Archiv für März 2010

Neuseeland, Gruppe F

von Ben Strack-Zimmermann

Nach 28 Jahren ist man mal wieder bei einer WM dabei. Der Wechsel der Qualifikationsgruppe von Australien in den Asienraum hat sich also sofort ausgezahlt für die Neuseeländer. Während man gegen Fiji, Taka-Tukaland und Lummerland doch ziemlich sicher durchmarschiert ist, war es in den Play-Offs gegen den Bahrain dann aber doch sehr eng. Die Sportnation Neuseeland guckt also mal wieder im Weltfußball vorbei, und möglicherweise können die Kiwifans für ein paar Wochen im Sommer sogar überzeugend so tun, als ob sie dieser fremdartige Sport mit den seltsam niedrigen Torstangen auch nur für fünf Pfennige interessieren würde. Wir wissen, obwohl die Auftritte bei Confederation Cups und verschiedenen Olympiaden eigentlich ganz ordentlich waren, was wir von den “All Whites” während der WM zu erwarten haben: die sympathischst-versoffenen weiblichen Fans auf diesem Erdball und – auf sportlicher Seite – drei Niederlagen mit einer Menge Gegentore. Neuseeland ist viel zu bieder für die moderne Fußballzeit, technisch ungefähr auf dem Niveau von Nordirland, aber nur, wenn deren Spieler mit offenen Schnürsenkeln spielen würden. Kämpferherz ja, Enthusiasmus auch jede Menge, Aussagen zu Qualität oder Technik sollte man jedoch mit heftigem Räuspern überdecken.
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Heute war der Kampf zwischen den Sonntagszeitungen schon rein optisch schnell entschieden. Mit Blumen im Eis hat einen die FAS nicht wirklich angemacht. Dagegen die WamS: unsere Lieblingsministerin Kristina Schröder im Beauty-Shot! Daneben die sexy Headline: “Wie das Netz unser Leben verändert”. Netz ist diesen Sonntag aber nur Facebook. Und tatsächlich erklärt dann die Familienexpertin Schröder hintendrin in ihrem Eingangsbeitrag auf der Doppelseite im original Facebook-Design, warum sie das Netzwerk so gerne mag, obwohl sie eigentlich ja ein “‘Spätzünder'” ist. Und da fallen so schöne Zitate wie: „Ich schätze dort auch das hohe Niveau, es gibt nur ganz selten Einträge unter der Gürtellinie“, oder: „Ein Politiker sollte Facebook allerdings nur dann nutzen, wenn er wirklich eine Affinität dazu hat. Wenn er andere für sich posten lässt, merkt man das sofort“, oder: „Was mich am Anfang bei Facebook wirklich gestört hat, war der Begriff ‚Freunde‘. Denn das sind ja keine wirklichen Freunde. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt”, oder auch: „Wenn ich keine Politikerin wäre, hätte ich trotzdem großen Spaß an Facebook.“

Die WamS wurde mir übrigens von einem netten Straßenverkäufer gratis angeboten. Und bei dem Aufmacherbild konnte ich diesmal echt nicht nein sagen.

In 99 Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Es wird also höchste Zeit, auch hier mit diesem Thema anzufangen. Eine große Freude dieses Mal! Wir haben einen Gastautor! Ben Strack-Zimmermann, Fußball-Experte, Experte in Sachen Nationalmannschaften und Betreiber der gigantischen Datenbank www.national-football-teams.com. Wer zum Beispiel wissen will, wie die Spieler und ihre Clubs hießen, die 1996 für Samoa aufgelaufen sind, der ist dort genau richtig. Ben wird die einzelnen WM-Teilnehmer vorstellen, ihre Stars, Stärken und Schwächen beschreiben und einen Tipp für das Abschneiden im Turnier abgeben.

Heute geht es los mit Griechenland. Ich habe länger überlegt, welche Mannschaft den Auftakt machen sollte. Griechenland bietet sich an aus drei Gründen. Griechenland hat heute ein Testspiel gegen den Senegal. Nichts Besonderes. Fast alle WM-Teilnehmer haben heute Testspiele. Griechenland ist in der heute veröffentlichten FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste wieder unter den Top Ten, was mich am Wert so mancher Statistik zweifeln lässt, mich irgendwie sogar empört. Zum dritten, zugegebenermaßen sehr subjektiven Grund und auch Ursache meiner Statistik-Empörung: Es gibt kein Team, das mich in den letzten Jahren mehr genervt hat als die Griechen. Deshalb bekommt Griechenland die Ehre, an erster und zeitlich gesehen WM-fernster Stelle zu stehen. Aber jetzt hat Ben das Wort.

Griechenland, Gruppe B

von Ben Strack-Zimmermann

In mykenischer Zeit, so heißt es, sei es Brauch gewesen, das sich zwei Mannschaften treffen, um ein Spiel um einen Ball aus gefülltem Schafsdarm (Souvlakos) auszutragen. Höchstes Ansehen verdienten sich dabei die Spieler, die weise und bedächtig den Souvlakos in der Verteidigung hin- und herspielten, wenig geachtet wurde der verwegene Angreifer oder der Künstler am Ball. Letzterer wurde sogar gerne in der dritten Halbzeit in den Tartaros gestoßen. Otto Rehhagel war natürlich damals schon dabei, verstand sofort den tieferen Sinn des Ballspiels, und perfektionierte bis heute sein Credo, das man schön umschreiben könnte mit: “Scheiße im Weg rum stehen, aber dafür gibt es Fleißpunkte ins Klassenbuch für Sekundärtugenden wie Disziplin, Ausdauer, Robustheit, Einfallslosigkeit, Sturheit und sinnlichen Geruch nach ein klein bisschen zuviel Knoblauch/Ouzo”. Man spielt immer noch genauso elendig wie beim erstolperten Europameistertitel, nur bei weitem nicht mehr so erfolgreich. Trotzdem wird es wohl die erfolgreichste WM-Teilnahme aller Zeiten für Ottos Spielverweigerer, was nun aber auch nicht so irre überraschend ist. Beim bisher einzigen Auftritt 1994 erinnerte das Abschneiden mit drei Niederlagen und 0:10 Toren an andere lustige WM-Auftritte von Ländern wie El Salvador, Niederländisch Indien oder Zaire. Mit Argentinien und Nigeria hat man wieder zwei Vorrundengegner von damals in der Gruppe, vielleicht gelingt dieses Mal ein Tor.

Stars
In streng Berti Vogts’scher Dialektik folgt man dem Motto “Die Mannschaft ist der Star”, was wohl inzwischen endgültig heißt: “Stars? Ham wa nüscht”. Mit etwas gutem Willen kann man wohl Theofanis Gekas und Georgios Samaras von Celtic nennen, im Sturm sieht es generell nicht ganz so mau aus. Im Mittelfeld hingegen herrscht weitestgehend Ödnis, und auch hinten hat man mit Kyrgiakos und Moras eher so Viertelstars. Also “Die Mannschaft ist der Star” halt.



Talente
Sokratis Papasthopoulos vom FC Genua scheint aus sich einen ordentlichen Verteidiger zu machen, im Mittelfeld hofft man auf eine schnelle Entwicklung des Schalkers Pliatsikas. Dazu kommt dann noch Stürmertalent Costas Mitroglou von Olympiakos. In anderen Worten: Da kommt nichts nach.



Tipp
Eigentlich hat man eine prima Auslosung, die Argentinier spielen recht waidwund dahin, Nigeria ist wie immer eine undisziplinierte Wundertüte, und Südkorea hat außerhalb des eigenen Landes nun auch noch nichts gerissen. Trotzdem sollten alle besser als diese Rumpelgriechen sein, was uns dann hoffentlich auch von der Ära Rehhagel erlöst. Vielleicht mit einem zünftig geschrienen “Das ist Sparfußball!”, altersschwaches Schwertschwingen inbegriffen.

Griechenland auf national-football-teams.com

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