Archiv für März 2009

Einmal Clint Eastwood ist ja schon ein Vergnügen. Aber innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Mal den verbitterten Revolverhelden im Kino zu sehen, ist natürlich als kinematographisches Erlebnis kaum zu übertreffen. Gestern in „High Plains Drifter“ von 1973 – heute sein neuer Film „Gran Torino“. Einmal der wahrscheinlich teuflischste Western seiner Laufbahn überhaupt – dann sein neues anrührendes Drama über einen Kriegsveteranen im Vorortstress. In „High Plains Drifters“ gibt Eastwood den einsamen Rächer, der nicht nur die Unsympathischen mit flinkem Finger aus dem Weg räumt, sondern gleich auch ein ganzes Dorf für eine einstige Feigheit bestraft. Dabei vergewaltigt er Frauen (die das dann hinterher aber doch ganz toll finden) und zeigt sich auch sonst recht raubeinig. Wie ähnlich heute sein „Gran Torino“: Eastwood ebenfalls als ziemlich mieser, ausländerfeindlicher alter Sack, der die Probleme grundsätzlich mit der Waffe löst. Beerdigungen gibt’s in beiden Filmen einige und auch sonst ist das amerikanisches Rache-und-Opfer-Kino in Reinkultur. Von Eastwood mit aller Konsequenz inszeniert, und vielleicht deshalb so stark. Die kleine asiatische Freundin von Walt Kowalski antwortet ihm in „Gran Torino“, als er sie verwundert fragt, warum sie ihn denn bloß sympathisch fände, ganz einfach: „Du bist Amerikaner.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das einzige, was Kowalski noch etwas bedeutet, ist sein alter Ford Gran Torino. Der ist Baujahr 1972, hat also das gleiche Entstehungsdatum wie Eastwoods „High Plains Drifters“. So schließt sich der Kreis. Wie zuletzt schon erwähnt, gibt’s bis Mitte Juni im Filmmuseum noch viele andere Eastwood-Filme zu sehen. Hier noch Kowalski mit Karre und Knarre (interessant: die beiden stärksten Symbolen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Krise) und mit dem Titelsong zu “Gran Torino”, von Eisenstimme Eastwood persönlich vorgetragen.

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Ein kurzer Programm-Hinweis, bevor das Schlimmste passiert und noch mehr Filmperlen ungesehen bleiben. The Good, the Bad and the Ugly ist zum Beispiel schon durch, verloren, ach herrjeh, und so müssen wir Verdammten dieser Erde wieder Jahre warten, um dieses Meisterwerk endlich im Kino zu sehen.
Also: Das Münchner Filmmuseum zeigt derzeit eine Clint Eastwood-Retrospektive. Die Reihe dauert zwar noch bis zum 24. Juni, doch heute Abend gibt es um 21 Uhr The Beguiled (Betrogen) von Don Siegel und als Vorfilm Eastwoods erste nominelle Regiearbeit The Beguiled: The Storyteller zu sehen, ein 12-minütiges Promo Reel über die Dreharbeiten. Morgen um 21 Uhr wird Play Misty for Me (Sadistico) von 1971 gezeigt, der erste Spielfilm in der Regie von Clint Eastwood.

Das Programm zu Clintessenz – Retrospektive Clint Eastwood gibt es beim Filmmuseum zum Downloaden.

Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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