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Dem Plattenladen meines Vertrauens ist mal wieder zu danken, denn er hat eine junge Folkdame aus Kalifornien erst auf CD aufgetrieben und bringt sie jetzt am Dienstag sogar in München auch noch auf die Bühne. Alela Diane heißt sie und macht unaufgeregte Musik, hauptsächlich mit der Gitarre und ein paar wenigen weiteren akustischen Instrumenten. Teilweise sind es bluesige Südstaaten-Nummern und manchmal singt die ganze Großfamilie mit. Der eigenartige Gospel-Einschlag und die starke Stimme sind auch beim oftmaligen Hören immer noch faszinierend. Alela Diane tappt immer haarscharf an der Hippie-Falle vorbei und hat genug Reibungspotenzial, um in der Presse schon mit Cat Power und Joanna Newsom verglichen zu werden. Könnte also bald groß rauskommen, die 25-Jährige. Mal sehen. Auf jeden Fall macht sie ihre Sache wirklich gut. Und singt im Rahmen der 5-Jahre Resonanz-Jubiläum-Feier in der Roten Sonne. Am Mittwoch dann auch in Berlin. Mit Mariee Sioux ist auch noch eine weitere neue Folkfee dabei. Die mir persönlich aber doch etwas zu süßlich ist.

Alela Diane hat hier ihre Homebase und hier gibt’s was zu hören und sehen. „The Rifle“ von ihrer bisher einzigen hierzulande erhältlichen Platte „The Pirate’s Gospel“ ist zu empfehlen. Mariee Sioux gibt’s hier.

Da gratuliert mir web.de heute doch mal zu einem ungewöhnlichen Jubiläum: seit genau sieben Jahren bin ich nun web.de-User. Nicht schlecht. Natürlich wollen sie mir gleich ihren Super-Duper-Premium-Dienst andrehen. Aber das hab ich schon vor Jahren mal getestet und bin dann wegen meiner Faulheit beim Einjahresvertrag für 5 Euro im Monat gelandet. Aber sieben Jahre Mail, okay, bei hotmail hab ich bestimmt schon seit acht Jahren unregelmäßig ein Postfach. Aber die sind ja eh nicht so an mir interessiert. Die gibt’s ja weltweit. Aber was habe ich eigentlich die sieben Jahre davor gemacht? Also während der kompletten Uni-Zeit? Auf jeden Fall keine emails geschrieben. Und sms ja auch keine. Ein Wahnsinn. Und Google scheint auch Wind von meinem tollen Jubiläum bekommen zu haben. Denn vor ein paar Tagen haben sie mir wohl in einer Nacht und Nebel Aktion ihre Desktop Search spendiert. Dass sie mir jetzt bei jeder Suche zuerst mal sagen, wo genau diese Begriffe auf meinem Rechner zu finden sind, könnte irgendwann mal ganz nützlich werden, macht mir im Moment aber auch ein wenig Angst. Klar, kann man ausschalten. Und wird einem auch hoch und heilig versichert, dass die Ergebnisse nicht von außen eingesehen werden können. Aber wie beiläufig so eine grundlegende Neuerung da auftaucht ist schon erschreckend. Und wie sicher das wirklich ist, muss mir erst mal einer beweisen.

Man muss sowas von froh sein, in welche Stadt man geboren wurde! Kann mir das gar nicht vorstellen, was ich gerade als Gelsenkirchener machen würde. Kann ja zu Hause Champions League und ähnliches gucken. Also gerade kämpft sich Schalke in Porto möglicherweise ins Viertelfinale des Landesmeisterwettbewerbs. Aber so ein schlechtes Spiel habe ich wohl noch nie in meinem Leben gesehen. Auweija, jetzt trifft auch noch so ein Sträflings-Portugiese, fünf Minuten vor Schluss – jetzt gibt’s wahrscheinlich Verlängerung und ich muss mir das noch eine halbe Stunde länger anschauen! Weil Hinspiel war ja 1:0 für Schalke. Ich guck’s halt wegen einziger deutscher Mannschaft, und Spannung, und so. Aber da läuft wirklich kein einziger kompletter Angriff. Immer stolpert irgendwer am Ball vorbei. Die Portugiesen wollen tricksen, die Schalker rennen. Aber gar nichts klappt. Auch der Schiri ist ein Totalausfall… Als UEFA-Cup-Spiel hätt’ ich längst den Stecker raus gezogen… Mann, jetzt hat Schalke sogar noch eine top Chance. Kläglich vergeben.

Aber das alles ist bestimmt die Strafe dafür, dass gestern Milan gegen Arsenal teilweise echt unglaublich war. Da gab’s zwar auch massenweise Ballverluste, aber nur, weil zwanzig sowas von schnelle und technisch erstklassige Spieler auf dem Platz waren, und einfach immer wieder einer noch schneller geschaltet hat, als sein Gegner. (Dieser Quaresma mit seinen Hackenvorlagen geht mir gerade total auf die Nerven) Kaka schien am Anfang Arsenal allein zu zerlegen. Dann aber die Wenger-Boys: Passspiel ohne Punkt und Komma. Wahnsinn.
Aber jetzt zur Verlängerung…

Finde ich sehr mutig und extrem überraschend, dass die Berlinale-Jury „Tropa De Elite“ mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet hat. Eigentlich waren sich ja die Kritiker der Punkte-vergebenden Berliner Tageszeitungen einig, dass es sich bei dem brasilianischen Polizeifilm von José Padilha um einen lauten aber leeren Kracher handelt, der keine Stellung bezieht. Hab ihn aber auch gesehen und war richtig beeindruckt. Ein wirklich harter Brocken über den Einsatz der Spezialeinheit BOPE, die vor dem Papstbesuch 1997 in Rio noch einmal die Favelas säubert. Vor allem werden die Methoden der kleinen, aber schwerst ausgerüsteten und zu jeder Folter bereiten BOPE-Truppe vorgeführt. Dabei kriegen auch die reichen, weißen Jugendlichen ihr Fett weg, die mit ihrem Hobby Drogen die Kids der Favelas erst zum Dealen zwingen. Deshalb war der Film in Brasilien selbst auch so umstritten. Die Szenen im Ausbildungscamp von BOPE erinnern schwer an „Full Metal Jacket“ oder ähnliches. Und dass der Film aus der Sicht eines BOPE-Offiziers gezeigt ist, der mal ganz sympathisch die Nerven verliert und alles hinschmeißt, dann aber wieder zum mörderischen Schwein mutiert, dass also „Tropa de Elite“ zu keinem Zeitpunkt eine klare Stellung zu einem seiner Hauptfiguren bezieht, finde ich richtig gelungen. Auch der teilweise coole Sound und die bebende Handkamera sind niemals Selbstzweck, wie etwa bei den Kunstfilmen „Amores Perros“ oder „City of God“, sondern vom explosiven Anfang bis zum bitteren und folgerichtigen Ende ungewöhnlich souveräne Stilmittel. Dass es ein dermaßen harter Krieg ist, der in Rio zwischen den Drogenbanden und der Polizei tobt, war mir in diesem Ausmaß wirklich nicht klar. Und auf welcher Seite ich zu stehen habe, weiß ich auch nach dem Film nicht. Aber das ist wohl gut so.

Eine sehr schöne zehn Minuten Preview mit dem Filmbeginn und ein paar bösen Eindrücken aus dem BOPE-Camp gibt es hier. Natürlich findet man den kompletten Film im Original auch schon auf youtube. Wenn auch sehr kleinteilig. Denn obwohl 2,5 Millionen Brasilianer den Film im Kino zu einem riesigen Erfolg gemacht haben, sollen dazu noch sagenhafte 11,5 Millionen Raubkopien im Umlauf sein.

… hat mir gefallen, eigentlich sogar sehr gut. „My Blueberry Nights“ schafft es überraschend problemlos, Wong Kar-Wais Sicht auf Sehnsucht, Einsamkeit, Reise, Essen, Zweisamkeit, Leben vs. Tod, Dreisamkeit, Gewalt und Zärtlichkeit auch im amerikanischen Kulturrahmen billant abzubilden. Klar, etwas Neues bietet der Film nicht. Nahezu jedes Detail gibt’s auch schon mal in einem anderen Film. Sowohl von den Bildern als auch der Geschichte. Sogar das musikalische Hauptthema von „In The Mood for Love“ hat er in einer anderen Version eingesetzt. Nicht wirklich einfallsreich. Aber die Zeitlupen und Zeitraffer, das Filmen durch Scheiben, an Menschen und Wänden vorbei, die gestörten und unscharfen Bilder – das macht seine immer ähnlichen Liebesgeschichten doch wieder einzigartig. Früher hatte das Ganze mehr Ecken und Kanten. Jetzt sind das Wong Kar-Wai-Pathos und die Wong Kar-Wai-Patina ziemlich dominierend. Aber Herr Law, Frau Weisz, Frau Portman und gerade auch Frau Jones machen ihre Sache in den Dinern, in den coolen Schlitten, auf dem Highway und beim Pokerspielen sehr gut. Dazu schmachtet Frau Cat Power. Was will man mehr.

Natürlich lass‘ ich nichts über „Happy Together“ kommen. Da hat Herr Wong Kar-Wai so etwas wie das Postkarten-Motiv noch ganz charmant beiläufig als eine von vielen Ideen inszeniert, und das Roadmovie sitzt emotional auch eine Schicht tiefer. Immer ungeklärter wird aber die Frage, ob Wong Kar-Wai einst Christopher Doyle das Filmen beigebracht hat – oder umgekehrt. Weil jetzt steht Darius Khondji hinter der Kamera. Und der David Fincher-Kameramann kriegt es genauso hin.

Einen tollen Artikel zu Wong Kar-Wai gab’s vor längerer Zeit schon mal bei www.sensesofcinema.com. Und hier noch ein wie ich finde schönes Medley des Fans genesis:

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