Archiv für Februar 2009

pynchon_gegen_den_tagGerade habe ich „Gegen den Tag“ zu Ende gelesen. Auch ich hab‘ mir bis auf einen Urlaub, in dem ich die ersten dreihundert Seiten gelesen habe, keine Auszeit für das Buch gegönnt. Da muss ich Max Recht geben, die Zeit der aufopferungsvollen Buchverschlingprojekte scheint endgültig vorbei. Also hat’s halt neun Monate gedauert. In kleinen Happen, meist in S- oder U-Bahn, oder Bus. War nicht das einzige Buch in dieser Zeit. Aber da es mein erster Pynchon war, und er ja von Anfang an Spaß macht, wollte ich einfach nicht aufgeben. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es ist zu Beginn ein Abenteuerbuch und bleibt es bis zum Schluss. Und ich kann nicht behaupten, dass ich die Mehrzahl aller technischen, philosophischen oder naturwissenschaftlichen Anspielungen verstanden habe, oder dass ich immer wusste, was für eine Figur da mal wieder etwas erlebte, geschweige denn wo sie war und mit wem sie gerade umherzog. Aber allein der (fantastisch übersetzte) Humor hat mich wirklich immer wieder von einer Seite zu nächsten gebracht. Und wenn fünf Seiten vor Schluss, wo man längst die schweren erzählerischen und inhaltlichen Geschütze erwartet, folgender Song erklingt, dann bin ich nichts anderes als begeistert:

Wir sind Vegetarier …
Kein Wenn, kein Und, kein Aber,
Unschuldige Agrarier,
Echte Naturliebhaber.

Gulasch ist verboten,
Ebenso Hax’ vom Schwein,
Wir essen lieber Schoten
Und lassen Fleisch Fleisch sein.

Hände weg von Châteaubriand,
Auch kein Tatar auf Toast,
Fleischesser sind voll Unverstand,
Vegetarier sind getrost.

Wir sind Vegetarier,
Argentinien kann uns mal,
Keine Larifarier,
Unser Wille ist wie Stahl.
Gauchos schleudern Flüche,
Ihre Kühe woll’n wir nicht,
In uns’rer Gemüseküche
Ist Fleischlosigkeit uns Pflicht.

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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