Archiv für Januar 2008

oeller_tobi.jpgIch selbst bin ich ja kein Mitglied in irgendeiner Partei, habe aber gerade eben zumindest einen trifftigen Grund gehört, den Grünen beizutreten – und zwar vom Öller Tobi. Ein vollständiges Kabarett-Programm vom Herrn Öller habe ich zwar noch nicht gesehen, aber die Ausschnitte, die man auf seiner Website anhören kann, machen mir soviel Spaß, dass ich mir den 11. Februar in den Terminkalender pinseln werde: Da gibt es nämlich einen Auftritt von ihm im Vereinsheim in München. Hauruck-Humor, immer feste drauf! Wunderbar! Ich kenne niemanden, der all die zugesoffenen Möchtegern-Größen, die durch Oberbayerns Wirthäuser wanken und dabei nur ihre niedrigsten Instinkte im Visier haben, besser und gemeiner nachmachen kann als er.

Warum der Freibier-Fredi jetzt bei den Grünen ist, verrät die Hörprobe “Hormone in der Politik” aus dem letzten Programm Chateau Rouge oder das Scheitern der Revolution.

jennajameson.jpgHipper als Porno geht ja zur Zeit gar nicht – auch wenn die Dächer-Spatzen schon wieder pfeifen: Alter Hut, das war vorgestern. Zum PornFilmFestival nach Berlin schicken die Medien dann trotzdem noch ihre Korrespondenten, ist ja doch ganz interessant, hüstel, und ein wenig die Nase rümpfen kann man schließlich immer. Auf jeden Fall ist Porno mittlerweile Pop.
Also mit gerümpfter Nase: Hipper als Jenna Jameson geht ja zur Zeit kaum, seit sie 2004 ihre Autobiografie How to Make Love Like a Porn Star veröffentlicht hat und von den sicherlich dabei naserümpfenden Lesern der New York-Times wochenlang in die Bestseller-Liste quasi hinein-genaserümpft wurde. Jenna Jameson ist so hipp, dass man ihr Leben verfilmen mag und dabei Namen wie Scarlett Johansson als Hauptrolle, also Jenna-Double, gehandelt werden.
Jetzt kommt der guten Jenna die Ehre zuteil, eine eigene Comicserie unter ihrem Namen bei Virgin Comics veröffentlichen zu können. Eine Ehre ist das vielleicht deshalb, weil Jenna Jameson damit in einer Reihe mit prominenten Menschen wie Guy Ritchie, Nicolas Cage oder dem größten aller Meister, John Woo, steht, die ebenfalls Comic-Serien unter ihrem Namen, sprich brand, dort veröffentlichen. Obwohl: Wenn ich mir’s recht überlege, dann hat es keiner von denen in die NYT-Bestseller-Liste geschafft und außerdem kräht ja eigentlich kein Hahn nach einer Comic-Reihe, die, sagen wir mal, Nicolas Cage herausgibt.
warlock2.jpgDas Jameson-Comic hat da natürlich gleich mehr Aufmerksamkeit, weil irgendwie Porno. Es heißt Shadow Hunter und die Hauptfigur nennt sich zwar nicht so, sieht aber selbstverständlich Jenna Jameson ähnlich. Bisher gibt es nur die Null-Nummer, die man beim Playboy, der natürlich kräftig die Werbetrommel rührt, herunterladen kann. Das PDF ist 32 MB groß, bunt und verrät … so gut wir gar nix. Irgendwas mit Horror soll das wohl werden, eine Familie aus der Hölle und Zeugs. Laut Vorwort ist Frau Jameson nämlich Horror-Fan. Irgendwie sieht alles ein wenig aus wie ein Cover der Band Warlock mit Sängerin Doro Pesch. Die Kombination Horror, Fantasy und Frauen muss wohl immer gleich aussehen. Die Story-Writerin Christina Z, die auch die Witchblade-Geschichten miterschaffen hat, findet most attracting an dem ganzen Projekt: die Monster! Das macht stutzig! Es geht wohl gar nicht um Sex, sondern nur um ein bisschen sexy. Und ich dachte schon, das wird mindestens so porno wie die Druuna-Serie von Paolo Eleuteri Serpieri, die ich früher unter schlimmsten katholischen Gewissensqualen, quasi naserümpfend, in meiner Pubertät gelesen habe. Vielleicht probier ich mal die John-Woo-Comicreihe aus.

gedlbeutel.jpgIch wollte hier mal nur eben kurz meine neue Geldbörse präsentieren. Sie ist zwar nicht sonderlich praktisch, dafür aber umso stylischer. Da gibt’s nichts zu diskutieren. Der Style kommt hier weniger über das Design (obwohl ich das silberne Gewerbeband als Oberfläche sehr schick finde), sondern vielmehr über den Nutzen. Die Geldbörse ist nämlich immun gegen die Schnüffelei von RFID-Lesegeräten, weil sie innen mit Alufolie ausgekleidet ist. Alufolie lässt die Strahlen der Lesegeräte nicht durch, wenn sie dick genug ist. Zugegebenermaßen habe ich die Börse etwas windschief gebaut. Diese blöden Klebestreifen entwickeln da ein ganz schönes Eigenleben, wenn man sie millimetergenau aneinander pappen will. Die Anleitung zum Bau dieses abhörsicheren Portemonnaies gibt es auf zeit.de und ich fand einfach die Tatsache, dass es diese Anleitung dort gibt, so nett, dass ich es gleich ausprobieren musste. Das wäre eigentlich schon eine Geschäftsidee für hippe Hersteller: Designobjekte mit praktischen Zusatznutzen. Fällt mir auf: Das ist eigentlich sowieso DIE Idee. Man müsste einen Anti-Überwachungs-Chic kreieren. Vielleicht hätte das einen schnelleren und breiteren Erfolg und würde daher aus Sicht der Datensammler sehr viel lästiger als all die Aufklärungskampagnen. Auf das mühsam erreichbare Bewusstsein der Vielen könnte man dann nämlich pfeifen. Naja, ein etwas ekelhafter Gedanke, ich weiß. Also gibt es weitere Informationen zum Thema RFID hier bei FoeBuD.
Zeit Wissen lese ich dann doch eher selten. Der Hinweis darauf war auf netzpolitik.org

iron-wine.jpgDas wusste man ja eigentlich schon vorher, dass Iron & Wine mehr als nur wunderschön verspielte Folkmusik machen. Sam Beams Auftritt passte aber wirklich unglaublich in die St. Jakobs Kirche in Dachau. Noch vor dem ersten Song erklärte der bärtige Barde zu kleinen technischen Problemen, dass wohl da oben jemand was gegen eine Rock-Show in einer Kirche habe. „Aber wir hören sowieso nicht auf Gott“, meinte Beam lachend. Gleich bei der ersten Nummer „Trapeze Swinger“ sang er aber was von “God and Lucifer” von “An angel kissin on a sinner”. Zwar metaphorisch gemeint. Trotzdem wurde man das Gefühl nicht los, dass es Beam und seiner Schwester Sarah schon sehr gut gefiel in diesem barocken Ambiente. Zusammen sangen sie in höchsten Tönen von der Melancholie. Und zwar dermaßen engelsmäßig, dass einem Angst und Bange wurde. Fast schon transzendent. Und der von meiner schlechten Handykamera rechts außen eingefangene Paul Niehaus legte gleich noch seinen sanften Slidegitarren-Segen darüber. So andächtig ging es los das Konzert – und so endete es auch. Dazwischen halfen noch fünf weitere Musikanten, Beams bezaubernd krude Geschichten zu vertonen. Neben Slide-Gigant Niehaus (Calexico) etwa noch Ben Masarella (Califone) an seinen bunt klimpernden Percussions. Tatsächlich eine Offenbarung in einer am Ende ziemlich kalten Kirche. Und voll war das Haus auch. Knapp fünfhundert begeisterte Jünger.

Iron & Wine haben hier ihre Homepage und spielen noch am 20. in Hamburg, am 26. in Köln, am 28. in Frankfurt, am 29. in Bielefeld und am 30. in Berlin. Bei Letterman sind sie auch schon aufgetreten. Schöner ist es aber hier, noch mit kurzen Haaren.

rollins.jpg … ist tatsächlich ein Witzbold, was man ja überall lesen kann, aber ich musste es erst mit eigenen Augen sehen, ich ungläubiger Thomas, ich. Das letzte Mal habe ich den Herrn vor Jahren mit seiner Rollins Band gesehen und da kam er mir alles andere als witzig vor, eher ein wenig wahnsinnig. Ein wenig getrieben ist der Mann aber wohl wirklich: Drei Stunden am Stück hat er gestern Abend in der Münchner Muffathalle geredet, keine Pause, einmal ein Schluck Wasser, ansonsten Vollgas! Notizen braucht er für seine Auftritte keine, die Geschichten sprudeln einfach, als Hauptdarsteller immer er selbst: Besuch in Pakistan, Filmdreh, Van-Halen-Konzert, als Tourist im Iran, Kontaktprobleme, Präsident Bush, Kunstgalerien, usw. Ein einzig langer Monolog, höchst eloquent und polemisch, prima getimed, immer auf den Punkt und dabei so dermaßen komisch und kurzweilig, dass mir die drei Stunden Stehen nichts (naja, fast nichts) ausgemacht haben. Ein wenig Angst hatte ich vorher, dass man mit plumpen Bush-Polemiken zugeschüttet würde, doch die paar wenigen Minuten, die Rollins spottete über “seinen Präsidenten”, wie er immer wieder betonte, waren beinahe schon elegant. Es ging um Bushs geringe Fähigkeiten, sich vernünftig zu artikulieren, was natürlich gefundenes Fressen ist für Sprachmaschine Rollins. Ansonsten macht er sich besonders gerne selbst zum Affen, hampelt herum und spielt mit Vorliebe Situationen, in denen das Zugehen auf andere Menschen überhaupt nicht klappt: “Hi, I’m Henry” und dann Panik-Geschwafel. Das ist wirklich wunderbare Kick-Ass-Stand-Up-Comedy. Geh ich das nächste Mal wieder hin.

Wer mag, kann sich ja auf YouTube ein paar Sachen anschauen, zum Beispiel rasend Komisches über Dating-Probleme aus einer früheren Show. Oder aus seiner Fernseh-Show, keine Comedy, sondern ein politischer Rant zum Thema Internet und Zensur, aber weil er ja Recht hat, der Henry. (Nur so nebenbei: Wie hieß so etwas denn früher? Heute liest man nur noch “Rant”.)

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