Archiv nach Autoren: max

Gestern im Zürcher Riff Raff I’m not there gesehen.
Bin begeistert, was sonst.
Aber was mich neben dem Film beeindruckte: der ausverkaufte Saal war 135 Minuten lang ruhig wie ich es selten erlebt habe, und am Ende des Abspanns sass immer noch ein Drittel des Publikums auf seinem Platz.
Unheimlich schön.

Ich fass es nicht: meine Queste, alle 80er-Jahre-Filme aus dem ganz grossen Kino mir nach und nach reinzutun (weil, als ich jung war hatt ich ja kein Geld, erfüllte die Altersvorschriften nicht oder hatte keinen Freund mit VHS und Connections – und später dann musste ich ja Heroic Bloodshed gucken oder Neorealismo oder so) führt zunehmend in die eigene Vergangenheit. Soll ja auch so sein – wie stark man geprägt wurde, und wie lang das her ist, merkt man stets schon bei der ersten Zeile des Titelsongs.
Waren Perlen wie Top Gun (1986) oder Predator (1987) in den letzten Monaten ja noch wahre Entdeckungen für mich, so dreht sich diese Woche einiges im Kreis: sowohl bei Aliens (1986) wie bei Black Rain (1989) stellte ich jeweils am Schluss fest, dass ich das aus mehr als dem Trailer bereits kenne und also irgendwann schon mal gesehen haben muss… nur wann? Sicher nicht im Kino, und wann denn auf Video!? Und wieso merk ich das immer erst beim Showdown (der Kampf mit dem Exo-Roboter, die Töff-Jagd über matschige Äcker…), als gäb es sonst nix Einprägsames? Sieht man immer wieder mit anderen Augen, ist Kulturgut wirklich gar so formbar durch die Betrachtung?
Schöne Vorstellung, immer wieder aus dem Gleichen schöpfen zu können. Freu mich auf die Rente.

Als ich etwa zwölf war, habe ich mit meinem Freund Franz Späth aus der Siedlung ein wie wir meinten hervorragendes treatment für einen Werbespot an Ritter Sport geschickt. So James Bond Stil, und am Ende präsentiert sich die Wunderwaffe im Aktenkoffer: ein Sortiment Ritter Sport.
Nach Wochen bekamen wir Antwort: eine bedauernde Absage, man habe für die Werbung doch schon eine Agentur, und als Trost aber: ein Sortiment Ritter Sport. Was waren wir stolz.

Der Herr Scorsese ist mir seit dem Betrachten von The Departed ja ein wenig öde geworden, irgendwie sah ich da nicht mehr, was ich einst geliebt bei ihm; und prompt hatte er noch seinen überfälligen Oscar ™ genau dafür bekommen.

Aktuell tritt er nun mit dem Freixenet-Weihnachts-Spot im Hitchcock-Mock-Stil in Erscheinung. Visuell extrem charmant, Anklänge an The Man Who Knew Too Much, aber eine Story, die mich direkt wieder in meine vielversprechende Jugend zurückversetzt. Hey, bitte, da hätte meine Karriere ja nun wirklich eine andere Wendung nehmen können.

Schon schön.

Heute abend kurz nach zehn bringt der Zündfunk ein Feature über die Berliner Künstergruppe FMSW. Deren Netzseite gehört nun nicht zum Erquicklichsten, aber ein auch heute abend vorgestelltes Projekt verdient nähere Betrachtung: Die haben allen Ernstes eine Expedition zum geografischen Nullpunkt im Golf von Guinea (hier ein pdf) unternommen, um dort eine Vakuumkugel zu versenken.
A Schmarrn, Kunst halt und sinnlos anregend.
Anzuhören an euren Radiogeräten oder per Stream

Ist nicht mein Bier, aber sicher das einiger geneigter Leser:
Heute machte der gepflegte, aber eben lokal verwurzelte Tagsanzeiger auf unserem Frühstückstisch mit einer schönen und langen Zeile auf:
“FCZ-Fans entführten einen Anhänger des Grasshopper-Clubs” (hier der online gestellte, ausführliche Text aus dem Zürcher Lokalteil)
Und daneben ein Kommentar, betitelt “Fussball-Faschismus”.
Auf der Titelseite, wohlgemerkt.
Unschuldige Schweiz… Und irgendwie kommt doch überall die Nervosität auf angesichts der drohenden EM.

 neuer 1 2 3 ...28 29 30 31 32 33 34 35 36 älter

max

Max Zeckau
max@zweitens-magazin.de
http://www.zeckau.net
  • Musste auch gesagt werden

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.