Archiv für September 2007

Heute geht es um den berühmten Sack Reis in China. Damit hat es eine seltsame Bewandtnis. Er ist berühmt, weil er ständig umfällt. Aber es interessiert trotz seiner Berühmtheit niemanden. Er fällt ja angeblich ständig um. Niemand schert sich darum. Und doch ist diese Darstellung bösartig verkürzt. Ein paar Menschen fluchen und ärgern sich nämlich schon. Mühsam kehren sie den Ertrag harter Arbeit wieder zusammen, füllen die Körner zurück in den Sack und richten ihn wieder auf. Hilft ja nichts, es muss weitergehen.

In der vergangenen Woche ist im Fußball wieder so ein Sack Reis umgefallen, sollte man zumindest meinen. Der Trainer von Real Madrid, Bernd Schuster, hat vor dem Championsleague-Spiel gegen Werder Bremen einen Satz geäußert, der äußerst banal ist und deshalb nicht weiter interessieren sollte. Schuster sagte, der Bremer Spielmacher sei ein sehr interessanter Spieler. Tja, wer wagt da noch zu widersprechen? Natürlich niemand. Man sollte sofort erwidern: Erzähle es deiner Großmutter, das wissen wir schon längst! Und außerdem: Mal eine Frage! Welchen interessanten Spieler findet Real eigentlich nicht interessant? Vor kurzem haben sie Wesley Sneijder verpflichet, sicherlich einen interessanten Spieler. Zum Saisonbeginn hieß es für kurze Zeit, Real sei an Rafael van der Vaart interessiert. Ein ganz interressanter Spieler, dieser Van der Vaart. Real ist an Kaka interessiert, an Ballack, an Gott und der Welt, solange man dort nur jemandem ein Mikrophon unter die Nase hält. Wieso sollte sich da überhaupt irgendjemand noch dafür interessieren?
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Nein, Fanfaren. Ein paar Takte später wäre eh nix mehr gegangen mit dem Aufnehmen. Und außerdem braucht niemand Hardcore-Konzerte aus der Konserve. Aber diese Fanfaren! Die wollte ich seit einer halben Ewigkeit noch einmal hören. Eigentlich seit 1991. Et voila! Vollgas!

Das ist sozusagen die Fortsetzung von Zeitlos schön und endlich ein Test für dieses Audio-Plugin.

Das große Thema heute ist natürlich Anne Will. Die Medienjournalisten werden sich abmühen. Besser, schlechter als Christiansen? Soweit, so egal.

Seltsam mutet jedoch an, was manch einer als Glosse, Kommentar oder, hüstel, Blogbeitrag zu verkaufen sucht. Zum Beispiel Josef Seitz. Meines Wissens stellvertretender Ressortleiter Medien beim Focus. Da bloggt er munter darauf los unter der Überschrft: “Liebe Fünf-Mark-Nutte Anne Will“. Sagenhaft! Da erwartet man brutalen Enthüllungsjournalismus, schlimmste Verfehlungen von Anne Will und nur er, Seitz, hat sie entlarvt und lässt jetzt zum Start der Sendung die Katze aus dem Sack. Wie sonst könnte man so stillos sein?
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Sowas machen sie heutzutage ja gar nicht mehr. Werbung mit Charles Bronson, Rauchen und Pistolen. Nein, sowas geht heuzutage gar nicht mehr. Wo kämen wir da hin? Kurze Werbepause am Samstag Nachmittag: Japan, Siebzigerjahre, Männergeruch.

[youtube jPqRpxm5Ak4]

Einen zweiten Mandom-Spot gibt es hier. Auch gut. Wieder mit Charles Bronson.

Entdeckt bei Beyond the Groovy Age of Horror.

Ich werde jetzt für ein paar Minuten pubertär. Hilft ja nichts. Es geht um die Toten Hosen, über die man kein Wort verlieren müsste. Dass ich überhaupt noch mitbekomme, was diese Heinis heute machen, liegt nur daran, dass ich als jugendlicher Stöpsel bei meinem ersten Plattenkauf neben der “Walk among us” von den Misfits auch eine Platte von ihnen gekauft habe und wir es damals mordssubversiv fanden, im Sportunterricht “Ficken, Bumsen, Blasen” zu gröhlen. Saudumm, aber wir kamen uns recht cool punkmäßig dabei vor. Es ist mir heute peinlich. Wenn Campino heute irgendwo im Fernsehen auftritt, ist es mir peinlich und wenn auf einer Party ein Hosen-Lied gespielt wird und alle gröhlen, könnte ich im Boden versinken vor Scham. Zum Glück habe ich schon lange keinen so stillosen Plattenaufleger mehr erleben müssen. Sonst sind mir die Toten Hosen schlicht und einfach egal. Tote Hosen, Sportfreunde Stiller, Monrose – alles irgendwo das Gleiche. Dennoch bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass es für dieses Karaoke-Spiel “Singstar” auf der Playstation seit ein paar Wochen eine Ausgabe mit Liedern ausschließlich von den Toten Hosen gibt. Bemerkenswert finde ich es deshalb, weil dann doch – wider besseres Wissen – eine ganz kurze pubertäre Wut in mir hochsteigt. Sie ist sofort wieder weg. Aber trotzdem. Ich stelle mir vor, wie ein paar Teenies in den MediaMarkt laufen, sich dieses Spiel kaufen, dann zuhause Alkopops trinken und Hosen-Songs mitgröhlen. Mordssubversiv werden sie sich dabei vorkommen, total dangerous, wie wir damals. Keinen Deut schlechter, besser und nicht weiter der Rede wert ist das. Das ist mir schon klar. Vielleicht kommt dieser kurze Moment der Wut eher durch das lächerliche Video zum Spiel auf der Website der Band. Meine Güte, ist das pubertär! So witzig! Haha! Und das ist dann der Moment, an dem auch ich pubertär kratzbürstig werde und mir denke: Muss man sich denn heute für gar nichts mehr rechtfertigen? Ist wirklich alles absolut scheißegal? Geht’s absolut nur noch ums Geld? Die Anworten kenne ich, verkaufen kann man alles und die Toten Hosen sind sowieso ein schlechtes Beispiel, ich weiß. Um die Toten Hosen geht es mir eigentlich gar nicht. Wie gesagt, die sind mir absolut egal.
Das waren meine pubertären fünf Minuten.

Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

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