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Komm kaum zum Lesen leider, aber Kapitelchen um Kapitelchen geniesse ich zunehmend. Die grosse Sympathie des Herrn Pynchon für seine Figuren mit den wundersamen Namen!

Und die hübschen Dialoge…

“Sie sind Künstlerin, Miss McAdoo?”
“Ich gebe den Tanz von Lava-Lava, der Vulkangöttin”, erwiderte sie.
“Ich bin ein grosser Bewunderer der dortigen Musik”, sagte Miles, “insbesondere der Ukulele.”

Muss ja auch mal was zur EM schreiben, wenn ich schon mitten in Host City wohne.

Aber der Fussball-Rasen auf diesen Briefmarken ist nur der Aufhänger. Eigentlich gehts mir um den Boden, auf dem er wächst bzw. den die Marken umfassenden Schmuckbogen, wo die Gastgeber sich aus dem Grau Europas ins Sonnenlicht emporschwingen.

Diese blöde Mode, alles und jedes mit GoogleEarth-mässigen Bildern zu illustrieren, um irgendwie heutig und dabei zu sein. Oder so. Egal wie klein, farblich unpassend oder unübersichtlich – die Zeiten der klaren Form in der Länder-Illustration sind irgendwie vorbei.

Zur EM selber werden Satelliten ja kaum gebraucht, das Zürcher Polizeidepartement setzt auf Drohnen.

Dieses Zürich – erschlägt einen mal wieder mit bewährtem Sturzregen und Wildbächen auf dem Trottoir, während evil Technik meine Abschlussarbeit hindert.

Solche Gründe bräuchte es aber gar nicht, wieder und wieder ins Kino zu laufen, denn das Angebot ist einfach beglückend: im Xenix allerlei Western (mit diesem Genre kann man ja meiner Meinung nach am besten das Kino an sich betrachten); Forty Guns hab ich leider verpasst, dafür gestern The Professionals im fast leeren Saal genossen. Ein ganz ein klassischer, mit mässig überzeugenden Wendungen, glutäugigen Mexikanern und einer wie immer nicht mehr als sinnlichen Claudia Cardinale (hat die irgendwann mal wirklich eine Rolle gespielt?!), aber so einem schönen Leiden und Schwitzen in der Salzwüste, dazu schüchternem Diskutieren der Revolution als Liebesaffäre – das Leben als Sinnsuche im Kampf.

Und dann haben wir noch das Filmpodium mit einer (im Moment natürlich nicht rasend originellen) Nicholson-Retrospektive. Endlich konnte ich mal Rafelsons
Five Easy Pieces sehen, sooo schön!! Unglaublich plattes (aber schon lustiges) Frauenbild, doch dermassen toll Nicholsons Figur des Bob… wie stark muss dieser Auftritt gewirkt haben zu einer Zeit, als man noch nicht wusste, was kam, wenn man Nicholson sah! Ganz ruhig entsteht der Film, ohne dass man wüsste, wo es hingehen könnte, spielt kurz Road Movie, dann Kammerspiel, am Ende geht es endlich in die notwendige Einsamkeit, ohne Jacke ins gelobte Alaska.

Film kann so glücklich machen.

Eher zufällig war ich während meiner Ruhrpott-Reise am Freitag auch in Marl bei der Verleihung des Grimme-Preises.. Grosses Gedränge, grosses Gesaufe, dazwischen TV-Schnipsel (mir alles fremd) und vor allem das Schreckbild meiner Berufsgruppe:
Fotografen from hell.
Grob im Einfordern von Blicken der Stars, duzen jeden (ausser Frau Berben), unersättlich, aufdringlich und immer in der Meute.

Das Video von Herrn Zapatka zeigt noch einen ganz souveränen Umgang damit, beim Abschlussdefilée wars dann jedenfalls viel viel schlimmer.

Vorgestern in John Rambo gewesen.
Am Eingang nur so lärmige Jungsgruppen mit Popcorn und Bier, da bekam ich schon Angst um meinen Filmgenuss, trotz phänomenaler Beinfreiheit im Metropol.
Zum Glück wurde dann dermassen laut und viel geschossen, dass sich die Sorge erübrigte.
Oder die relative Ruhe im Saal lag am Filmbeginn: furchtbare Bilder, Original Footage aus Burma. Die natürlich alles rechtfertigen, was dann später so veranstaltet wird; die gleiche Genozid- Argumentation wie schon immer. Aber das macht man ja wohl so heut, und die schmutzigen Hinrichtungsbilder später sind spätestens seit dem BMW-Spot von Iñarritú im Mainstream angekommen.
Stallone erscheint mir mit John Rambo wie Madonna: nix wirklich Neues, lediglich eine schlaue Mischung aus erprobten Mustern und aktuellen Strömungen – mit einer wirklich fetten Produktion dann aber doch eine Art state of the art. Erschütternde Brutalität mit der ehrlichen Küchenphilosophie des braven Kämpfers wider Willen – when you’re pushed, killing’s as easy as breathing.
Empfehlen will ich den Film nicht, zu widerlich war mir die Identifikation der Kamera mit dem Sadismus der burmesischen Schergen.
Aber eigentlich muss man ihn schon anschauen: die Figur des Rambo ist einfach grossartig, und nur Stallone kann sie spielen. Das versteinerte Gesicht, der Hundeblick, die Einsamkeit und die menschenverachtende Konsequenz.
Ein Kreis muss sich schliessen, heisst es in seinen Alpträumen von früher – in diesem Film kommt es tatsächlich dazu. Am Ende scheint Rambo seinen Frieden gefunden zu haben, und auch der Zuschauer ist versöhnt mit dem in Würde Gealterten.

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max

Max Zeckau
max@zweitens-magazin.de
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