Archiv für Juli 2007

Eben erst entdeckt: Auf der Webseite des Suhrkamp Verlags finden sich – wer weiß wie lange schon – ein paar Audiodateien von Features und Lesungen. Darunter nicht nur Marcus Braun liest aus “Armor” und Paul Brodowsky im Gespräch über “Die blinde Fotografin” und Ariane Breidenstein liest aus “Und nichts an mir ist freundlich”, sondern vor allem: Uwe Johnson liest aus den “Jahrestagen”, und das knappe zehn Minuten lang. “Was ich Ihnen vorlesen möchte, ist aus einem unveröffentlichten Buch, das auch nicht fertig ist.” (Diese Stimme!)
Und hier geht´s zur Übersicht über die Lesungen & Features.

die interessanten artikel
1. Diedrich Diederichsen bespricht Kerstin Grethers “Zungenkuss” – und belässt es natürlich nicht dabei: “Pop ist immer Enttäuschung” lautet die Überschrift, “Und das ist auch gut so”, beginnt die Unterzeile.
2. Jörg Sundermeier (seines Zeichens auch Verbrecher-Verleger) lässt zehn Jahre Literaturkritikerdasein Revue passieren und weiß also einiges über den heutigen Buchmarkt zu erzählen.
3. Hubert Spiegel moniert: “Wie Verlage die Konkurrenz im eigenen Haus inszenieren”.

der schöne text
Der dritte Kapitel von Elfriede Jelineks Internetroman “Neid” ist online. (Zu finden unter dem Menüpunkt “Aktuelles”.)

der erste satz
Vor etwa hundert Jahren hätte an dieser Stelle der Erzähler im Stummfilmkino dem Mann (oder der Frau) am Klavier einen Wink gegeben.
Aus Helmut Kraussers “Kartongeschichte”, erschienen im Marebuch-Verlag: Über vier Menschen, die man nicht gerade im sozialen Oberfeld ansiedeln würden; über Homosexualität; und vor allem über das Erzählen: wie das gehen könnte, wie das Spaß bereitet, wie das sich selbst ad absurdum führt.

der hörtipp
Der aktuelle “Büchermarkt” des Deutschlandradios: über 30 Jahre “Schreibheft” und Thomas Melles grandioses Debut “Raumforderung”.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber: Früher – also: vor den Relaunches – war der erste oder letzte Internetakt des Tages, bei taz.de, bei tagesspiegel.de, bei sueddeutsche.de und nzz.ch (seit ein paar Tagen ebenfalls relauncht) vorbeizuschauen und die aktuelle Ausgabe zu lesen. Mache ich jetzt nicht mehr. Ich finde die ganzen Neudesigns optisch voll in Ordnung, da gibt es wenig einzuwenden. Ich fand das also eigentlich ganz schön, nur merke ich eben langsam, dass ich mich da kaum mehr aufhalte. Weil mir das viel zu unübersichtlich, zu kleinklein, zu 2.0 ist. Nur mit einem gewissen Aufwand und vielen Klicks, kann ich erkennen, welcher Artikel neu ist, von der umständlichen Erreichbarkeit des Ressorts „Medien“ (bei der taz jetzt unter „Leben“ zu finden, beim Tagesspiegel unter „Magazin“) ganz zu schweigen. Vielleicht gehöre ich auch zu einer aussterbenden Gattung, aber: Ich brauche keine Foto- oder DVD-Editionen, keinen „Großen Klinikvergleich“, keine Bildergalerien, keine Foren und Redaktionsblogs – ich will eine Zeitung! Auch online. Gerade die Leserkommentare interessieren mich ehrlich gesagt nicht im Geringsten, höchstens lese ich die, wenn es um politisch schwierige Themen geht und ich mich am wiederholten Auftritt der Rechtsideologen erfreuen will, die es einfach nicht lassen können, die deutschen Medien der Lügen und Meinungsunterdrückerei zu bezichtigen. Aber ansonsten? Nein, mich haben diese Zeitungen als Onlineleser tatsächlich verloren. Also back to print…

Gerade entdeckt: Beim WDR 3 kann man ab jetzt jeden Monat ein Hörspiel als mp3 herunterladen. Besonders schön: Den Anfang macht “Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt” von und mit Zitronen-Mann Schorsch Kamerun. Hab ich verpasst, freu ich mich drauf.

die interessanten artikel
1. Unbedingt nachtragen muss man an dieser Stelle das Jörg-Fauser-Dossier des österreichischen Standard, das nicht nur ein Porträt und einen Text über sein journalistisches Schaffen (“Vom Arsch der Welt”) und ein Interview mit dem Fauser-Gesamtwerk-Verleger Alexander Wewerka, sondern vor allem einen Essay von Jörg Fauser über Joseph Roth enthält.
2. In der Sunday Book Review der New York Times bespricht John Irving “Peeling the Onion” von Günter Grass.
3. In der NZZ schreibt der grandiose Paul Jandl über Klaus Hoffer, den “Schriftsteller, der schon früh den perfekten Roman geschrieben hat und seither mit diesem Schicksal hadert.”
4. Für das Magazin des Schweizer Tagesanzeigers hat Sacha Verna den Autor Richard Ford besucht: “Wer die Menschen verstehen will, sollte Geschichten von Richard Ford lesen. Oder dieses Interview.”

der schöne text
Der Bachmannwettbewerbsbeitrag von Michael Stavaric: “Böses Spiel”.

der erste satz
Jetzt noch, kurz vor Mitternacht nämlich, lächelte Lüßl auf eine ganz und gar nicht einnehmende Art und Weise vor sich hin.
Aus dem wunderbaren Roman “Heilig Blut” von Gisela Elsner, die von ihrem Sohn Oskar Roehler vor ein paar Jahren in dem Film “Die Unberührbare” porträtiert wurde. “Heilig Blut” ist ein bitterböses Buch über deutsche Abgründe, über Jagdausflüge und Altnazis, erschienen ist es im Berliner Verbrecher Verlag; eine schöne Rezension findet sich beim Deutschlandradio.

der hörtipp
Die neue Folge von “Buch heute” ist da – sie handelt diesmal von “Bewerbung mit Erfolg”: “Junge, unbekannte Schriftsteller haben es nicht leicht, einen Verlag zu finden. Die Literaturagentur Puls-Puls und ihre unkonventionellen Methoden.” Zitat: “Wir machen den Gegnern des Manuskripts unmissverständlich klar, dass sie sich positiv damit auseinandersetzen sollen…”

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