Archiv für Juli 2007

Manchmal entdecke ich Sachen im Netz, die so großartig sind, dass ich überrascht und irgendwie sogar enttäuscht bin, dass ich sie bisher nicht kannte. Sowas muss sich doch zumindest unter Interessierten herumsprechen! Gestern bin ich zufällig auf einen Link auf das UbuWeb gestoßen, surfe heute dort ein bisschen herum und bin schlicht und einfach erschlagen von dem Zeug, das es da zu sehen und hören gibt. Das UbuWeb ist ein riesiges Archiv für Avantgarde-Kunst, das sich selbst “the definitive source for Visual, Concrete + Sound Poetry” nennt und damit nicht übertreibt. Vor allem die Filmsektion hat es mir angetan: Dort gibt es zum Beispiel den einzigen Film von Jean Genet, Un Chant d’Amour, zu sehen oder alle Filme von Guy Debord. Ach, ich habe gerade Lust, einfach ein paar Namen aufzuzählen: Luis Bunuel, die Wiener Aktionisten, die Dziga Vertov Group und Jean-Luc Godard/Anne-Marie Miéville, Bruce Nauman, Harun Farocki und und und. Muss man selber vorbeischauen. Wem das nicht reicht, der kann sich mit dem Ubu-Webradio rund um die Uhr Avantgarde in die Ohren tun. Gerade lief ein Interview mit Hermann Nitsch.

Entdeckt habe ich den Link übrigens auf dem Blog des Videomagazins OH!. Auch dort kann man eine halbe Ewigkeit verbringen. Wo soll man nur all die Zeit hernehmen? Wer genug von der Avantagarde hat, der kann sich dort zum Beispiel “Der Fuehrer’s Face” anschauen, jenen Anti-Nazi-Propaganda-Film der Disney Studios von 1942, in dem Donald Duck das traurige Leben als Nazi am eigenen Leib erfahren muss.

Noch bin ich Dir leidlich wohlgesonnen, langsam wird´s allerdings auch bei dir eng. Denn besser wär´s vielleicht, Du würdest Deine Leser nicht für dumm verkaufen: Dass dieser Artikel diese Bilderstrecke zuerst irgendwo im Kulturteil (“Kultur – Kunst – Literatur”) zu finden war, ging noch in Ordnung, dass sie nun allerdings seit geschätzt einer Woche (das Datum fehlt wohlweislich) dessen Aufmacher darstellt, dürften mittlerweile selbst die Gelegenheitsleserklicker gemerkt haben. Dass Du darunter auf einen Print-Artikel vom Februar beziehungsweise noch mehr Bildergalerien verlinkst, macht immer noch keine Online-Feuilleton. Also noch eins weiter nach unten – Überraschung: Zweiter Aufmacher ist eine Bildergalerie, das „Tableau der Ticks“ Deiner Leser. Dritter Aufmacher schließlich das Internetvideo der Woche. Für buchstäblichen Text muss man schon ganz schön weit nach unten rollen (und manchmal hilft nicht einmal das). Magst, liebe sueddeutsche.de, in Zukunft nicht einfach “Klick-Content” drüber schreiben, anstatt dieses große Wort „Kultur“, das Dir scheinbar nicht mehr wirklich viel bedeutet? Nimm Dir doch mal ein Beispiel an SAT1 – die haben ihre so genannten Nachrichten auch einfach abgeschafft. Und plötzlich jammert alle Welt, als wär´s Abendland grad untergegangen. Wäre doch `ne Idee? Nein? Na, dann lass gut sein.

Allmählich bekomme ich Angst vor Robotern. Zwar habe ich im echten Leben, damals an der Uni, nur ein paar nette AIBOS getroffen, die versucht haben, Fußball zu spielen und dabei froh sein mussten, überhaupt den Ball zu finden. Sie sahen ziemlich blöd aus, wenn sie über das Feld purzelten, und gruselig waren sie wirklich nicht. Aber dieser hier, der BigDog, dessen Erschaffer Boston Dynamics gerade 10 Mio. Dollar vom Pentagon (Artikel hier von register.co.uk) als Belohnung bekommen hat, der macht mir Angst. Zwar gibt es den auch schon seit 2004, wahrscheinlich ist er auch noch strunzblöd im Vergleich zu den Fußball-AIBOS, aber immerhin kann er perfekt laufen. Er soll wohl irgendwann Lasten tragen. Warum nur muss ich da sofort an ein Maschinengewehr auf dem Rücken denken, an garstige Crowd Control Weapons, Laser, was auch immer? Dazu noch dieses scheußliche Surren! Das Gerät erinnert mich irgendwie an BattleTech, ein SciFi-Tabletop-Spiel, das ich früher manchmal gespielt habe.

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Während Boston Dynamics, ein Ableger vom M.I.T, an solchen Maschinen bastelt, glaubt man am M.I.T. selbst, Angst heilen zu können. Ich werde paranoid …

Da haben wir den Salat! Das war so klar! Mit der lebenslangen Verpflichtung von Lotthar Matthäus hat es nirgendwo geklappt. Irgendwer muss da das Beten vergessen haben und was war mit Beitar Jerusalem los? Ich bete weiter …

Zwar nicht übermorgen, aber doch nur einen Monat nach seiner Entlassung bei Red Bull Salzburg, glaubt Lothar Matthäus seine zukünftige Bestimmung gefunden zu haben und die heißt natürlich, wie vorausgesagt, FC Bayern. Leider sieht er sich da natürlich nicht als Greenkeeper, sondern als Assistent von Ottmar Hitzfeld. Und falls er damit insgeheim Nachfolger meinen sollte, dann möge ihn bitte der Blitz beim …. Ich fürchte, er meint insgeheim Nachfolger.

Bisher stapelt er tief. “Ottmar und ich, das wäre ideal”, erzählte er der Abendzeitung. (Hier kann man es auf spon nachlesen.) Falls er damit Recht haben sollte, dann möge es mit den beiden bitte ideal sein bei der Herta oder sonstwo, aber bitte, bitte nicht beim FCB. Bitte nicht! Köpfe einziehen! Beten! Mehr denn je! Jetzt hat er einen konkreten Plan!

Entgegen der Goldenen Regel: “Keine Fernsehtipps, das lohnt sich nicht!” heute doch mal einer, weil: Die schönsten Fernsehfilme der letzten halben Ewigkeit waren für mich auf jeden Fall Klaus Lemkes “Träum weiter, Julia!” und sein “3 Minuten Heroes”. Meine Güte, mochte ich die Leut’ darin alle gern, vor allem diesen Timo Jacobs, über den ich mich immer noch kaputt lachen kann, wenn ich an die Filme nur denke. Heute Nacht um 0.00 Uhr im ZDF kann man ihm wieder zuschauen in Klaus Lemkes neuestem Film “Finale”, der während der WM 2006 in Hamburg gedreht wurde. Das ZDF beschreibt den Inhalt auf seiner Website so: “Für eine Weltmeisterschaft und einen Sommer verliert sich die 21-jährige Saralisa erst an den Fußball – und dann in der leidenschaftlichen Beziehung zu Schauspielerin Anneke …” Dem Filmfest München war “Finale” wohl zu pornografisch. Der Film wurde abgelehnt. Das ist (hoffentlich) auch der Grund, warum das ZDF den Film so spät zeigt. Und deshalb mag ich mich diesmal auch gar nicht beschweren, dass vernünftiges Fernsehen nur noch für Freiberufler und Studenten, die zur Not ausschlafen könnten, konsumerabel ist. Ich bin auf jeden Fall noch auf und drauf.

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