Archiv für Juli 2008

Beim ersten Besuch der Seite habe ich es gar nicht begriffen, aber jetzt! Meine Güte ist das schön! Und so schön sinnlos schön! Man kann tatsächlich im favicon oben in der Adressleiste eine winzige Version des Arcadespiels Defender zocken. Geht aber nicht mit dem Safari. Irgendwann brauchen wir auch für zweitens-magazin ein zockbares favicon, ich sehe es schon kommen.

Ach, weil es gerade wieder so lästig aktuell wird und all die Atom-Lobbyisten mittlerweile wieder Morgenluft wittern anstatt den Ostwind, der damals im April 1986 die Radioaktivität aus Tschernobyl nach West-Europa wehte, sei hier auf die Foto-Reportagen von Elena Filatova verwiesen, die mehrmals mit ihrem Motorrad durch die vom Reaktorunglück verursachte Todeszone fuhr. Ich habe die Seite erst vor ein paar Tagen Dank eines Hinweises von Dominik und Rupert während eines Biergarten-Gesprächs über den ganzen Wahnsinn kennengelernt und lese seitdem immer wieder dort. Weil ich mich nicht wirklich entscheiden kann, welches Bild ich hier verwende (man darf die Bilder verwenden), gibt es einfach eine Stadtansicht von der Geisterstadt Pripjat, die immerhin mal 50000 Einwohner hatte.

Die ukrainische Stadt Pripjat

Wer wissen will, wo Steve McQueen als Frank Bullitt mit seinem schwarzen Mustang tatsächlich langgefahren ist in jener legendären Verfolgungsjagd, die noch immer eine der schönsten der Filmgeschichte ist, kann das hier tun. Da hat sich jemand die Mühe gemacht, die gesamten zehn Minuten zu geotaggen. Während der Mustang rast, kann man daneben via Google Maps verfolgen, wo er das tut.

Eine Woche nach Ende der EM gab es erneut Brot und Spiele in Zürich, und zwar im seit zehn Monaten ungenutzten Hardturm-Stadion. Dieses wurde von Freitag bis Sonntag besetzt und zur Festivalstätte mit Parties, Spielen, linken Parolen.
Hier ein Überblick aus der Presse. Und hier die Seite der Veranstalter; darauf auch ein paar mässige Bilder, für den normalen Besucher war das Fotografieren vielsprachig und unübersehbar strengstens verboten. Grundsätzlich nachvollziehbar, will man doch nicht bei eventuell strafbaren Handlungen dokumentiert werden; aber mit unhöflichem Ton und einer Selbstgerechtigkeit durchgesetzt, dass man sich an die Kontrollsucht der Uefa™ erinnert fühlte, die doch unter anderem mit dieser Aktion kritisiert werden sollte.
Gestern abend war es wirklich eine gemütliche Sause für viele tausend Besucher, erstaunlich friedlich und nett. Mehrere improvisierte Discos, Konzerte, Fussball auf einem kleinen, dem wuchernden Gras abgetrotzten Rasenstück, der Rauch von Lagerfeuer fing sich unter dem Tribünendach… und überall Leute mit frisch abmontierten Schalensitzen.
Das verbotenerweise von einem Freund aufgenommenen Bild zeigt vielleicht ein klein wenig von der Atmosphäre.
Heute habe ich versucht, mit der Fachkamera Aufnahmen vom mit kreuzdummen bis charmanten Sprüchen (mein liebster im Titel dieses Posts) zugemalten Inneren des Stadions zu machen, bekam aber erstmal nur Ärger mit den Revolutionswächtern – und musste schliesslich ein paar Stunden warten, bis sie abgezogen waren. Kurz vor dem letzten Bild kam dann die Polizei und schmiss die letzten Verbliebenen hinaus.
Bei gutem Ergebnis zeige ich hier vielleicht noch was.

UPDATE – noch zwei Links gefunden: Schweizer Fernsehen Nachrichten und Presseagentur des verhafteten Fotografen mit weiteren Bildern

Ganz oft wird ja die erste Platte, die man von einem Künstler hört, auch gleich die Lieblingsplatte. Ist dann hinterher nicht mehr zu übertreffen. Bei Bob Dylan war es bei mir „Nashville Skyline“, die wir vor fast zwanzig Jahren bei den Eltern eines Freundes fanden und die uns dann einen Sommer lang begleitet hat und die ich immer noch umwerfend finde. In einer Februarwoche 1969 hat Dylan dieses Country-Album in Nashville eingespielt und Johnny Cash war zwei Tage davon dabei. Jetzt hat das deutsche Label „The Swingin‘ Pig Records“, das als Bootleg-Label bekannt ist, erstmals über ein Dutzend Songs veröffentlicht, die Cash und Dylan damals gemeinsam eingespielt haben. Von denen es jedoch außer „Girl of The North Country“ keiner auf Dylans Platte geschafft hat. Unter dem Titel „Songs from the real America“ gibt es da Songbook-Stücke wie „You Are My Sunshine“ oder „That’s Alright Mama“, genauso wie die Cash-Hits „I Walk The Line“ und „Ring of Fire“. Mit schmissigem Country-Rock lassen die beiden Herren prächtig die Funken fliegen. Ganz stark! Bass-Barde Cash und Country-Revoluzzer Dylan als absolutes Dreamteam. Davon kann man absolut nicht genug bekommen. Wie diese Session überhaupt gerettet wurde, kann man hier nachlesen.

Um in Nashville und stimmmäßig bei Cash zu bleiben: David Berman und seine Silver Jews haben mit „Lookout Mountain, Lookout Sea“ gerade mal wieder ganze Arbeit abgeliefert. Und so gebührt auch dem großen Lyriker Berman die abschließenden Worte, wenn er in seinem „Strange Victory, Strange Defeat“ zur Rebellion gegen den Durchschnitt aufruft:

What’s with all the handsome grandsons in these rockband magazines? And what have they done with the fat ones, the bald, & the goateed!?”

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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