Archiv nach Autoren: max

Als ich etwa zwölf war, habe ich mit meinem Freund Franz Späth aus der Siedlung ein wie wir meinten hervorragendes treatment für einen Werbespot an Ritter Sport geschickt. So James Bond Stil, und am Ende präsentiert sich die Wunderwaffe im Aktenkoffer: ein Sortiment Ritter Sport.
Nach Wochen bekamen wir Antwort: eine bedauernde Absage, man habe für die Werbung doch schon eine Agentur, und als Trost aber: ein Sortiment Ritter Sport. Was waren wir stolz.

Der Herr Scorsese ist mir seit dem Betrachten von The Departed ja ein wenig öde geworden, irgendwie sah ich da nicht mehr, was ich einst geliebt bei ihm; und prompt hatte er noch seinen überfälligen Oscar ™ genau dafür bekommen.

Aktuell tritt er nun mit dem Freixenet-Weihnachts-Spot im Hitchcock-Mock-Stil in Erscheinung. Visuell extrem charmant, Anklänge an The Man Who Knew Too Much, aber eine Story, die mich direkt wieder in meine vielversprechende Jugend zurückversetzt. Hey, bitte, da hätte meine Karriere ja nun wirklich eine andere Wendung nehmen können.

Schon schön.

Heute abend kurz nach zehn bringt der Zündfunk ein Feature über die Berliner Künstergruppe FMSW. Deren Netzseite gehört nun nicht zum Erquicklichsten, aber ein auch heute abend vorgestelltes Projekt verdient nähere Betrachtung: Die haben allen Ernstes eine Expedition zum geografischen Nullpunkt im Golf von Guinea (hier ein pdf) unternommen, um dort eine Vakuumkugel zu versenken.
A Schmarrn, Kunst halt und sinnlos anregend.
Anzuhören an euren Radiogeräten oder per Stream

Ist nicht mein Bier, aber sicher das einiger geneigter Leser:
Heute machte der gepflegte, aber eben lokal verwurzelte Tagsanzeiger auf unserem Frühstückstisch mit einer schönen und langen Zeile auf:
“FCZ-Fans entführten einen Anhänger des Grasshopper-Clubs” (hier der online gestellte, ausführliche Text aus dem Zürcher Lokalteil)
Und daneben ein Kommentar, betitelt “Fussball-Faschismus”.
Auf der Titelseite, wohlgemerkt.
Unschuldige Schweiz… Und irgendwie kommt doch überall die Nervosität auf angesichts der drohenden EM.

Ich will ja hier nicht auch noch grosse Blattkritiken beginnen, dafür lese ich zu wenige Online-Zeitungen.
Wundere mich grad nur über ein Interview, das sueddeutsche.de mit einem Journalisten des eigenen Hauses führt. Darin darf Nico Fried erzählen, wie er das Verhältnis von Merkel und Bush in Texas erlebte, wo er als Berichterstatter dabei war. Klassischerweise in einem Meinungsartikel unterzubringen, oder?
Verstehen könnte ich die Sach, wenn es um die dortige Situation für die Medien gegangen wäre. Dafür wäre der Herr Fried dann sicher der richtige Experte. Oder geht es in solchen Fällen um die Trennung der Print- und der Online-Redaktion? Ist das eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme, wenn Journalisten Journalisten interviewen, damit mehr als nur ein Artikel rauskommt? Werden hier Mehrwerte generiert? Zweitverwertungen?
Kommt demnächst neben jeden Artikel noch ein Interview mit dem Autor, werden so zukünftige Talkshow-Experten aufgebaut?

Datensammlungen, immer schön: Gracenote ersparen mir natürlich nicht nur das Titel-Eintippen beim Füllen von I-Tunes (warum sind die Daten eigentlich nicht eh schon auf der Scheibe?), sondern merken sich natürlich auch, wann sie wem was schicken.

Jetzt geben sie das angesammelte Wissen aber auch weiter: Hier gibt es eine interaktive Karte, die uns die derzeitigen musikalischen Vorlieben der Nationen mitteilt. Leider in tragischem Design und schlecht lesbar. Und keinerlei Zahlen, die irgendeine Einschätzung zuliessen – ein besonders schönes Beispiel für diese Statisterei ist Afghanistan.
Wie bei allem zunächst nutzlosen Wissen ist das Stöbern hochinteressant: In Rumänien sind immer noch die Rapper Parasitzii total angesagt (Platz 10 der Künstler-Charts), die wir dort 2001 auf Kassette für unseren Wartburg gekauft haben. Die Österreicher luden die “Ö3 Greatest Hits 39″ auf den zweiten Albumplatz und die “Bravo Hits 58″ auf den neunten. Im Nahen Osten begeistert man sich (immer noch?) für Guns’n Roses, gleich mehrfach finden sich ihre Greatest Hits von 2004 in den jeweiligen Top Ten. Und so weiter. Deutschland dagegen hört weiter Die Toten Hosen (Platz 8).

A propos Tote Hosen: Eben im Supermarkt (Coop, Zürich Bahnhofstr) lief doch zwischen Werbung für Erfrischungsgetränke tatsächlich “Hier kommt Alex”. Subversiv kam mir das komischerweise nicht vor.
(via BoingBoing)

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max

Max Zeckau
max@zweitens-magazin.de
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