Archiv für Juni 2007

Es hat ja einige Zeit gedauert, bis den Altvorderen vom DFB die Argumente gegen eine Frau als Profi-Schiedsrichterin ausgingen, obwohl zum Beispiel in der Schweiz Nicole Petignant bereits seit einigen Jahren Spiele der 1. Liga leitet und das selbstverständlich genauso gut macht wie ihre männlichen Kollegen. Aber es geschehen auch in Deutschland manchmal noch Wunder: In der nächsten Saison darf Bibiana Steinhaus Spiele der 2. Bundesliga pfeifen.

Und was fällt ihrem Chef Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, dazu ein? Nachzulesen z.B. in der netzeitung:

Ich bin sicher, dass sie auch in der 2. Liga ihren Mann stehen und mit guten Leistungen aufwarten wird. (Hervorhebung von mir)

Danke. Abtreten!

Man muss wohl kaum erwähnen, dass in den Kommentarspalten renommierter Medien wirklich kein Mangel an sexistischen Dummheiten zu diesem Thema herrscht. Verlinkungen schenke ich mir.

Raffiniert sind sie schon, diese Spam-Heinis. Habe gerade etwas gestutzt, mir dann überlegt, ob das nicht ein Wink des Schicksals sein könnte und mir Google nicht eh einfach wurscht sein sollte, weil ich Google in letzter Zeit sowieso eher für EVIL halte. Naja. Dann hab ich doch kurz gegoogelt (so schizophren ist der Mensch) und jetzt die Gewissheit: Das ist Spam! An der Absender-Adresse merkt man es: DONOTREPLY@gmail.com. Eine google.com-Adresse sollten sie sich schon leisten bei so viel suggerierter Wichtigkeit:

Sehr geehrter Seiteninhaber oder Webmaster der Domain www.zweitens-magazin.de,

bei der Indexierung Ihrer Webseiten mussten wir feststellen, dass auf Ihrer Seite Techniken angewendet werden, die gegen unsere Richtlinien verstossen. Sie finden diese Richtlinien unter folgender Webadresse:

http://www.google.de/webmasters/guidelines.html

Um die Qualitaet unserer Suchmaschine sicherzustellen, haben wir bestimmte Webseiten zeitlich befristet aus unseren Suchergebnissen entfernt. Zurzeit sind Seiten von www.zweitens-magazin.de fuer eine Entfernung ueber einen Zeitraum von wenigstens 30 Tagen vorgesehen.

Wir haben auf Ihren Seiten insbesondere die Verwendung folgender Techniken festgestellt:

*Seiten wie z. B. zweitens-magazin.de, die zu Seiten wie z. B. http://www.zweitens-magazin.de/index.htm mit Hilfe eines Redirects weiterleiten, der nicht mit unseren Richtlinien konform ist.

Gerne wollen wir Ihre Seiten in unserem Index behalten. Wenn Sie wollen, dass Ihre Seiten wieder von uns akzeptiert werden, korrigieren oder entfernen Sie bitte alle Seiten, die gegen unsere Richtlinien verstossen. Wenn dies erfolgt ist, besuchen Sie bitte die folgende Webadresse, um weitere Informationen zu erhalten und einen Antrag auf Wiederaufnahme in unseren Suchindex zu stellen:

https://www.google.com/webmasters/sitemaps/reinclusion?hl=de

Mit freundlichen Gruessen

Google Search Quality Team

Wie es aussieht, gibt es diese Mail auch mit einem Anhang: google webmastertools.zip. Den sollte man besser nicht öffnen, aber sowas machen wir doch sowieso nicht, oder?

Dank an den Iceblog, und die Kommentatoren dort. Der Iceblog ist offensichtlich noch drin im Google-Index.

TV-Tipps zu posten, ist mir eigentlich zu blöd. Aber weil ich es gerade sehe und dieses Thema selten so konsumerabel aufbereitet sein wird wie im Fernsehen, mache ich es trotzdem einmal. Auf dass mich manch einer danach nicht mehr für paranoid hält!
Arte zeigt heute ab 20.40 Uhr verschiedene Dokumentationen zum Thema: Wir werden alle überwacht!

Nachtrag (20.6.): Allmählich bin ich mir sicher: Von arte-Dokumentationen bekommt man Augenkrebs. Sie sehen immer, immer gleich aus: Ein bedeutungsschwangeres Statement wird in die Kamera gesprochen, danach gibt es in ähnlicher Länge Bilder ohne inhaltlichen Wert. Hauptsache, es sieht irgendwie funky aus. Dann kommt das nächste Statement, wieder funky Bilder, Statement, Bilder, Statement, Bilder. Und danach sagt sogar die Oma über den Inhalt: Das war mir vorher klar. Scheußlich, wenn offensichtlich sogar ein Kultursender schon der Überzeugung ist, dass seine Zuschauer höchstens 20 Sekunden konzentriert bei der Sache bleiben können.

Neuer TV-Tipp: arte lieber nicht anschauen! Themen mögen gut sein, die Machart macht blöd.

man hätte es wissen müssen: was die faz dem zeit-interview mit martin walser und günter grass vorab entnommen hatte (s.u.), diente nur dem basteln einer hübschen headline und ist ansonsten eher nebensächlich (da hoffte man wohl wieder einmal auf einen “journalistischen erstschlag”). tatsächlich nämlich ist das ganz und gar kein reißerisches, sondern eben ein ehrliches und so schönes wie interessantes wie unterhaltsames gespräch zweier alt-autoren und zweier literaturkritiker.

bereits im frühjahr ist die wunderbare anthologie “pop seit 1964“ bei kiwi erschienen, hat über 400 seiten, kostet dafür aber nur glatte 15 euro. „pop und literatur – wann immer die beiden aufeinander treffen, knallt es“, beginnt das vorwort der beiden herausgeber eckhard schumacher und kerstin gleba. der band versammelt (wie der titel bereits zart andeutet…) nicht nur die üblichen verdächtigen der neunziger jahre – stuckrad-barre, lottmann und so weiter – sondern vor allem in den frühen jahren so diverse gestalten wie handke, jelinek und fauser, aber natürlich auch fichte, artmann, glaser, dath & meinecke. ein wirklich gute und beeindruckende tat von gleba und schumacher – weil eben nicht nur die einzelnen autoren zur sprache kommen, sondern zudem die hin-und-hers zwischen ihnen lesbar werden. hier geht´s zu einer kritik der taz, hier zu einem podcast der deutschen welle über das buch. wer dann noch nicht genug hat, möge sich den anlässlich des buches enstandenen blogger-sind-auch-popper-text der netzeitung zu gemüte führen.
und wer´s noch rechtzeitig liest: heute abend um acht unterhält sich schumacher im münchner literaturhaus mit moritz von uslar und thomas meinecke über pop, und die kammerspiele- und „shoppen“-schauspielerin anna böger liest zwischendrin auszüge aus „pop seit 1964“.

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