Archiv für Dezember 2008

Und mir kann man nun ins Fenster sehen.
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Bild: Google Earth
(Danke, Marco)

Ein kleiner Post, gewärmt von südspanischer Wintersonne, in unerwarteter Ergänzung zu Nadjas Poplinkerei.
Endlich mal Mix, Cuts & Scratches (1997) von Westbam und Rainald Goetz gelesen, nachdem ich schon lang und immer wieder gern an entsprechende Menschen Goetz’ Rave (oder hier) verschenke.
Und in Mix, Cuts & Scratches also schreibt Goetz die Worte von Westbam, dessen Gedanken über Techno, Jugendkultur und Underground. Letzteren sieht er als per se Nebenschauplatz der Charts, nicht als deren Widerpart. Die jeweilige “Revolution” sei stets darauf angelegt, als Massenphänomen zu reüssieren. Mhm.

Aber interessant:
“House und techno nicht nur die ganze Nacht, sondern auch den ganzen Tag, die ganze Woche und überall.
Von den kleinsten Clubs zu den grössten Veranstaltungen, von den indie labels bis zu den majors, in den Metropolen genau wie in der Provinz, im Frontpage wie in der Bild Zeitung, im Supermarkt und im Morgenmagazin. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem wir uns fragen müssen: Haben wir das gewollt?
Die Antwort lautet: Ja.
Weil für uns die Anfänge im underground auch immer der Aufbruch in eine revolutionierte Popuärkultur war, der Start in die ravende Gesellschaft.”

Hossa!

Zu viel Ärgerliches an Westbams Freude über den massiven Erfolg der selber mitgeprägten Bewegung, zu viele bildungsbürgerliche Basteleien in diesem Buch, und leider wieder mal schlecht gesetzt und lausig korrigiert worden bei Merve. Aber die Übertragung von Gesagtem in Geschriebenes gelingt Goetz dafür prächtig.

Kennt Ihr eigentlich Westbams Musik?
Hossa…

Schon länger möchte ich auf Kollege Ander hinweisen, der uns hier in Zürich gelegentlich einen lebhaften Beat aufspielt.
Im verdienstvoll engagierten Audioasyl-Netzradio hat er alle paar Wochen einen Live-Auftritt, aux mains gauches, auch heute wieder, also eigentlich gleich und sofort, nämlich um sechs. Zum Glück werden die Auftritte alle archiviert, so könnt Ihr trotz meiner späten Meldung noch reinhorchen – und das solltet ihr in jedem Fall!
Es handelt sich im Grunde um typisch zürcherisch grundierten Minimal, allerdings mit selbstgebauten Geräten und selbstgeschriebener Software. Hut ab! Alles entwickelt sich an-, mit- und voneinander, nach vorsichtigen Anfängen vor einigen Monaten rockt es inzwischen sehr schön flüssig und tanzbar. Oder auch nur neben der Arbeit über Kopfhörer.
Ich versteh ja nix von Technik und Musikmachen, bin lediglich kritischer Konsument. Und als solcher schwer beeindruckt von der Transponierung des Analogen in den Techno, wenn beispielsweise die Schwerkraft-Sensoren in Anders Händen den eben noch vermissten Bass loslassen…
anderquipment
Hier seht ihr neben den Eigenbauten auch noch ein Tenorion, ein vielversprechendes Spielzeug in Kleinauflage von Yamaha. Wie so vieles an diesem Musiker, kommt auch das Tenorion vor allem live toll rüber, seine Oberfläche dient gleichzeitig als Interface und als Visualisierer, toll toll toll!

Wirklich nur eine Petitesse.
Aber tatsächlich nimmt GoogleMaps sogar in beta ganz zurecht an, dass man Richtung Bahnhof schneller läuft als nach Hause.
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Vorhin auf VHS (!) Christoph Schlingensiefs United Trash angesehen.
Der ist sehr gut. Grosser genüsslicher Rundumschlag zu UN-Einsätzen in Ruanda und Jugoslawien, deutscher Filmklamotte, deutscher Kolonialgeschichte und der deutschen Rakete in Afrika.
Udo Kier stoisch und affektiert, obschon ab der Hälfte ohne Beine.
Formal eine wilde Hatz, und der Dreh wohl ein wahres Abenteuer. Schlingensief selber an der Kamera, Oskar Roehler verantwortet das Drehbuch mit, und eine aufmerksame Off-Stimme geleitet uns beinahe durchgehend.
80 Minuten, die ich empfehle. Aber besser erstmal den Trailer ansehen.

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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