Archiv für Juni 2007

4. “Die Zivilisation des Spektakels war geboren, und sie war gekommen, um zu bleiben und die Institutionen und Gewohnheiten der freien Gesellschaften bis aufs Mark zu revolutionieren”, schreibt mario vargas llosa über den journalismus seit der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts in seinem text “die zivilisation des spektakels”. (ausgerechnet bei sueddeutsche.de! mag man jetzt denken – allerdings muss ich sagen: dieses online-portal gebärdet sich längst nicht so schlimm, wie ich anfangs befürchtet hatte.)
5. robert basic von basic thinking erklärt, wie der technorati-linkcount funktioniert.
6. spielzeug und überhaupt puppen sind ja nun schon in diversen filmen zum leben erwacht. alles kitsch! denn die wahren probleme einer solchen erweckung (identität! sprache!) zeigt das youtube-video “what am i?” (via: leider keine ahnung mehr. ich habe mich jedenfalls weggeschmissen vor lachen – wem´s also nicht gefällt, der erfährt wenigstens etwas über meinen humor…)

andreas heidtmann vom poetenladen (der hier sträflicherweise noch nicht in der blogroll ist!) macht sich in seinem text “lesung vor keinem publikum” gedanken über literatur-websites, genauer gesagt: darüber, dass die instituionellen (literaturport, literaturportal) so wenig zulauf haben und die privaten so viel. ich finde seine schlussfolgerungen nicht ganz richtig bzw. etwas schnellschussig, aber der gedanke ist es doch wert, erwähnt zu werden. außerdem hat er mich auf das magazin lauter niemand aufmerksam gemacht, dass ich auch schnellstens in meine empfehlungen aufnehmen muss, weil´s sehr gefällt: entgegen dem namen findet man dort die werke von doch eingermaßen bekannten autoren – aber eben auch unbekannte. leider kann man nur in den alten ausgaben stöbern, da die werke der aktuellen nummer 7 (noch?) nicht frei online sind.

1. die dienstleister sind die einzigen, die über die soziale degeneration der deutschen wirklich bescheid wissen. schon seit januar 2006 erzählt eine davon – ich hab´s heute (erst! und zugegeben: nach einem tag im baader, wo ähnlich entfremdete menschen herumlaufen) von vorne bis hinten durchgelesen. hat gut getan und bestens unterhalten: buchhändleralltag und kundenwahnsinn.
2. in seinem jüngsten roman “du liebst mich, du liebst mich nicht” erzählt der autor jonatham lethem wie immer eine irrwitzige geschichte (diesmal mit einer nörgel-hotline und einem depressiven känguruh), im zentrum der geschichte steht aber die tatsächlich ja recht brisante frage ums urheberrecht in digitalen zeiten. und lethem meint die sache ziemlich ernst, er nennt das “the promiscuous materials project”: auf seiner website findet sich eine auswahl seiner geschichten und songtexte, mit dem hinweis “Feel free to adapt or revise them in any way, in full or in part.” (und auch schön: unter den faqs findet man die faq “Did anyone really ask these ‘frequently asked questions’, or did you just make them up yourself?”)
doch worauf ich eigentlich hinauswollte: in der zeitschrift literaturen und frei online gibt es lethems text “autoren aller länder, plagiiert euch!” zu lesen. und auf youtube ein gespräch darüber zu sehen und zu hören.
3. bei art-in (ein kunstportal, das mir völlig neu ist) kann man sich ein paar videos über die documenta XXII ansehen (einmal überblick, dann fokus auf einzelne kunstwerke und zum aue-pavillon) – der off-text mag etwas dröge oder pädagogisch erscheinen, informativ ist er aber durchaus. und ich find´s schön, wenigstens ein bisschen was zu sehen, wenn man selbst wohl nicht hinfahren wird.

nicht nur für den satz: “Mit jedem Girlie-Blättchen, jedem Shoppingkanal, jedem Dudelsender … verabschieden sich wieder Millionen unterforderte Gehirnzellen in den Vorruhestand.” sondern für die ganze rede über “haltungen, popper und moneten” (also: zur lage des journalismus), die man als gekürzte version in der fr lesen, aber auch im ganzen als word.doc herunterladen kann.

im aktuellen börsenblatt gibt der literaturkritiker jörg magenau einen überblick über die neuerscheinungen im herbst (pdf). das ist zwar auf den ersten blick ganz schön, auf den zweiten ist jedoch nicht zu übersehen, dass magenau sich für diesen seinen artikel desöfteren der pressetexte der verlage bedient hat. und das ist dann wieder nicht so schön. klar: magenau kann die bücher, die er hier vorstellt, natürlich nicht alle gelesen haben. aber vielleicht sollte man dann auch nicht drüber reden?

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