Archiv für Januar 2008

Kaum ist das neue Konzept drei Tage alt, komme ich mit den Kategorien schon wieder nicht mehr zurecht. Ein Elend! Wo soll denn so etwas wie Twilight Struggle hin? Mann, Mann, Mann …

twilight.jpg Momentan kommt gerade meine länger verschüttete Brettspielbegeisterung wieder zurück und prompt habe ich ein neues Lieblingsspiel. Es heißt “Twillight Struggle” und behandelt die Geschichte des Kalten Krieges. Ich habe es in der Tolle-Spiele-Liste auf boardgamegeek.com entdeckt und mir dann, soweit es mit Netzmaterialien ging, selber gebaut. Das Spiel ist leider derzeit vergriffen und meines Wissens in Deutschland gar nicht erst erschienen. Nach den ersten beiden Testspielen lautet das Fazit: Wahnsinn, spannend, toll – aber eigentlich müsste, würde man dem Spiel glauben, die Sowjetunion die einzig verbliebene Supermacht sein. Ich habe als Amerikaner in beiden Spielen sang- und klanglos verloren, einmal schon Mitte der 60er und bei zweiten Mal irgendwann in den 70ern. Jeder Spieler versucht möglichst viel Einfluss in möglichst vielen Ländern der Welt zu erringen. Trotz des schönen Spielplans ist Twilight Struggle, wie es so schön heißt, card-driven. Jeder Spieler bekommt pro Runde eine gewisse Anzahl an Karten mit geschichtlichen Ereignissen auf die Hand, die er dann möglichst geschickt ausspielen muss, um letzten Endes Siegpunkte zu ergattern, die man für bestimmte Spielkonstellationen erhält. Immerhin habe ich bisher die Welt nicht für meine miese Geostrategie bestraft und mit Anstand verloren, ohne einen Atomkrieg ausgelöst zu haben. Dafür war der Russe allerdings schneller im All als ich, trampelte, um mich zu demütigen, durch Japan, Israel und Australien. Als Frankreich den Kommunismus einführte, wurde mir allmählich mulmig und spätestens als in den meisten Ländern Mittel- und Südamerikas die roten Fahnen gehisst wurden, war klar: Nix mit freedom und so für die Welt! Ich habe verloren. Und sicherlich haben sich diese Hippies in den USA, die der Russe geschickt hat, gefreut. So ein schönes Spiel! Das nächste Mal spiele ich den Russen! Ich glaube, die sind besser.

Um gleich mal im Kunstpark so ein All-Area-Ding zu bringen, ich hab’ bei einem Kopenhagen-Trip Todd Haynes’ verrückten Bob-Dylan-Film “I’m not there” gesehen, der bei uns Ende Februar in die Kinos kommt. Dort gibt’s ja gleich massenweise Dylans: Richard Gere als Billy-the-Kid-Dylan. Heath Ledger als Film-Star-Dylan. Christian Bale als Religions-Dylan. Oder Cate Blanchett als elektrifizierter Rebellions-Dylan. Lauter Schauspielkönner die eine Facette des Singer-Songwriters in einer eigenen Story spielen.  Mal in leuchtenden Farben, dann wieder schwarz-weiß wie bei Fellini. Toll gefilmt. Und Haynes springt wie ein Derwisch umher zwischen seinen Geschichten. Das ganze hat natürlich das übliche Hollywood-Biopic bereits nach wenigen Minuten in Kleinholz verwandelt. Ist aber unglaublich spannend, teilweise nicht unanstrengend – wie Dylan halt selbst. Cate Blanchett spielt logischerweise am unglaublichsten, weil Dylan-Frau ist natürlich doch gewagt. Aber wie sie mit den Beatles Teletubbies spielt oder mit Ginsberg kifft, ist echt ‘ne Show. Und dann gibt sie auch noch eine tolle Rockversion von “Ballad of a Thin Man” zum Besten, wo ich im Kino gleich gedacht hab’, die singt ja auch nicht schlecht. Aber denkste! Der Todd Haynes scheißt nämlich auf das “Die Stars singen selbst”-Prinzip und hat schön mal Leute vom Fach ran gelassen. Und wie!

Denn der Soundtrack zu “I’m not there” ist vielleicht noch besser als der Film. Schlappe vier LPs sind das. 33 Songs vom Who-is-Who der aktuell ernstzunehmenden Musikgilde. Blanchett darf ihre Lippen nämlich zum Gesang von niemand anderes als Ex-Pavement-Schluffi-Gott Stephen Malkmus bewegen. Der zusammen mit den Million Dollar Bashers (einer extra für den Soundtrack zusammengefundenen Band aus Sonic Youth-, Wilco-Mitgliedern oder dem Dylan-Bassisten Tony Garnier) den Blues entdeckt, als hätte er Jahre lang nur darauf gewartet. Unglaublich finde ich das. Neben den Bashers ist Calexico die zweite Hausband von “I’m not there”. Geht’s noch besser?!? Die machen entweder mit Iron&Wine aus “Dark Eyes” schön glimmende Lagerfeuermusik, mit Charlotte Gainsbourg (die auch mitspielt) aus “Just like a Woman” einen gehauchten Traum oder stehen mit Jim James von “My Morning Jacket” mit der Zirkusnummer “Goin’ to Acapulco” sogar vor der Kamera. An Herrn James kann ich erinnern, Calixico hab’ ich nicht wirklich erkannt. Aber den Film sollte man sowieso öfter sehen. Cat Power stellt bei “Stuck inside of Mobile with the Memphis Blues again” ihre ganze Mississippi-Referenz unter Beweis. Dazu gibt’s auch noch Los Lobos, Sonic Youth, Sufjan Stevens, Richie Havens himself oder den Gänsehaut-Garanten Mark Lanegan. Den Vogel schießt Antony & The Johnsons ab. Der covert tatsächlich “Knockin’ on Heaven’s Door”. Kann man eigentlich nicht mehr bringen. Der zarte Antony schon! Das läuft beim Abspann, sozusagen als Bonusnummer. Ansonsten gibt’s im Film überwiegend die Originale. Am Ende sag’ ich mir: kauf dir endlich alle restlichen Bob Dylan Platten!!!

guesthouse.jpgLost in einem Flash-Spiel, im Ernst, ich finde nicht mehr raus! Was nicht weiter schlimm ist, weil das der Sinn des Spiels ist. Schlimmer ist, dass mich dieses Spiel schon geraume Zeit ziemlich fasziniert. Man muss einfach aus einem Raum entkommen, klassisches Point-and-Klick. Aber meine Fresse! Das Spiel packt mich an meiner Denker- und Knobel-Ehre! Es heißt “Guest House” und stammt von japanischen Entwicklern namens Terminal House. Im besten Sinne schlichte Grafik, dazu ewig nörgelnde Musik – ich werde allmählich latent paranoid. “Escape-the-room”-Puzzle-Game nennt sich so etwas und diese Japaner haben noch mehr davon gemacht. Mehr weiß ich nicht, ist alles auf japanisch dort. Und, nein, ich werde nicht im Netz nach Tipps, Walkthroughs oder Sonstigem suchen. Ich muss da selber durch bzw. raus! Momentan habe ich nicht den Hauch einer Idee, was ich mit dieser Cola-Dose machen soll.

Am 6. Januar spricht Wolfgang Schäuble in München unter dem Motto “Was zählt ist Sicherheit”. Deshalb: Demo am 6. Januar unter dem Motto “Was zählt ist Freiheit”. Um 12.30 Uhr trifft man sich an der Konferenzhalle Theresienhöhe. Hingehen!

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