser Form der Belästigung? Nebenbei: Wer präsentiert denn gleich nochmal die Sportschau?) Als dann der finale Gong ertönt, der Kampf zu Ende ist, die RTL-Uhr aber immer noch einige Sekunden anzeigt, war das nicht einmal eine Bemerkung wert. Stattdessen die Bestätigung der eigenen Wichtigkeit in allen Tonlagen: Sensation! Wahnsinn! Sportgeschichte sei geschrieben worden! Maske einer der Allergrößten! Hier bei RTL!

Und irgendwann tat einem sogar Maske trotz Sieg und Millionengage leid. Wollte er also tatsächlich nochmals boxen, um seinen Karrieremakel zu korrigieren, trainierte hart, machte sich auch gar nicht lächerlich und trotzdem wird sein Boxabend als Farce in Erinnerung bleiben. Ums Boxen ging es gar nicht bei RTL.

PS: Ja, man darf sich immer noch über Fernsehwerbung aufregen.

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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