Archiv für August 2007

Mit dem Fernsehprogramm wie immer unzufrieden sind die deutschen Fernsehzuschauer: “Als schwierig empfinden 57 Prozent der Befragten die derzeitige Fernsehlandschaft. So gaben sie an, das Fernsehprogramm sei in seiner wachsenden Vielfalt unüberschaubarer geworden. Zudem scheinen die Zuschauer ihr Vertrauen in die gezeigten Inhalte zu verlieren”, schreibt das Medienmagazin DWDL über eine Studie der TV-Zeitschrift “Hörzu”.
Ein Schelm, der da einen Zusammenhang vermutete: Mit dem Radioprogramm und dessen zunehmender Unglaubwürdigkeit unzufrieden sind knapp ein Dutzend deutsche Radiomacher, die sich deswegen unter dem Namen “Fair Radio” zusammengetan und den “Tutzinger Appell für ein glaubwürdiges Radio” (pdf) veröffentlicht haben. Blogmedien erzählt ein bisschen mehr darüber.
Mit der Dreistigkeit des österreichischen Boulevards sichtlich unzufrieden ist Florian Klenk, der deshalb eine schöne Geschichte darüber im Wiener “falter” (dessen Eigenwerbung “Die beste Stadtzeitung Europas” genausowenig gelogen ist wie sein Slogan “Wir holen dich da raus!”) geschrieben hat: “So ist Boulevard” heißt das gute Stück.
Mit westdeutschen Testpersonen sind die Werber unzufrieden, deshalb müssen sich vorwiegend Ostdeutsche all den Quatsch vorab ansehen. Warum das so ist: Der Theaterredakteur der Berliner Zeitung, Ulrich Seidler, stellt eine “atemberaubende These” auf und erledigt das Thema mit einer wunderbaren Pointe. Zu “Seit es Schokolade gibt”, bitte hier entlang.

Dass die Netzeitung offenbar keine Bücher mehr rezensiert, hatte ich zunächst auf das klammheimliche Verenden ihres Netz-Feuilletons “Voice of Germany” geschoben. Nun, da ich zufällig auf eine (alte? – denn weder auf der Hauptseite noch im Kulturteil gibt es noch einen Verweis darauf) Netzeitungs-Bücher-Seite stieß, musste ich allerdings noch Bittereres feststellen: Meine Melancholie war eine Täuschung, denn die Netzeitung scheint ohnehin noch nie Bücher rezensiert zu haben – zumindest ist ein guter Teil der “Besprechungen” einfach – wozu die journalistischen Umstände? – von Amazon übernommen (oder vice versa, was auch nix am faulen Nachgeschmack ändert), was wohl das dezente “(Verlag)” am Ende des “Netzeitungs”-Artikel andeuten soll. Dieser Hinweis ist jedoch zum Glück so unauffällig, dass man den Link “Bei Amazon.de bestellen” keinesfalls übersehen kann. Hier etwa die “Besprechung” von Helge Schneiders “Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas” bei der Netzeitung – und hier dasselbe als “Produktbeschreibung” bei Amazon; oder: “Kritik” von Peter Handkes “Kali” bei der Netzeitung – und das Produkt in denselben Worten bei Amazon. Die guten, alten Zeiten waren also gar nie welche…

VoodooKitchenWahrscheinlich interessiert es eh niemanden, nur wieder mich… Habe gerade entdeckt, dass man von einem der nettesten Labels weit und breit, nämlich Voodoo Rhythm aus Bern, Videos und Live-Mitschnitte anschauen kann. Wunderbarer Lärm!

Trotzdem kein Interesse? Lieber ein paar Girls? Striptease? Dann weiter zu etwas Burlesque.

Nein, ich bekomme kein Geld dafür.

Kaum hatte ich meine erste AC/DC-Platte gekauft, wurde mir schon dieses ekelhafte Buch “Rock im Rückwärtsgang” eines Michael Buschmann in die Hand gedrückt. Meine Ministrantengruppe bekam sich kaum noch ein ob der Perfidie dieser verbrecherischen Rockstars. Mit aller Macht würden sie unser Unterbewusstsein vergiften und uns in die Fänge Satans treiben mittels – Jetzt heißt es stark sein! – backward masking. Tonband-Geräte haben wir damals umgebaut, um die schlimmen Stellen zu entschlüsseln. Nie hat man irgendwas verstanden, aber trotzdem gab es wochenlange, empörte Diskussionen. Gott, warum hast du uns verlassen? Zugegebenermaßen war auch ich damals für kurze Zeit erschüttert, ein paar Wochen lang, bis sich mein gesunder Menschenverstand mit aller Macht zurückmeldete und mir immer klarer wurde, wie perfide diese Christen den ewigen Kniefall erzwingen wollten. Fast schade, dass ich mich das heute alles nicht mehr gruselt. Damals war die Welt noch so spannend. Heute muss ich vor allem grinsen beim Anhören der Backward-Masking-Beispiele, die Jeff Milner auf sein Blog gestellt hat. Der Mann ist wohl Spezialist dafür und lässt alles und jeden rückwärts laufen.
(via bkanal.ch)

Nebenbei: Kennt jemand noch den früheren Profi-Skater Natas Kaupas? Den fand ich damals besonders lässig. Aber wenn der mal nicht mit diesen Rockmusikern unter einer Decke steckte bei diesem Vornamen … Nur: Was heißt dann “Sapuak”? Am Ende wirklich “Gott” in irgendeiner alten Sprache, wie hier unter Berufung auf das Thrasher Magazine behauptet wird. Das war alles so perfide damals …

der interessante artikel
Das Zeit-Magazin fragt “Wo ist Böll?”

der hörtipp
Jakob Schiefer fragt “Lesen oder Spielen?”

Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

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