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Kamerun, Gruppe E

von Ben Strack-Zimmermann

Die Sphinx des afrikanischen Fußballs steht nicht, wie man meinen könnte, in Ägypten, sondern in Kamerun. Einst war man der stolze Vorreiter, der bei den Weltmeisterschaften 1982 und 1990 der Konkurrenz das Fürchten lehrte und die Hoffnungen der Afrikaner auf Erfolg wenigstens in der Welt des Fußballs nährte. Jahrgang um Jahrgang war seitdem mit Talenten besonderer Art gesegnet, die allerdings ein ums andere Mal mehr oder weniger schlimm enttäuschten. 2006 überstand Kamerun nicht einmal mehr die Qualifikation. Den Grund weiß ganz allein der Wind – Kamerun hat eine vor großen Namen nur so strotzende Mannschaft. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Teams ist man auch auf den Problempositionen Afrikas (Torhüter, Mittelstürmer, defensive Mittelfeldspieler) gut bis überragend besetzt. Trotzdem spielt das Team oft öden Durchschnittsfußball, ungefähr jedes vierte, fünfte Spiel vergeigt man sogar völlig. Amateurhaft ist das Umfeld. Die sich ständig einmischende Politik und einer der unfähigsten und korruptesten Verbände weltweit tun immer alles, um es Trainer und Team möglichst schwer zu machen. Doch auch mit dem Teamgeist scheint es nicht allzu weit her zu sein. In kaum einer anderen Mannschaft wird soviel gemotzt, gemobbt und diskutiert. Nichts gebracht hat da auch ein Wechsel der Kapitänsbinde von Song auf Eto’o. Die Probleme scheinen tiefer zu sitzen. Kamerun ist ein Team, das eigentlich alles könnte, aber in den letzten Jahren kaum etwas davon zeigt.
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Algerien, Gruppe C

von Ben Strack-Zimmermann

Die jüngere Geschichte des algerischen Fußballs verhielt sich, wie so oft, fast analog zur jüngeren politischen Geschichte des Landes. Soll heißen: Nach den ziemlich erfolgreichen 80er Jahren (Hier verfängt die politische Analogie nicht ganz, weil die Probleme damals ja schon sichtbar waren, aber immerhin gab es Stabilität) ging mit dem Aufstieg der Islamisten bei der Wahl 1991 und dem folgenden Bürgerkrieg auch fußballerisch alles den Bach runter. Erst in den letzten Jahren konnte man sich langsam erholen, vor allem dank der in Frankreich lebenden Spieler. Natürlich hilft es, dass Algerien allmählich wieder zu sich findet und der Islamismus vorläufig besiegt zu sein scheint. Einen Madjer oder Belloumi hat man zwar noch nicht wieder hervorgebracht, dafür jedoch eine solide Mannschaft, in der die meisten einen Ball durchaus pfleglich zu behandeln wissen. Wenn die gute Grundtechnik mit Leidenschaft ergänzt wird, ist Algerien durchaus in der Lage, die besten afrikanischen Teams zu besiegen, wie man in der spannenden Qualifikation mit dem Triumph über einen der Erzfeinde, namentlich Ägypten, sehen konnte. Das Team wurde seit Jahren aufgebaut, man kennt sich gut und spielt dementsprechend sicher zusammen. Es mangelt aber dann doch an Brillanz. Vor allem fehlt ein echter Torjäger.
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Südafrika, Gruppe A

von Ben Strack-Zimmermann


Vor zwei Jahren dachten wir alle, dass man als Gastgeber eigentlich keine schlimmere Figur im Vorlauf auf das heimische Endturnier machen könnte, als die Österreicher. Aber man konnte sich auf den Katastrophenkontinent Afrika verlassen. Diese zweifelhafte Ehre wurde unseren alpinen Nachbarn schnellstmöglich entzogen und ist nun am Kap zu Hause. Pleiten, Pech und Pannen gab es seit dem schaurig-peinlichen Vorrundenaus 2002 zur Genüge. Eigentlich wurde es jedes Jahr sogar noch ein bisserl schlimmer: verpasste WM, verpasster Afrikacup, ständiger Streit in und um die Mannschaft; kein System, kein Stammkader, ein Verband, der alle afrikanischen Kardinaltugenden bestens beherrscht und eine ständige Lachnummer abgibt; ein offenkundig unfähiger brasilianischer Trainer, an dem man ewig und drei Tage in Nibelungentreue festhält, um ihn dann ein paar Monate vor Anpfiff doch noch durch einen anderen Brasilianer zu ersetzen; und vor allem Niederlagen in den letzten vier Jahren gegen Kreti und Pleti, Hinz und Kunz, beziehungsweise Bolivien, Sambia, Sierra Leone, Guinea und zuletzt Island. Seit dem sogar nicht völlig schrecklichen Confed-Cup hat man in sieben Spielen genau ein Tor erzielt – gegen die Fußball-Großmacht Madagaskar. Südafrika spielt ein unmodernes 4-4-2, meist mit zwei hängenden Spitzen, irgendwo zwischen sinnlosem Kick-And-Rush und noch sinnloserer afrikanischer Zauberei. Österreich: So geht das!


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Brasilien, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Da wären wir nun also beim großen Favoriten gelandet. Es ist der langweiligste Favorit, den der internationale Fußball anzubieten hat: Brasilien. Seitdem Carlos Dunga die nach der letzten Weltmeisterschaft doch arg frustrierten Gelbhemden übernommen hat, läuft es zunehmend wie am Schnürchen. Die Copa America hat man gewonnen, den Confederationscup hat man gewonnen, und dabei hat Dunga die Mannschaft kontinuierlich verbessert. Eigentlich war alles klug, was der als Trainer ja völlig unbeleckte Ex-Stuttgarter so an Entscheidungen fällte. Er probierte deutlich mehr Spieler aus der zweiten und dritten Reihe der europäischen Clubs aus als seine Vorgänger (die das zum Teil sträflich vernachlässigten). Er hatte keine Angst davor, große Namen rauszuschmeißen, wenn sie nicht ordentlich bei der Sache waren oder nicht in Dungas taktischen Konzepten aufgingen. Vor allem aber hat er taktisch viel experimentiert, und so können diese Brasilianer mal mehr als 4-4-2 alter Schule – zur Not kann man das aber auch immer noch sehr gut spielen. War ja auch schon oft genug erfolgreich. Da die letzten Jugendjahrgänge nicht so überragend waren wie in den Jahren zuvor, sehen wir eine ziemlich erfahrene Mannschaft – ein Großteil davon im vielzitierten “besten Fußballalter” zwischen 25 und 29. Auch wichtig: Es scheint derzeit kaum Querelen im brasilianischen Lager zu geben, keine großen Egozentriker und Grüppchenbilder. Die Mannschaft spielt so umsichtig und besonnen wie ihr Trainer zu seinen Glanzzeiten. In so einer Form ist Brasilien erfahrungsgemäß kurz vor unschlagbar, wenn die Weltmeisterschaft nicht in Europa stattfindet. Dies ist ein guter Moment, um mal von Fakten und Bilanzen zu sprechen. Noch nie hat eine europäische Mannschaft außerhalb von Europa einen WM-Titel holen können. Von den vier Weltmeisterschaften auf “neutralem Terrain” (zweimal in Mexiko, einmal in den USA und einmal in Japan/Südkorea) holte Brasilien drei Titel, Argentinien einen. Mit Blick auf diese Fakten gucken wir uns den derzeitigen Kader der Brasilianer an und sagen demütig: “Kommt herunter auf die Erde, ihr Götter in gelb und blau, und gewinnt gegen uns im Fußballspiel! Danke, es war uns eine Ehre!” Und alle blöden Leute ohne Ahnung von Fußball dürfen sich beim solidarischen Sambatanz mit den Horden in Gelb wieder zu den Deppen der Public Viewing-Feierlichkeiten machen, was ja auch irgendwo ein liebgewordenes Bild geworden ist.
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Nordkorea, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Nicht nur der Tourismusminister Südafrikas wird wahrscheinlich “Scheiße” gedacht haben, nachdem sich Nordkorea doch ziemlich überraschend für die WM qualifizieren konnte. Verdient war es allerdings allemal: Nordkoreas komplett unansehlicher Steinzeitkommunistensystemfußball war für die meisten Gegner in Asien unüberwindbar. Fanatiker der Fußballtertiärtugenden Disziplin und Ordnung werden an Nordkoreas Kurzpass-Klein-Klein ihre helle Freude haben. Zu kreatives Spiel wird mit Auswechslung oder Arbeitslager bestraft. Zusätzlich schieben die grau gekleideten Funktionäre ihre Mundwinkel noch um zwei Zentimeter weiter nach unten. Wie man gegen internationale Athletik und Spielfreude bestehen will, weiß wohl nur der himmlische Führer, und der scheint es bisher auch nicht weitergesagt zu haben. 1966 war man neben Portugal die große Schau, diesmal wird man ordentlich eine vor den Latz bekommen.


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