Archiv für August 2008

Was kannst du dir Umwerfenderes vorstellen:
Isabelle Adjani richtet eine Wumme auf dich und sagt: “Gehst du nie ins Kino?”.
Zum Dahinschmelzen…

Dies gesehen letztens im Open-Air-Kino, mit dem Grölen der Kaputten hinter der Leinwand, Luc Bessons fast Erster Subway.

Again and again begeistert mich das Ineinanderstürzen von vergangenem, gegenwärtigem, zukünftigem Kino. Diese verdammten Verflechtungen von Zeit, Stil und Attitüde… 1985 war dieser x-te Versuch, einen neuen Belmondo zu kreieren, mit Christopher Lambert, der wirklich das Gesicht, die Weichheit und die Melancholie dazu gehabt hätte. Und eine Adjani, wie es sie heute nicht mehr geben könnte: immer nur Rehaugen, in bombastischem YSL gewandet, eine zarte, pubertäre Punk-Rebellin in der Oberschicht (irgendwie und leider arg an die gleichzeitige Gloria von Thurn und Taxis erinnernd).

Die Posen, die Musik, die Darsteller! Sieht aus wie New Wave, klingt wie Schmuserock, und Jean Reno auf Rollschuhen lässt das Publikum erstaunt auflachen beim ersten Auftritt.
So sexy, so vergangen, so schön!

Da vermischen sich À bout de souffle, der hiermit wieder hochgespülte, wirklich wunderbare Kontroll, Casablanca, Le circle rouge und 12 Monkeys – und es ist so egal, wer da wen zitiert, das geht nämlich auch andersrum in der Filmgeschichte…

Kino: motherfucking Paralleluniversum!

Wie Nadja letztens ganz zurecht fragte: was ist aus unserem Pynchon-Sommer geworden?
Schon lange müht sich meine Konzentrationsfähigkeit angesichts dicker Bücher, irgendwie schaffen es nur noch Katalogtexte und Zeitungen vor meine Augen und in mein Hirn. Und dann lese ich auch noch von Behauptungen, unsere ganze Kultur sei von diesem Phänomen und dem Internet bedroht.
Nein, es muss am Alter liegen; früher™ verbrachte ich noch ganze Tage lesend im Bett, heute habe ich während der Lektüre ununterdrückbare Hintergedanken zu Karriere, Dasein und dem nächsten Termin im Kopf. Und immer auch die Literaturkritik und den Überblick (der war mir damals ziemlich schnurz) mitlaufen.
Ein die Realität ausblendendes Lesen findet nicht mehr statt.
So habe ich nun zwar genüssliche Stunden auf einer sonnigen Terrasse des Urlaubs meiner Wahl verbracht, den Pynchon auf den Knien und voller Aufmerksamkeit die Schicksale darin verfolgend – aber wirklich weit gekommen bin ich nicht. Als hätte ich mich bereits damit abgefunden, die 1596 Seiten niemals zu schaffen; und so bleibt die Lektüre eine unvollständige.
Es ist aber schon eine Freude, nur flüchtig und unverbindlich in dieses scheinbare Karl-May-Kolorit einzutauchen, um sich erheitert und angeregt dann wieder anderem zuzuwenden. Wie ein an Bezügen reiches Gespräch oder ein Hineinschalten in ein Radio-Feature wie die Lange Nacht, das mir nicht als einzelnes Werk, sondern eher als der rechte Hintergrund für politische Gedanken und kleine Hirnfreuden erscheint.
Herr Pynchon bekommt also meine Bewunderung, aber nicht mehr die Hingabe aus den Lesezeiten der Enden der Parabel.

Das Fernsehen ist anderswo auch lustiger als hier. Vor allem in Japan. Die machen Sachen! Mannometer! Hier gibt’s Human Tetris auf YouTube.

Kreuz und quer, hier und dort, weil sich meine Linkmüllhalde füllt und füllt. Ungeordnet und kommentarlos.

Bestätigt: US-Zoll darf Laptops durchsuchen

Britische Kinos: Der Zuschauer als Star im Überwachungsvideo

YouBlockwart – Nachbarn anschwärzen online

Otto Schilys pralle Anti-Terror-Datei

10.000 Mann und ein Holzklotz – Zur Verhältnismäßigkeit von Abfragen in Datenhalden

Perso non grata – der elektronische Personalausweis

Von Chemikalien, Aquarianern, Sprengstoffen und Drogen

Ach und die neuen Steuernummern und wie war das mit den DNS-Profilen und den Privat-Firmen in England?

Man könnte ewig weitermachen. Alles die gleiche ekelhafte Soße, ob staatlich oder privatwirtschaftlich.

Ich muss einmal wieder bloggen, doch bei mir passiert augenblicklich ziemlich wenig: Ich bin in den Ferien.
Ich habe das Vespafahren für mich entdeckt und verstehe jetzt, warum Mods versnobt waren – nicht, weil die Rocker so eklig aussahen, kamen die sich so besonders elegant vor, sondern wegen der Schlangenlinien, die man mit einem „Scooter“ fahren kann…
Außerdem glaube ich, das Geheimnis der Mod-Frisur gelöst zu haben – diese seltsamen langen Fransen vor den Ohren, die so ein bisschen nach außen stehen.
Wer kürzere Haare – mit längeren Fransen vor den Ohren – und lange einen Helm auf hat, so einen ohne Kinnschutz, wird bemerken, dass, wenn man den Helm absetzt, die Haare sich vor den Ohren leicht nach außen gedreht haben.
Nicht weltbewegend? Na gut, aber was ist dann damit: Luhmanns letzte Vorlesung, „Theorie der Gesellschaft“, passt nur dann in das Gepäckfach eines Rollers unterm Sitz, wenn man es vorher in den Helm legt. Auch nicht interessant? Bodensee-Seelen – nein, nicht die vom Friedhof, sondern die vom Bäcker – passen haarscharf in das Gepäckfach. Dann passt aber sonst nichts mehr hinein. Kein Luhmann, kein Helm. Aber den hat man ja dann auf dem Kopf. Seele im Gepäck, Helm auf dem Kopf und Luhmann im Herzen – oder zwischen den Knien.
Wobei wir bei Madonna wären. Ich habe das neue Buch heute in der „Friedlein“ Buchhandlung gesehen und mich ein bisschen geärgert, weil da nichts von mir drinsteht. (Ja,ja, klingt eitel, hat mich aber ein Kollege gefragt: Warum hast Du da nichts geschrieben?) Dann habe ich aber darüber nachgedacht – auch über den Untertitel „Bekenntnisse” – und musste bekennen, dass mich M. nie fasziniert hat. Besonders, nachdem ich ihren Film auf der letzten Berlinale gesehen habe und sie auf dem Cover der Spex war. Madonna ist mir einfach zu unintellektuell und zu perfekt. Darüber hätte ich natürlich schreiben können…
Nicht perfekte Menschen sind man in einem Seebad zuhauf. Und das ist gerade schön. Denn das Nicht-Perfekte ist es, um einmal mit Walter Benjamin zu sprechen, das doch etwas ungeheuer Liebenswürdiges ausstrahlt. Die eine tiefe Falte, die einem das Herz erwärmt. Das Luhmann-Herz. Das Herz der Theorie.
Alles vollkommen uninteressant und an den Haaren herbeigezogen? Tja, so ist das halt in den Ferien.

Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.