Archiv für Oktober 2007

Lange schon nicht mehr wild durchs Netz gelinkt, also wird es mal wieder Zeit. Vollkommen konzeptlos gibt’s etwas zu Film, Musik und Fußball. Obwohl: Eigentlich auch schon wieder ein Konzept. Was braucht man denn mehr?

Alle Cowboys und nur ansatzweise Filminteressierten können sich ein monumentales Filmbuch aus dem Netz ziehen. Der Filmhistoriker Tag Gallagher hat sein Buch “John Ford: The Man and His Films”, das ursprünglich 1986 erschienen ist, noch einmal überarbeitet. Und: Man DARF es sich als pdf-Datei herunterladen:
http://rapidshare.com/files/61830908/ford_tag3.pdf.zip (19 MB).
Zwar sind ca. 600 Seiten am Bildschirm sicherlich ein langer, einsamer Ritt durch die Prärie, aber hey! Dann fängt man besser heute als morgen damit an. (via new filmkritik)

Das französische Blog la blogotheque könnte für mich tatsächlich mal Grund dafür sein, zwei Tage freizunehmen und Urlaub im Netz zu machen, um Musik zu hören. Dann werde ich mir alle, alle Take-Away Shows anschauen, die dort bisher veröffentlicht wurden. 69 sind es mittlerweile. Zwar kenne ich viele dieser Kapellen gar nicht, aber wenn man zum Einstieg die Filmchen von Herman Düne oder Beirut nimmt, dann is man sowieso schon angefixt. Aktuell bin ich sehr begeistert von Malajube, die ich natürlich auch nicht kannte, und ihrem Song Montreal. Das ist die neueste und 69. Take-Away Show und somit eigentlich der Grund für diesen Eintrag. Was für eine schöne Idee, Bands mit akustischen Instrumenten irgendwo in der Stadt spielen zu lassen und dabei zu filmen ohne Schnickschnack und Zeug. Und außerdem ist die Seite auch noch so schön, dass man im Dreieck springen mag.

Ok, hohe Kunst ade, aber weiter mit Musik. Bei Fritten, Fussball & Bier hat’s ein Video von singenden, argentinischen Fans, wohl von River Plate Buenos Aires. Was die da veranstalten, ist schon schwer beeindruckend, Tribalismus pur. Leider verstehe ich nicht, was die da singen. Hoffentlich nichts Schlimmes. Und wenn schon … Ich will nie wieder “Stern des Südens” hören müssen, wenn ich ins Stadion gehe. Naja, frommer Wunsch, ich weiß.

Weil ich es gerade wieder sehe: Auffällig oft landen hier Menschen, die nach “Erlebniserzählung: Wie ich einmal große Angst hatte” googeln. Das ist zwar kein Wunder, wenn sie schon danach googeln. Dann landen sie nämlich hier. Doch warum googeln diese Menschen überhaupt danach? Stellt man dieses Aufsatzthema in unseren Schulen immer noch? Wenn ja, hat man dann noch vor Kellern Angst oder – was weiß ich – vor Identitätsklau in Second Life? Böten sich heutzutage nicht andere, nunja, zeitgeistigere Aufsatzthemen an? Etwa “Wie ich beim Counterstrike einmal der letzte Überlebende meines Clans war” oder etwas in der Art? Ich musste diese Schulix vor über 20(!) Jahren schreiben! Sagen Schüler am Ende immer noch Schulix zu Klassenarbeiten? Und: Wann wurden denn zum letzten Mal die Lehrpläne überarbeitet?

Obwohl: “Wie ich einmal Angst hatte” ist schon immer noch ein Thema, irgendwie.

… oder hat der Moderator des Länderspiels Deutschland-Tschechien gerade tatsächlich im ZDF gesagt, man könne den Kommentar ausblenden, wenn man sich dadurch gestört fühlt? Das wäre wirklich mal innovativ. Wahrscheinlich habe ich mich nur verhört. Ja, so muss es gewesen sein.

Ein vernünftiger Tag fängt mit einer Tageszeitung an. Immer noch trotz Internet. Dafür stehe ich mindestens eine Stunde vor dem Verlassen des Hauses auf. Natürlich lese ich als erstes den Sportteil, eigentlich alles über Fußball, das meiste auch über die anderen Sportarten, wobei es manchmal durchaus vorkommen kann, dass ich Berichte über diese Schneller-Höher-Weiter-Wettkämpfe nur überfliege. Danach kommen dann Politik oder Feuilleton, je nach Lust und Laune. Den besten Sportteil aller deutschen Zeitungen hat auf jeden Fall und mit Abstand die Süddeutsche Zeitung. Das ist der Grund, warum ich immer (auch) die SZ lese und mich seltsam uninformiert fühle, wenn ich an einem Montag beispielsweise mit der Rundschau vorlieb nehmen muss. Deren Sportteil ist zweite Liga. Maximal.

In letzter Zeit überlege ich mir aber immer häufiger, ob ich nach dem Aufstehen nicht besser sofort meinen Computer anschmeißen und mir diese Einsachtzig schenken sollte. Den wichtigsten Sport-Artikel der morgendlichen Printausgabe kenne ich nämlich meist schon. Er steht neuerdings bereits am Vortag, etwa gegen 17 Uhr, im Netz. Heute gibt es beispielsweise ein schönes Interview mit Joachim Löw, in dem er tatsächlich viel über seine Arbeit erzählt. Nur: Es war nicht mehr neu. Es war von gestern, aus dem Netz. Und, Bonmot, nichts ist so alt wie eine Zeitung von gestern. Genau dieses Gefühl überkommt mich da beim Frühstücken. Von eineinhalb Seiten Fußball kenne ich bereits das Sahnestück, das etwa die Hälfte ausmacht. Gut. Es gibt auch noch Mannschaftsaufstellungen (wie überall im Netz auch), ein paar taktische Einschätzungen für das Spiel gegen Tschechien, aber mal ganz bescheiden: Das traue ich mir bis zu einem gewissen Grad auch selbst zu.

Der Online-Auftritt der SZ bekommt seit einiger Zeit genug Schelte für miese Artikel und lästige Bildergallerien. Schon klar. Also versucht man halt, die ganze Sache auf ein höheres Niveau zu heben, indem man, quasi als Schmankerl, gute Artikel ins Netz stellt. Natürlich ist schon ein wenig gemein, da zu mäkeln. Nur: Die eigentlich Zeitung zu lesen, macht dann halt einfach keinen wirklichen Spaß mehr. Mir ist nicht ganz klar, warum z.B. dieses Interview an Wert verlieren sollte, wenn man es erst heute früh online freischalten würde. Das ist doch keine EILMELDUNG, das bleibt doch sowieso exklusiv, da muss doch kein Mensch schneller sein als Spiegel Online. So ein Interview würde ich gerne zum Frühstück lesen. Es scheint aber bei vielen Tageszeitungen noch nicht angekommen zu sein, dass es Menschen wie mich gibt, die den ganzen Tag im Internet unterwegs sind und trotzdem noch eine Zeitung haben. Ich lese Zeitung, weil es mir manchmal gehörig auf die Nerven geht, dass es sogar bei solchen Geschichten wie einem Exklusiv-Interview darauf anzukommen scheint, was der Zeitstempel im Netz sagt. Ich hätte ohne diese Infos aus dem Gespräch auch ganz gut bis heute früh leben können. Heute hätte ich mich darüber gefreut und es gemütlich gelesen. Gestern habe ich es nur überflogen, wie ich es immer öfter mache mit diesen Schneller-Höher-Weiter-Sachen des Netzes.

Nichts gibt es, was man im Netz nicht findet – alte Regel. Und kaum etwas gibt es im Netz, was nicht schon Tausende vor einem gefunden haben – auch eine alte Regel. Zum Beispiel die schöne Seite Indymogul – DIY Filmmaking, die sich gerade rühmt, über 10000 Subscriber auf YouTube zu haben. Zwar bin ich kein Filmemacher, aber über das dort vermittelte Insiderwissen, wie man es besonders müllig machen könnte, bin ich dann doch dankbar. Dort kann man zum Beispiel lernen, wie man so aufwändige Special Effects zustande bringt wie das Platzen von Schädeln oder den Flug in einem Raumschiff – und das alles für Materialkosten von maximal 50 Dollar. Dementsprechend sieht es natürlich aus, aber hey, es sieht immerhin aus! Jeden Montag gibt es eine Episode “Backyard FX”. Diese Woche etwa wird gezeigt, wie man Gliedmaßen baut, die man blutigerweise abreißen kann, sozusagen als Halloween-Special. Mogulween nennen sie das dort. Auf jeden Fall ist dieses Zeug abonniert! Von mir aus bin ich da auch gerne Mensch Nummer 10001 und schaue mir die 10 Sekunden Werbung pro Episode an.

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