Archiv für Juni 2007

einmal erging es mir bereits ähnlich: bei meinem praktikum in der medienredaktion der süddeutschen – über drei jahre ist das nun her – stand ich morgens auf, ging in die redaktion, blieb bis sieben oder acht uhr, ging dann nach hause und auch bald ins bett. außerhalb dessen, was ‚in der szene’ geschah, gab´s nix mehr. und jetzt ist das schon wieder so: anstatt bei der netzeitung und bei perlentaucher und der berliner zeitung und so weiter vorbeizuklicken, aktualisiert man nun morgens zuallererst die rss-feeds der blogs und schaut also nicht mehr, was in der welt passiert ist, sondern wer gerade mit wem und wer gerade gegen wen ist in der blogosphäre. und steckt da irgendwann so dicke drin, dass man seine freunde plötzlich mit begriffen ohrfeigt, von denen die absolut keine ahnung haben.
so geht das nicht weiter. deswegen gelobe ich mindestens eine woche ohne meta-blogging und überhaupt eine drastische einschränkung der unverständlichkeiten für unbedarfte, dafür eine rückkehr des blicks nach außen – wozu blogs ja eigentlich auch gut sein sollen (für andere meinung: bitte sich der kommentarfunktion zu bedienen). denn dieses sich-immer-tiefer-hineinzirkeln bringt niemanden was – nicht dir, nicht mir, nicht der – ja: demokratie.
dafür bringt das was fürs hirn:
1. im freitag schreibt der schriftsteller leander scholz – sein letztes buch “fünfzehn falsche sekunden“ fand ich ganz wunderbar, der stephan maus allerdings nicht (was immer zu lesen lohnt) – “vom verschwinden des volkes“, untertitel: „Europa ist ein Staat, der wie ein Staat handelt, ohne ein Staat zu sein“.
2. im dwdl-medienmagazin findet sich eine schöne zusammenfassung der größten dummheiten & idiotien deutscher tv-zeitschriften, von „jetzt noch aktueller“ über „den „tv guide“ bis hin zu „exklusiv in tv14“.
3. in der wochenendausgabe der neuen zürcher zeitung (wenn man sie mal als altbacken anerkannt hat, ist sie die wunderbarste zeitung von welt!) findet sich wie immer das literatur-und-kunst-spezial, das mal besser und mal schlechter ist. diesmal ist es wunderbar – sowohl wegen des themas als auch der autoren. thema sind die fünfziger jahre, es schreiben unter anderem hans magnus enzensberg (kennt jeder) über “die falschen fünfziger”, barbara vinken (sollte man kennen) über “die rundungen der sanduhr” und david gugerli (sollte man sich merken: ein technik-historiker, immer interessant) über “morgenrot des mängelwesen”.
und nun gute nacht, ihr da draußen an den empfangsgeräten.

Ob die Welt das wirklich braucht? Will man wirklich wissen, wie das Biergarten-Debüt von Mark van Bommel gelaufen ist oder ob die Miss FC Bayern des Monats April Kickboxen betreibt und eigentlich auf Football steht? Solche Fragen stelle sich der echte Fan erst gar nicht, wenn er sich die Video-Schnipsel auf dem neuen YouTube-Channel des FC Bayern München anschaut! Da ist natürlich alles wichtig! Der Content kommt aus dem vereinseigenen FCB.tv. Da werden dann Homestories, Interviews, kurze Trainingseindrücke oder ähnlich Weltbewegendes gezeigt. Fans dürfen eigene Videos hochladen und kommentieren, wie super sie den Club, das Portal und überhaupt finden. Herr Hoeneß wird sich freuen, dass manch einer schon nach Untertiteln ruft. Schließlich sei man ja international.

“Dies ist ein weiteres wichtiges Standbein innerhalb unseres Medien-Portfolios und unserer Internet-Strategie”, meint Herr Rummenigge auf Focus Online. Ein weiteres Standbein dieser Strategie: Spielausschnitte wird es auf dem Video-Channel wohl trotzdem nicht zu sehen geben. Das wirklich Interessante muss nämlich Geld kosten. Das ist klar, standbeinmäßig.

(via popkulturjunkie)

ich habe mich ja schon einmal über kommentar-zensur geärgert, doch offenbar ist das alles ein alter hut – klingt zumindest so, wenn man den text “wer nicht lesen kann is klar im vorteil bei nerdcore liest. worum´s geht und noch viel mehr, hat der endl wunderbar zusammengefasst. mehr braucht man nicht zu wissen.

heute: „wie intressiert man männer“ von x11111xxx.dip0.t-ipconnect.de (name von der redaktion geändert)

liebe(r) x11111xxx.dip0.t-ipconnect.de,
offenbar kennst du nicht allzu viele männer, die du so etwas fragen könntest, sonst müsstest du wohl nicht google bemühen. also: rechtschreibung wäre schon mal ein erster schritt in die richtige richtung. und wenn du den satz dann noch in anführungszeichen setzt, weiß google schon mal ein bisschen genauer, was du wissen willst. in diesem fall bleibt unser aller suchmaschine allerdings sprachlos. was bedeutet: kein anderer hat jemals diese frage im internet veröffentlicht. was nicht bedeutet: dass nicht schon ganz schön viele menschen sich (oder eben google) diese frage gestellt hätten. und da wir neuerdings nicht nur ein tier-blog, sondern ab sofort auch ein help- & simplify-your-life-blog sind (man tut, was man kann!), haben wir uns für dich auf die suche begeben. unsere ergebnisse:
a) carlotta1959 meint, dass sich männer nicht für wenig oberweite interessieren, „habe kaum Oberweite aufgrund dessen, womit viele männer ein Problem haben!“ behauptet sie im sexkontaktblogg (abhilfe dagegen findest du hier oder in tschechien).
b) die allgemeine hotel- und gastronomie-zeitung wiederum weiß seit heute morgen, dass sich männer weder für bio noch für bio-trends interessieren, sie seien regelrechte „bio-muffel“ heißt es gar.
c) horizont.net hat zudem herausgefunden, dass auch mode den männer immer egaler ist.
d) über das problem, das sich die männlichen besucher des metal-festivals in wacken prinzipiell nicht für frauen interessieren, existiert ein 51-seitiger thread – vielleicht hilft der ja weiter? zitat: „meine kollegen haben die theorie, dass die allermeisten metaller, die nach wacken gehen so mit der musik und dem saufen beschäftigt sind, dass sie 3 tage lang gar keine zeit mehr zum frauen-kennenlernen haben. könnte das stimmen?“
angesichts dieser erhellenden faktenfaktenfakten, stellt sich mir endlich nurmehr eine frage: wieso willst du das eigentlich wissen?

Hossa, auf einmal sieht der Webauftritt der taz ganz anders aus! Wusste eigentlich irgendjemand, dass man dort einen Relaunch plant? So magazinmäßig schwarz ist da jetzt alles. Laut Editorial soll der Online-Auftritt jetzt zugleich “beschleunigt und entschleunigt” sein. Beschleunigt wird natürlich in Sachen Tagesaktualität. Filmkritiken, Buchbesprechungen oder Verbrauchertipps gelten als entschleunigt. Man will sich anscheinend neu erfinden, aber eine kurze Zwischenfrage: Machen das nicht alle Zeitungen mehr oder weniger so? News-Feeds gibt es immer noch nicht. Und die Blog-Abteilung hat immer noch diesen freudlos zusammengeschusterten Look, wie eh und je.

Man werde die fertigen Artikel jetzt sofort online stellen und nicht erst, wenn die Zeitung in Druck gehe. Jetzt wird es also auch bei der taz aller Wahrscheinlickeit nach heißen: Schnell, mach fertig! Korrigieren kann man später immer noch. Die Klickhurerei gelte es selbstverständlich trotzdem zu vermeiden, heißt es da weiter in Bezug auf eine derzeit vielzitierte Studie zum Onlineverhalten der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die momentan beinahe obligatorischen Kommentarmöglichkeiten unter den Artikeln hat man sich verkniffen, aber ein Leserforum gibt es, wo man gerade anlassgemäß über den neuen Online-Auftritt diskutiert. Eine “Am meisten gelesen”-Sektion hat man sich dann doch geleistet. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dort nicht auch bald Top-Journalismus über Eichhörnchen auf den ersten Plätzen wiederfindet.

Ich kann mir bei aller Sympathie nicht helfen, aber die ganze Sache wirkt doch arg altbacken, vor allem im Vergleich zum neuen Webauftritt vom Tagesspiegel. Zumindest was die Optik angeht, bin ich davon schwer begeistert, auch wenn ein paar Sachen auf der Eingangsseite noch unausgegoren erscheinen, etwa die Bildsetzung in der Sektion “Aus allen Ressorts”. Auf jeden Fall wirkt die Seite nicht hektisch und überladen und das ist mir das Allerwichtigste. Die wahre Pracht wird man hoffentlich bei den Blogs sehen können. Man surfe mal in einen hinein, z.b. in den Berliner Fanblog, und staune. Fair ist der Vergleich zwischen Online-taz und Online-Tagesspiegel sicher nicht. Ich möchte nicht wissen (doch, eigentlich schon), wieviel Geld man bei Holtzbrinck hineingebuttert hat.

Aber etwas anderes: Fällt euch beim Tagesspiegel etwas auf? Da ist alles so schön rot, schwarz und weiß. Beinahe so schön rot, schwarz und weiß wie hier, beim zweitens-magazin. Für den Tagesspiegel-Relaunch hat man laut Mercedes Bunz jedoch einen Stardesigner engagiert.

Sage da noch einer, dass er mehr vom Zeitgeist … Ach, siehe auch Eilmeldung: Auf Erotikmessen geht es ums Geld!, letzter Absatz.

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