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iron-wine.jpgDas wusste man ja eigentlich schon vorher, dass Iron & Wine mehr als nur wunderschön verspielte Folkmusik machen. Sam Beams Auftritt passte aber wirklich unglaublich in die St. Jakobs Kirche in Dachau. Noch vor dem ersten Song erklärte der bärtige Barde zu kleinen technischen Problemen, dass wohl da oben jemand was gegen eine Rock-Show in einer Kirche habe. „Aber wir hören sowieso nicht auf Gott“, meinte Beam lachend. Gleich bei der ersten Nummer „Trapeze Swinger“ sang er aber was von “God and Lucifer” von “An angel kissin on a sinner”. Zwar metaphorisch gemeint. Trotzdem wurde man das Gefühl nicht los, dass es Beam und seiner Schwester Sarah schon sehr gut gefiel in diesem barocken Ambiente. Zusammen sangen sie in höchsten Tönen von der Melancholie. Und zwar dermaßen engelsmäßig, dass einem Angst und Bange wurde. Fast schon transzendent. Und der von meiner schlechten Handykamera rechts außen eingefangene Paul Niehaus legte gleich noch seinen sanften Slidegitarren-Segen darüber. So andächtig ging es los das Konzert – und so endete es auch. Dazwischen halfen noch fünf weitere Musikanten, Beams bezaubernd krude Geschichten zu vertonen. Neben Slide-Gigant Niehaus (Calexico) etwa noch Ben Masarella (Califone) an seinen bunt klimpernden Percussions. Tatsächlich eine Offenbarung in einer am Ende ziemlich kalten Kirche. Und voll war das Haus auch. Knapp fünfhundert begeisterte Jünger.

Iron & Wine haben hier ihre Homepage und spielen noch am 20. in Hamburg, am 26. in Köln, am 28. in Frankfurt, am 29. in Bielefeld und am 30. in Berlin. Bei Letterman sind sie auch schon aufgetreten. Schöner ist es aber hier, noch mit kurzen Haaren.

sojourner.jpgSo macht auch CDs kaufen noch Spaß. Secretly Canadian hat von Magnolia Electric Co die wunderbare Box „Sojourner“ herausgebracht. Eine Zigarrenschachtel mit vier CDs, einer DVD, ein Sternzeichenposter, fünf Karteikarten zu jeder CD und einem Medaillon im Samttäschchen. Zu hören gibt es die kompletten vier Sessions, die Jason Molina mit seiner damals neuen Band eingespielt hatte, nachdem das schöne erste Album „What comes after the Blues“ (2005) veröffentlicht war. Daraus entstand dann vor allem das 2006-Album „Fading Trails“. Aber Molina hat in den Variationen seines Verzweiflungs-Universums einfach so viel mitreißende Ideen, dass auch die Songs, die es nicht auf die Platte geschafft haben, kaum hinter Country-Blues-Hymnen wie „Lonesome Valley“ zurück bleiben. Eigentlich gar nicht. Gerade diese „Nashville Moon“-Session hält mit dem lässigen „Don’t this look like the dark“ oder dem schleichende Opus „Texas 71“ viel lohnenswertes Neues bereit. Hier aufgenommen von Steve Albini, also mit ungeheuer vollem Sound. Aber auch die „Black Ram“- oder die „Sun Session“ begeistern mich. Molina allein mit seiner Gitarre bei „Sohola“ natürlich sowieso. Dazu gibt’s dann noch die zwanzigminütige Impression eines Bandfilms: „The Road becomes what you leave“ von Todd Chandler. Die kauzigen Magnolianer auf der Reise im Kleinbus durch Kanada. Nur einmal echte Livemusik. Ansonsten schöne Eindrücke von der Zeit vor, während und nach den Auftritten. Ein kleines, feines Roadmovie – nicht mehr und nicht weniger. Die Band beim Proben, Molina in der Spielhalle beim Taubenschießen, die Jungs machen sich beim Karaoke zum Hampelmann. Dazwischen immer wieder: das weite Land. Die Box scheint nicht allzu limitiert, gibt’s sogar bei amazon. Also keine Vertriebsrevolution, sondern einfach nur eine tolle Idee.

Um gleich mal im Kunstpark so ein All-Area-Ding zu bringen, ich hab’ bei einem Kopenhagen-Trip Todd Haynes’ verrückten Bob-Dylan-Film “I’m not there” gesehen, der bei uns Ende Februar in die Kinos kommt. Dort gibt’s ja gleich massenweise Dylans: Richard Gere als Billy-the-Kid-Dylan. Heath Ledger als Film-Star-Dylan. Christian Bale als Religions-Dylan. Oder Cate Blanchett als elektrifizierter Rebellions-Dylan. Lauter Schauspielkönner die eine Facette des Singer-Songwriters in einer eigenen Story spielen.  Mal in leuchtenden Farben, dann wieder schwarz-weiß wie bei Fellini. Toll gefilmt. Und Haynes springt wie ein Derwisch umher zwischen seinen Geschichten. Das ganze hat natürlich das übliche Hollywood-Biopic bereits nach wenigen Minuten in Kleinholz verwandelt. Ist aber unglaublich spannend, teilweise nicht unanstrengend – wie Dylan halt selbst. Cate Blanchett spielt logischerweise am unglaublichsten, weil Dylan-Frau ist natürlich doch gewagt. Aber wie sie mit den Beatles Teletubbies spielt oder mit Ginsberg kifft, ist echt ’ne Show. Und dann gibt sie auch noch eine tolle Rockversion von “Ballad of a Thin Man” zum Besten, wo ich im Kino gleich gedacht hab’, die singt ja auch nicht schlecht. Aber denkste! Der Todd Haynes scheißt nämlich auf das “Die Stars singen selbst”-Prinzip und hat schön mal Leute vom Fach ran gelassen. Und wie!

Denn der Soundtrack zu “I’m not there” ist vielleicht noch besser als der Film. Schlappe vier LPs sind das. 33 Songs vom Who-is-Who der aktuell ernstzunehmenden Musikgilde. Blanchett darf ihre Lippen nämlich zum Gesang von niemand anderes als Ex-Pavement-Schluffi-Gott Stephen Malkmus bewegen. Der zusammen mit den Million Dollar Bashers (einer extra für den Soundtrack zusammengefundenen Band aus Sonic Youth-, Wilco-Mitgliedern oder dem Dylan-Bassisten Tony Garnier) den Blues entdeckt, als hätte er Jahre lang nur darauf gewartet. Unglaublich finde ich das. Neben den Bashers ist Calexico die zweite Hausband von “I’m not there”. Geht’s noch besser?!? Die machen entweder mit Iron&Wine aus “Dark Eyes” schön glimmende Lagerfeuermusik, mit Charlotte Gainsbourg (die auch mitspielt) aus “Just like a Woman” einen gehauchten Traum oder stehen mit Jim James von “My Morning Jacket” mit der Zirkusnummer “Goin’ to Acapulco” sogar vor der Kamera. An Herrn James kann ich erinnern, Calixico hab’ ich nicht wirklich erkannt. Aber den Film sollte man sowieso öfter sehen. Cat Power stellt bei “Stuck inside of Mobile with the Memphis Blues again” ihre ganze Mississippi-Referenz unter Beweis. Dazu gibt’s auch noch Los Lobos, Sonic Youth, Sufjan Stevens, Richie Havens himself oder den Gänsehaut-Garanten Mark Lanegan. Den Vogel schießt Antony & The Johnsons ab. Der covert tatsächlich “Knockin’ on Heaven’s Door”. Kann man eigentlich nicht mehr bringen. Der zarte Antony schon! Das läuft beim Abspann, sozusagen als Bonusnummer. Ansonsten gibt’s im Film überwiegend die Originale. Am Ende sag’ ich mir: kauf dir endlich alle restlichen Bob Dylan Platten!!!

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