Archiv für Oktober 2008

Schnell sollte man darauf hinweisen, bevor hier irgendetwas anbrennt und manch einer meint, er müsse sich den Herbst mit der neuen Tomte-Platte vergällen: Es gibt ein neues Album von Giant Sand, schon seit 2.September. Wie konnte ich das übersehen? Howe Gelb hat wohl gesagt, Giant Sand sei ein Gefühl, und seitdem wird diese Aussage in jeder Plattenbesprechung erwähnt. So auch hier, weil der Meister damit Recht hat. Ich werde erst gar nicht lange herumbesprechen. Die Platte heißt proVISIONS und ist prima, nicht die beste von Giant Sand, aber besser als das meiste, was man sonst so zu hören bekommt. Zeitlos, Wüste, Lässigkeit, manchmal zum Heulen, aber immer Cowboy. Mein Anspieltipp ist das wunderschöne Stranded Pearl. Kann man sich hier auf der MySpace-Bandseite reintun.

Eine Version von “Increment of Love” vom neuen Album darf man hier anschauen, …

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(hier direkt auf Youtube)

… bevor man dann im Dezember auf die Konzerte gehen kann, z.B. am 11.12. im Münchner Feierwerk. Soviel Werbung muss sein! Der Pop-Journalismus macht ja lieber nur in Zeitgeist anstatt in wahrer Coolness.

Liebe Münchner,
hier eine Ankündigung für eine Ausstellung, die von meiner Kollegin Anna vom “Ideenshop” mitkuratiert wurde. Selbstermächtigung rules, yeah!

Lost & Found
18.10. – 29.11. 2008
Die Ausstellung „Lost & Found“ richtet den Blick auf die aktive Rezeption von Popkultur.
Im Zentrum stehen aktuelle Möglichkeiten der kulturellen Selbstermächtigung, die durch die Auseinandersetzung
mit einem Song, einem Werk, dem Lebensentwurf einer Person oder der Aneignung von „Mainstream“ entstehen.
Dabei spielen Nachahmungen, Neuinterpretationen, queere Umdeutungen, feministische und postkoloniale
Referenzen eine Rolle, die in den Vordergrund gerückt und offengelegt werden.
Mit: Pauline Boudry (CH/D), Stella Brunner (CH), Anna McCarthy (UK/D), Discoteca Flaming Star (D/E) & François
Boué (USA), Christine Lang (D), Didi Neidhart (A), Sabine Reinfeld (D), Dimitrina Sevova (BG/CH), Andrea Thal (CH)
Kuratiert von Alice Cantaluppi, Isabel Reiss und Anna Voswinckel
Fr, 17.10.08, 19 Uhr Vernissage mit anschließender Queer Party des Münchner Kollektivs „Get Rid”
live: DAMENKAPELLE! Give a Wham!, Give a Bam!, but don`t give a Damn!
Sa, 18.10.08, 20 Uhr „Queering the Bitch“
Vortrag von Christiane Erharter und Sonja Eismann, in Zusammenarbeit mit inter@ktiv.
Sa, 25.10.08, ab 19 Uhr Lange Nacht der Münchner Museen
Screening von „rampenfieber- Die Doku“, Künstlerfilm von Bea Bösinger & Roland de Roo
Fr, 28.11.08, 20 Uhr Screening von „Unbeschreiblich Weiblich”
in Anwesenheit von Dimitrina Sevova. Eine autobiografische Zeitreise.
Sa, 29.11.08, 19 Uhr Finissage und „Vorlesung in eigener Sache“:
Re-Interpretationen von 70er-Jahre-Glamrock-Songtexten, eine Performance von Stella Brunner

lothringer13/laden
Lothringer Str. 13, D-81667 München, +49 89 45911905, laden@lothringer13.de, Do – Sa, 16 – 19 Uhr www.lothringer13.de/laden

… ist dieses Blog heute geworden. Am 21.1.2006 hat Katrin auf ihrem Literatur-Blog (RIP) den ersten Eintrag gepostet und zwar über den Roman Spiele von Ulrike Draesner. Irgendwann haben wir alle Einträge aus Katrins Literatur-Blog in die Rubrik Bücherei hierher importiert und zweitens-magazin somit ein klein wenig älter gemacht als es eigentlich ist. Katrin betreibt mittlerweile übrigens auch die Seite literatur-muenchen.de und gibt dort regelmäßig das feine pdf-Magazin Klappentext heraus, das man hier herunterladen, besser aber abonnieren kann und sollte.

In 1000 Tagen kamen 365 Beiträge zustande, was eine Quote von 0,36 Beiträgen pro Tag ergibt. So mittel irgendwie, aber immerhin ging es immer wieder weiter, auch wenn ich manches Mal dachte, das Blog stirbt. Am häufigsten gelesen wurde der Text über altermedia, was sich leider auch so schnell nicht ändern wird. Täglich kommen Menschen mit diesem Begriff angegoogelt und man kann nur hoffen, dass sich darin vor allem Informationsbedarf über jene hässliche Seite manifestiert. Der zweitbeliebteste Artikel ist übrigens Eilmeldung: Auf Erotikmessen geht es ums Geld!

Top-Kommentierer sind der Axel, der Brandnerkasper und der Schlusen. Dank dafür!

Und vor allem: Dank an unsere Leser!

Warum hört man seit Beginn der Finanzkrise ausgerechnet von der FDP nichts mehr?

Der Hauptbahnhof am Donnerstagabend quoll über vor Menschen. Niemand kam mehr vom Fleck, geduldig warteten einige in Nischen, bis der Strom abebbte und man auf den Bahnsteig gehen konnte. Kein Zug weit und breit, die Dame der Durchsage widersprach sich, Panik auf den Gesichtern der Menschen: Würden sie jemals in ihre geschlossenen Räume zurückkehren dürfen?

Wenn sich die Buchmesse durch Frankfurt ihren Weg bahnt, wird der Main zu einem Rinnsaal. Der Buchmensch als individueller ist verloren. Nur noch sehr vereinzelt ragt er aus der Masse, wie der von mir sehr geschätzte Stephan Schlak. Er trug einen großkarierten Flanellanzug, während er debattierend durch die Halle stürmte.

Heinz Strunk ließ sich verheizen oder heizte selber ein, schwer zu sagen, kein blaues Sofa, auf dem er nicht saß. Er gab Müller-Wirth contra, zurecht – einen Autor mit dem falschen Namen anzureden, ist schon ein Fauxpas sondergleichen. Ausgerechnet Harald. Auf Müller-Wirths Stichelei, „Zugfahrten nehmen eine herausragende Stellung in ihrem Roman ein“ antwortete er, man müsse ja auch an das Bahnmagazin „Mobil“ denken. Ehrlichkeit sticht immer.
Ansonsten ist die Redundanz Heinz Strunks bestechend. Noch einmal „An der Nordseeküste“, so könnte man die rhetorische Strategie auf dem Punkt bringen, mit der er so populär wurde, wie er jetzt unzweifelhaft ist. 12 Jahre Tiffanys gehen halt doch nicht einfach so an einem vorüber, da übernimmt man einiges und sei es nur das Herumreiten auf dem einen Hit.

Kracht habe ich dagegen gar nicht gesehen. Als sei er verloren gegangen in dem von ihm selbst erschaffenen Réduit, dem rhizomartigen Tunnelgeflecht der SSR, der Schweizer Sowjet Republik, kurz vor dem „Piz Lenin“. Nun ja, die von ihm beschworene Eleganz des Wesens spricht dagegen, sich auf der Messe gemein zu machen. Aber klauen: Von Johnny Cash, Ernst Jünger und Karl may, James Bond und Jules Verne, Joseph Conrad, Krieg der Sterne und Matrix.

Auch ich habe eine Vision: Der Frankfurter Hauptbahnhof wird überrollt, von einem 100 Meter hohen ICE-Tsunami. Die aufgestauten Züge türmen sich auf und bereiten dem Verlagswesen ein Ende.

Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

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