Archiv für Juli 2007

“Rational und logisch ist das, was Sie hier machen, indem Sie also bei Andreas den fünften beziehungsweise sechsten Anwalt rausfeuern, logisch und rational ist das präzise, das Vorgehen und die Struktur eines Kriegsgerichts, beziehungsweise, hier ist es vielleicht genauer zu sagen: eines Polizeigerichtsverfahrens”, erklärte Ulrike Meinhof am 10. März 1976 während des Stammheim-Prozesses. Und nun kann man sich das sogar anhören, diesen seltsamen Gestus zwischen Widerstand und Langeweile (man erinnere sich an Klaus Theweleits Rede von den “ghosts”) – wie auch ein paar weitere Mitschnitte aus der Verhandlung, unter anderem Andreas Baader zur Isolationshaft und Gudrun Ensslins Bekenntnis zu den Anschlägen (einen Überblick gibt´s hier, Wortlaute hier).
Wer diese Aufnahmen genau entdeckt hat, wird nicht recht klar: Spiegel TV heftet sich das allein ans Revers, der SWR nannte zuerst sich selbst, nennt mittlerweile aber Spiegel TV und den NDR – wie jetzt? Das weiß Michael Hanfeld, der in der FAZ über die Hintergründe dieser Uneinigkeiten berichtet.

Eine Lese-Empfehlung zum Thema “Zukunft, wie sie leider sein wird”:
Über die idealen Waffen für einen globalisierten Ausnahmezustand schreiben Olaf Arndt und Wolfgang Pircher in ihrer dreiteiligen Artikel-Serie “Schmerzmaschinen” auf telepolis. Gestern ist der letzte Teil dieser unbedingt lesenswerten Reihe erschienen, der einen Bezug zwischen Nicht-tödlichen Waffensystemen und der Folterdebatte herstellt. Die bekannteste dieser Waffen ist der Taser, der im Polizeieinsatz bereits verwendet wird. (Zum Beispiel hier auf wired.com und hier beim Hersteller gibt es mehr Infos darüber.) Taser und Active-Denial-Systeme (ADS) sind Waffensysteme, die nicht töten, stattdessen “nur” direkten Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen, indem sie maximale Schmerzen durch Strahlung und Strom hervorrufen, die niemand ein zweites Mal erleben will. Volkserziehung nach Methoden der Schwarzen Pädagogik. Körperliche Schäden entstehen dadurch angeblich keine und wen interessieren schon seelische? Die Befürworter solcher Waffensysteme beschreiben die immergleichen Szenarien: Eine Menschenmenge gerät außer Kontrolle, man stelle sich nur vor: Hooligans! Die Polizei habe nur zwei Möglichkeiten: scharf zu schießen und eventuell Unschuldige zu treffen oder zu beobachten, ohne einzugreifen. Nich-tödliche Waffen wären das Bindeglied zwischen Warnschuss und Schuss, ideal um Menschenmengen zu kontrollieren. Spätestens wenn man die Sätze eines Botschafters einer Hersteller-Firma liest, weiß man, woher der Wind weht: In Heiligendamm sei nicht genug getasert worden, wenn man die Anzahl der Verletzten beziffert sähe. Das kurze Zufügen von “Vernichtungsschmerzen” scheint nicht als Verletzung zu gelten, doch die dahinterstehende Strategie ist natürlich viel perfider, wie die beiden Autoren schreiben:

In einer Welt, die größte Mühe darauf verwendet, die gesamte Lebenszeit möglichst schmerzfrei zu gestalten, ist ein “unpopuläres Gefühl” wie Schmerz das adäquate Mittel, um zu signalisieren, dass wer ihn fühlt, falsch denkt und lebt. Der Schmerz, der eine Zone versiegelt, ist somit der Vorbote einer anderen schmerzlichen Erfahrung, der Exklusion: der aufgezwungenen Unfreiheit im Gefängnis oder Lager. Zäune, Bewachungstechnologie und Bewegungsverbote zählen zum Standard des Freiheitsentzuges.

Man lese und denke sich den Rest selbst! Hier geht es zu den drei Teilen: Die politische Technologie der Pein, Medizinische Aspekte der Schmerzerzeugung und Die Gesellschaft ohne Schmerzen.

Scheint dann doch eher ein Ladenhüter zu sein, dieser neue Potter-Band.

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Vermutlich steht die Baustelle nebenan am Anfang dieser Geschichte. Weil sie von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends Lärm macht und sich einen Dreck um ihre Nachbarn schert. Auch dass sie laut Schild schon längst fertig sein müssten, ist dem Bauherrn dieser “Lofts im Gärtnerplatzviertel” sichtlich gleichgültig – wenn sein LKW etwas abladen muss, dann hält der LKW halt mitten auf der Straße, so dass keiner mehr durchkommt, und lädt ab. Ganz egal wie lange das dauert und wie lange die Schlange hupender Autos mittlerweile ist und wie laut die alle sich dann anschreien. Dass man da nicht arbeiten kann, versteht sich von selbst. Vielleicht stehen aber auch die SUVs am Anfang dieser Geschichte, diese großen, dicken, hohen Autos (Sports Utility Vehicle heißt das ausgeschrieben, wiewohl alle sie nur innerhalb der City benutzen; der Porsche „Cayenne“ etwa ist so ein widersinniges Ding), die allen anderen die Sicht nehmen und deutlich mehr Benzin als alle anderen verbrauchen. Die also allein aus Prestige/Potenzsehnsucht/wasweißichwas gekauft werden und von denen mich ein Exemplar jüngst beinahe an der Kreuzung Klenzestraße-Buttermelcherstraße überfahren hätte, nur weil ich mir erlaubte, bei grün über die Ampel gehen zu wollen. Was das alles heißen soll? » Hier geht’s weiter …

Ganz manchmal, wenn so etwas wie Romantik in mir aufflackert, dann lese ich Gedichte, zum Beispiel jenes mit dem Titel “resist.pl” von Charlie Harvey.

#!/usr/bin/perl
sub b($){1;}
sub is(){1;}

BEGIN{($thinking,$acting and $fighting);
sleep $later if not kill $you, ($first, $the_powerful)}#…

uc(our $planet);is; not $machine and not $factory;
(our $planet)=($fragile, $delicate and $alive);
(our $lives)=($on=>’knife_edge’);

uc(my $life);is; not $meant; for (@sale and
$i_am){}; not $a{“demographic”} or $a{“market segment”};
$i_will; not $lie_back and $let_you; kill $people for ($profit);

$corporate_masters=’power, guns, influence';

$fight; while()
{$live{‘free’} or die ‘trying';}

for ($love){};
for ($anger){};
for ($fun){};
for ($fucks_sake)
{$stand_up &b $counted; join $the, @resistance };

our $planet=>is_being_slowly_strangled;

until ($planet=>belongs=>(2*(each %person)) and not $corporate_masters){
not $Shell; not $Esso; not ($BAE or $halliburton);
(our $lives);not $viable;
not (our $species); last;
}

$world=>ends unless ($you and $me
and not $them and $their_power{‘control world’});

$people=>suffer until (
$workers->{control}->{means_of_production}++
and not reverse);

$life=>suffer if not our $communities->{police->{selves}};

$art=>sucks while ($art = $commodity); for (@consumption){not $expression};

alternative_possible:
foreach ($act{‘resistance’}) { $our_hope++ and $their_power–; }
die ($corporate_masters . $you . ” won’t stop us.\n”)

__END__

=head1 LICENCE

Copyright (C)2006 Charlie Harvey

This program is free software; you can redistribute it and/or
modify it under the terms of the GNU General Public License
as published by the Free Software Foundation; either version
2 of the License, or (at your option) any later version.

This program is distributed in the hope that it will be
useful, but WITHOUT ANY WARRANTY; without even the implied
warranty of MERCHANTABILITY or FITNESS FOR A PARTICULAR
PURPOSE. See the GNU General Public License for more
details.

You should have received a copy of the GNU General Public
License along with this program; if not, write to the Free
Software Foundation, Inc., 59 Temple Place – Suite 330,
Boston, MA 02111-1307, USA.
Also available on line: http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html

=cut

Wenn man das Ganze nicht versteht, muss man es nur dem Perl-Interpreter geben, auf warnings und Zeug verzichten, dann gibt es als Output sogar sowas wie eine Gedicht-Interpretation:

power, guns, influence won’t stop us.

Mir wird ganz warm ums Herz!

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