Archiv für März 2010

Mexiko, Gruppe A

von Ben Strack-Zimmermann

Früher mal – es ist schon über ein Vierteljahrhundert her – war Mexiko einer der großen Prügelknaben bei Weltmeisterschaften. Man muss sich das hin und wieder ins Gedächtnis rufen, weil es mittlerweile absolut selbstverständlich erscheint, dass Mexiko nicht nur bei einer WM dabei ist, sondern seit 1994 auch jedes Mal die Gruppenphase übersteht. Das ganz große Ziel ist deshalb seit einiger Zeit auch das Erreichen eines Halbfinales, was dem völlig fußballverrückten Land wirklich zu gönnen wäre. Die letzten vier Jahre waren allerdings turbulent, und so ist Mexiko derzeit schon eine der etwas unklareren Größen. Nachdem man den völlig glücklosen Sven-Göran Eriksson in die Wüste gejagt hatte, wurde mit Javier Agirre ein Altbekannter sein Nachfolger. Agirre hat das schlingernde mexikanische Schiff wieder auf Kurs gebracht. Den Gold Cup konnte man nach Anlaufschwierigkeiten mit einem glanzvollen 5:0 Endspielsieg über die USA nach Hause bringen. Seitdem läuft es wieder gut. In den letzten Jahren hat man mehrmals eine neue Mannschaft ins Rennen geschickt, jedoch immer wieder mit spektakulären Comebacks von zum Teil waschechten Methusalems – heißt unterm Strich, dass halb Mexiko im Kader ausprobiert wurde. Von einem eingespielten Team kann also nicht die Rede sein. Was man von den Mexikanern zu sehen bekommt, weiß man allerdings: technisch feinen Fußball, gerne ein wenig verspielt, aber meist offensiv und ohne jeglichen Respekt vor großen Namen. Die größte Veränderung im Vergleich zu früheren Zeiten ist sicher, dass mittlerweile so viele Mexikaner erfolgreich im Ausland tätig sind wie noch nie. Lange Zeit gab es anscheinend die klare Regel, dass höchstens 1-2 Mexikaner gleichzeitig Erfolg in Europa haben durften. Alle anderen bekamen schon beim Besteigen des Fliegers akutes Heimweh und 50 eingebildete Allergien und spielten dann in Europa wie lahme Senioren mit häufigen Schlafkrankheitsanfällen. Das ist im letzten Jahrzehnt kontinuierlich besser geworden. Inzwischen spielen über ein Dutzend Mexikaner in Europa, davon einige richtig erfolgreich. Mexiko hat also viele gute Gründe, hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken. Ob diese Generation aber schon die ganz großen Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten.
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Heute wäre Steve McQueen 80 Jahre alt geworden.

Vor ein paar Tagen erst, beim Pressescreening von From Paris with Love mit John Travolta, habe ich mir erst wieder gedacht, wie öde diese hyperventilierenden, hektisch geschnittenen Action-Szenen sind, die man im Kino mittlerweile vorgesetzt bekommt. Keine vernünftigen Stunts mehr, keine Körperlichkeit, nichts passiert mehr wirklich. Bezeichnenderweise hat sich der amerikanische Star-Filmkritiker Roger Ebert bei seiner Besprechung dieses Films genau auf diesen Aspekt konzentriert. Diesmal ist es sogar mir kleinem Licht aufgefallen, aber diese Computerschlampereien nerven mich schon geraume Zeit. Erst einmal ist Film Bewegung, dann kommt der Schnitt. Einer der letzten Action-Filme, dem ich das Gezeigte auch geglaubt habe, war übrigens Tarantinos Death Proof. Es gab echte Car Chases mit echten Stunts, ohne Schnitte im Sekundentakt, die das Gesehene nicht mehr nachvollziehbar machen.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Bullitt von Peter Yates mit eben Steve McQueen. Ich bin immer wieder begeistert von der berühmten Verfolgsungsjagd: dieses minutenlange Pirschen der beiden Autos durch San Franzisko, dieses Lauern, diese unterdrückte Kraft des Ford Mustangs. Man wartet auf eine Explosion und dann endlich, endlich heulen die Motoren und es geht los! Das ist so brilliant. Ich kann mir die Szene dutzende Male anschauen. Bullitt hat übrigens einen Oskar bekommen – für den besten Schnitt. Natürlich erwähnt Ebert diesen Film in seiner Kritik, als Beispiel aus besseren Zeiten. McQueen hat seine Stunts selbst gemacht.

Der folgende Ausschnitt ist nicht aus Bullitt, sondern aus einem Dokumentarfilm über die Leidenschaft für das Motorradfahren. Der Film heißt On Any Sunday, ist von 1971 und wurde gedreht von Bruce Brown, der dafür sogar eine Oskar-Nominierung bekam. Auch Steve McQueen kommt darin vor. Der Ausschnitt zeigt die letzten paar Minuten des Films, der wunderbar kitschig endet: Steve McQueen am Strand mit Kumpels bei Sonnenuntergang auf Motorrädern.

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Kann nur empfehlen, sich „Ein Prophet“ von Jacques Audiard anzuschauen, so lange er noch in den Kinos läuft. Endlich mal wieder ein richtig trockener Gangsterfilm. Und ein stimmungsvoller Gefängnisfilm noch dazu. Mit tollen Schauspielern, besonders natürlich dieser Tahar Rahim, der als ein arabischer Niemand im Knast eingeliefert wird und sich tief ins Ganovenbusiness hineinarbeitet. Eine Traumebene gibt dem Film eine poetische Note, die aber niemals nervt. Da ich gerade auch die starke Camorra-Zustandsbeschreibung „Gomorrha“ auf DVD wiedergesehen habe und vier Folgen vor dem Ende der wohl realistischsten Cop-Serie „The Wire“ – über die hier schon mal geschwärmt wurde – stehe, spannt sich das Thema des organisierten Verbrechens bei mir gerade über den ganzen Globus. Und es ist erschreckend, wie sich die fantastisch recherchierten Meisterwerke „Gomorrha“ und „The Wire“ und damit die Systeme der Drogenkriminalität in Neapels Betonsilos von Scampia und Baltimores Eastside- und Westsidecorners ähneln: die Drogenumschlagsplätze, die Gruppendynamik in der Pusher-Szene und vor allem die Macht der Kids. Denn wenn in „The Wire“ ab der dritten Staffel der eiskalte Marlo Stanfield immer mehr die Fäden zieht, dann fragt man sich zuerst schon, warum denn niemand diesem Mittzwanziger-Lümmel mal die Ohren langzieht. Die Antwort gibt „Gomorrha“-Autor Roberto Saviano im interessanten Interview auf der Doppel-DVD des Films: „Die alten Verbrecher gibt es nur im Film. In Wirklichkeit sind die Bosse jung. 90 Prozent der Opfer der organisierten Kriminalität sind unter 30 Jahren.“ So ist dann auch das grandios augenzwinkernde Ende von „Ein Prophet“ wieder absolut realistisch.

Hier noch der Trailer von “Ein Prophet”:

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Frankreich, Gruppe A

von Ben Strack-Zimmermann

Die Geschichte des französischen Fußballs im letzten Jahrzehnt ist wahrlich eine Tragödie von Shakespeareschen Ausmaßen. War man zu Beginn des Millenniums noch der strahlende Meister aller Klassen, der mit beeindruckendem Fußball unsere Seelen erwärmte, ist man seitdem Schritt für Schritt in Richtung Finsternis herabgestiegen. Mit dem Beginn der Ära Domenech, wohl einem der grässlichsten Seitenlinienfatzkes, die die Welt so ertragen muss, begannen die Franzosen schnell, all die angehäuften Sympathien zu verbrauchen. Die hohe Kunst der langweiligen Ballschieberei ohne Raumgewinn gewann die Oberhand, aber man hatte ja immer noch Zidane, der an bessere Zeiten gemahnte, und so verzieh man der Mannschaft das eigentlich schon ziemlich schlimme Rumgestümpere. Es gab ja noch den Hoffnungsschimmer Ribery. Zidane verabschiedete sich dann ja nach einem letzten Tänzchen bei der WM 2006 unrühmlich (Na gut, er hätte keinen Besseren treffen können). Ribery ist entweder verletzt oder nervt mittlerweile zunehmend mit seiner egoistischen, ziemlich brotlosen Spielweise. Der ganze Rest ist sowieso nur noch schrecklich, Fußball zum Davonlaufen, dirigiert von einem offensichtlich größenwahnsinnigen Napoleon, der bei jeder Pressekonferenz den derzeit so angesagten Rumpelstilzchenstil a la van Gaal oder Mourinho fährt, allerdings ohne ansatzweise das taktische Gespür der beiden Genannten zu besitzen. Ein Trauerspiel also, und da passt es ja bestens, dass mit Thierry Henry ausgerechnet ein Überbleibsel aus glorreichen Zeiten die Qualifikation durch miesen Betrug erst ermöglichte, indem er gegen Irland einen glasklaren Maradona hinlegte. Keiner will diese zu Unrecht in Südafrika auflaufende Mannschaft sehen, nicht einmal die Franzosen selber, und so kann man wirklich nur hoffen, dass das Unternehmen Südafrika für die mittlerweile “Petit Nation” genauso in die Hose geht wie die EM vor zwei Jahren. Die Chancen dafür stehen gut, man spielt mittlerweile noch größeren Mist zusammen als damals und muss sich komplett auf die individuellen Fähigkeiten einiger weniger Spieler verlassen.
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… sofort unterschreiben, dass in den letzten Jahren kaum jemand die deutsche Sprache um so viele schöne Bilder bereichert hat wie Dendemann, ehemals Rapper von Eins Zwo. (Ich freu mich z. B. immer wieder über den “Dorftrottel, der arschkriecht, wie einer seiner G-Strings”, hihi.) Seit ein paar Jahren ist Dendemann solo unterwegs. Demnächst erscheint sein neues Album, wohl mit dem schönen Titel “Vom Vintage verweht”, für das ich an dieser Stelle einfach mal ungehört Vorab-Werbung mache. Vor allem deshalb, weil ich finde, dass das Video zu “Stumpf ist Trumpf 3.0″ jede Webseite der Welt schöner macht.


Dendemann – Stumpf ist Trumpf 3.0

Dendemann | MySpace Musikvideos

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