Archiv für Januar 2008

Zwar ist die BBC-Doku Trigger Happy: The Irresistible Rise of the Videogame schon ein wenig betagt und wird gleich noch älter, wenn man ihr dauerbeschleunigtes Thema Videospiele in Betracht zieht, aber interessant anzusehen ist sie trotzdem immer noch. Durch das Programm führt der Autor, Journalist, Komponist für Filmmusik und was auch immer Steve Poole, dessen Website immer wieder einen Besuch wert ist. Dort darf man auch das erste Buch des Autors mit gleichnamigem Titel Trigger Happy über die Ästhetik von Videospielen herunterladen, das zwar ebenfalls schon etwas älter und in Anbetracht des Themas, usw… trotzdem äußerst lesenswert ist. (Gab es den Hinweis hier schon einmal? Egal. Suche findet nichts.)

Und ich bin prompt wieder angefixt und finde meine Xbox gerade unwiderstehlich. Endlich wieder ganz ohne Ring of Death.

hau_1_reihe2c_thumb.jpg Eine der ödesten Sachen eines Kneipenabends ist das, was meist nach den Gesprächen über Fussball kommt: das Nacherzählen von Filmen. Ich selbst mache das ja gerne, aber am liebsten höre ich mir dabei natürlich selber zu. Schließlich glaube ich, die besten Filme zu kennen, und natürlich teile ich dieses Herrschaftswissen gerne und ausgiebig mit. Das man daraus eine eigene Kunstform machen kann, war mir bisher neu. Gerade lese ich auf medienlese.com von Total Recall – Das internationale Festival des nacherzählten Films, das es wohl schon eine halbe Ewigkeit, nämlich seit 1999, gibt. Das letzte Mal fand es wohl vor ein paar Tagen in Zürich statt. Wär ja mal was gewesen für Zürich-Korrespondent Max.
Zugegebenermaßen fand ich die Idee beim ersten Lesen eher blöd. Grund siehe oben. Aber nachdem ich ein paar Mitschnitte auf total-recall.org angeschaut habe, waren alle Zweifel dahin. Die Ergebnisse sind dermaßen witzig, dass ich aufpassen muss, nicht meinen Vormittag damit zu verdaddeln. Die Regeln sind einfach: Jeder hat zehn Minuten Zeit, um von einem Film zu erzählen, der veröffentlicht sein muss. Hilfsmittel sind nicht erlaubt, aber man darf auch einen Partner mit auf die Bühne bringen. Wahrscheinlich verdaddle ich jetzt meinen Vormittag, indem ich überlege, welchen Film man wie …
Besonders schön ist zum Beispiel gleich die Godzilla-Nacherzählung von Sarah Schütz und Kazuhiko Yoshida, die gleich als erstes kommt, wenn man die Sehbeispiele aufruft.

Hihi, schöne neue Welt. Scheint eine Menge Menschen zu geben, die die gute, alte nicht mehr kennen. Hier die beste Idee seit Gutenberg, hihi.

superpunk_whynot.jpg… und das schon gleich zum Frühstück. Ich alleine mit der neuen Superpunk-Platte. Mit dem Kaffee in der Hand ein wenig abgetanzt, naja, eher ein wenig mitgewippt beim Lesen fast schon obszöner Zeitungsschlagzeilen wie “Koch reklamiert weitere Amtszeit”. Erst den Kopf geschüttelt, dann weiter geschüttelt, dann angefangen zu nicken aufgrund der Musik. Zeitung weggelegt, mir meinen Teil gedacht. Lass mir doch nicht gleich den Tag versauen! Lieber zugehört: “Ich finde alles gut” heißt der erste Song. “Why not?” heißt die Platte von Superpunk, die am vergangenen Freitag erschienen ist. Ich komme mir total webzwo.null-mäßig vor, weil ich das erste Mal eine Platte online gekauft habe. Auch wegen des CD-Plastikmülls, der sich bei mir mittlerweile stapelt, aber vor allem, weil ich nicht erst durch die Läden touren wollte, um die Platte zu hören.
Starke Scheibe! Klingt wie jede Superpunk-Platte bisher. Zwar sind die Bläser vom letzten Album sind verschwunden, sonst jedoch ist alles wie gehabt. Aber wegen musikalischer Neuerfindungen, Klang-Experimenten, usw … kauft sich doch sowieso niemand eine Platte der Band. Die Texte machen Spaß und sind mit das Charmanteste in der deutschsprachigen Popwelt. Neuerdings gibt es vielleicht mehr Midlife-Crisis als früher, aber wie immer kommt das damit verbundene Selbstmitleid musikalisch so beschwingt daher, dass es nur wenig selbstmitleidig klingt, was eine Kunst ist bei Songs wie “Ja, ich bereue alles”, “Ich funktioniere nicht mehr” oder “Ich trinke”. Heulsusen-Lyrik ist das dennoch keine, dafür ist sie irgendwie zu spröde. Selbstironisch? Vielleicht, jedoch nicht mit der damit häufig verbundenen Feigheit. Klar, die Nächte sind zu lang, die Lunge pfeift allmählich, vom Alkohol erholt man sich auch nicht mehr so schnell und wirklich rosig sieht die Zukunft auch nicht aus. Solange sich das aber so anhört, ist mir das wurscht. Kann man auf jeden Fall noch eine ganze Weile weiter tanzen. Ich mach das halt jetzt zum Frühstück, bin ja schließlich schon älter.

Hier geht’s zum Video von “Ja, ich bereue alles”.

… hat mir gefallen, eigentlich sogar sehr gut. „My Blueberry Nights“ schafft es überraschend problemlos, Wong Kar-Wais Sicht auf Sehnsucht, Einsamkeit, Reise, Essen, Zweisamkeit, Leben vs. Tod, Dreisamkeit, Gewalt und Zärtlichkeit auch im amerikanischen Kulturrahmen billant abzubilden. Klar, etwas Neues bietet der Film nicht. Nahezu jedes Detail gibt’s auch schon mal in einem anderen Film. Sowohl von den Bildern als auch der Geschichte. Sogar das musikalische Hauptthema von „In The Mood for Love“ hat er in einer anderen Version eingesetzt. Nicht wirklich einfallsreich. Aber die Zeitlupen und Zeitraffer, das Filmen durch Scheiben, an Menschen und Wänden vorbei, die gestörten und unscharfen Bilder – das macht seine immer ähnlichen Liebesgeschichten doch wieder einzigartig. Früher hatte das Ganze mehr Ecken und Kanten. Jetzt sind das Wong Kar-Wai-Pathos und die Wong Kar-Wai-Patina ziemlich dominierend. Aber Herr Law, Frau Weisz, Frau Portman und gerade auch Frau Jones machen ihre Sache in den Dinern, in den coolen Schlitten, auf dem Highway und beim Pokerspielen sehr gut. Dazu schmachtet Frau Cat Power. Was will man mehr.

Natürlich lass‘ ich nichts über „Happy Together“ kommen. Da hat Herr Wong Kar-Wai so etwas wie das Postkarten-Motiv noch ganz charmant beiläufig als eine von vielen Ideen inszeniert, und das Roadmovie sitzt emotional auch eine Schicht tiefer. Immer ungeklärter wird aber die Frage, ob Wong Kar-Wai einst Christopher Doyle das Filmen beigebracht hat – oder umgekehrt. Weil jetzt steht Darius Khondji hinter der Kamera. Und der David Fincher-Kameramann kriegt es genauso hin.

Einen tollen Artikel zu Wong Kar-Wai gab’s vor längerer Zeit schon mal bei www.sensesofcinema.com. Und hier noch ein wie ich finde schönes Medley des Fans genesis:

[youtube fhhZbf5QCco]

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