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Vorbereitungen für einen Umzug haben auch schöne Seiten. Man findet Zeug, von dem man bisher gar nicht wusste, dass es überhaupt existiert. Mir war nicht bekannt, dass es Fotokopien meiner ersten Deutsch-Schulaufgaben gibt, bis ich vor ein paar Tagen eine gefunden habe. Leider ist es nicht die allererste Geschichte meines Lebens, aber immerhin. Ich habe ein wenig überlegt, ob man dieses Werk bloggen kann oder ob das allzu eitel daherkommt. Aber what the fuck! Ich bin eitel. Außerdem habe mich gut amüsiert beim Lesen. Ich fürchte, ich habe genauso geschrieben, wie es der Lehrer in den Wochen vorher empfohlen hatte. Quasi lehrbuchmäßig. Anscheinend hatte ich gerade eine Technik für mich entdeckt, die ich damals für die höchste Kunst der Spannungserzeugung gehalten haben musste, nämlich möglichst oft zu schreiben: “Schweiß bricht aus allen Poren”. Bei so viel Schweiß, wie in dieser Geschichte mit dem Titel “Wie ich einmal große Angst hatte” auf den Boden tropft, wundert es mich heute, dass ich damals nicht in den Pfützen ausgerutscht bin (Aquaplaning) beim Hinuntersteigen der Kellertreppe. Aber ein Geheimnis: Ich habe die Geschichte damals erfunden. Ich hatte nie Angst. Die kam später.

Wer die Erlebniserzählung lesen mag, kann auf das Bild klicken. Wem meine damalige, krakelige Handschrift zu mühsam ist, der kann hier weiter lesen. Ich habe die Geschichte abgetippt. Okay, okay. Das ist jetzt wirklich eitel.

Wie ich einmal große Angst hatte
(Erlebniserzählung vom Karli in der 5b am 27. Februar 1986)

A
Vor ein paar Tagen wollten meine Eltern ins Theater nach München fahren. Sie sagten uns, daß sie erst gegen zwei Uhr zurückkommen wollten. Danach hörten wir sie ins Auto steigen und abfahren. Wir spielten noch ein bißchen. Dan Darauf gin stiegen wir in unsere Betten. Nach einiger Zeit hörte ich Tobias und Florian schnarchen.
B
ich konnte lange nicht einschlafen. Ums Haus pfiff der Wind. Aber schon nach einer Stunde wurden meine Lider immer schwerer. Ich schlief doch noch ein. Ich schlief unruhig. Nach kurzer Zeit klingelte das Telefon. Sofort fuhr ich auf. Ich lief in die Küche und nahm den Hörer ab. Aber niemand meldete sich. Ich rief in die Muschel: “Hallo, ist da wer?” Ich hörte ein Klicken am anderen Ende der Leitung. Der Mensch hatte aufgelegt. “Er hätte sich wenigstens melden können!” dachte ich. Ich sah auf die Uhr. Es war halb zehn. Beunruhigt ging ich wieder ins Bett. Und wiederum lag ich lange wach. Nach einiger Zeit mußte schaute ich auf die Uhr. Es mußte jeden Augenblick zwölf schlagen. Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Es mußte aus dem Keller kommen. Ich erschrak. Sofort fiel mir der anonyme Anruf wieder ein. Ich beschloß aber trotzdem nachzusehen, wer oder was das Geräusch verursachte. Ich schlich auf den Gang hinaus. Ich blieb stehen und lauschte. Meine Brüder schienen von dem Geräusch nichts gehört zu haben. Sie schliefen. Ich wollte sie auch nicht aufwecken. Plötzlich zuckte ich zusammen. Ging da nicht jemand die die Treppe hinauf, oder hatte ich mich etwa getäuscht. Ich faßte mir ein Herz und stieg die Treppe weiter hinab. Allmählich mußte ich an die Stelle kommen, wo ich das Geräusch zum zweiten Mal hörte. Hier mußte der Einbrecher, wenn es wirklich ein Lebewesen war, gestanden haben. Plötzlich durchfuhr mich der Gedanke, daß es auch meine Eltern gewesen sein konnten. Aber sofort verwarf ich den Gedanken wieder. Ich durchsuchte das ganze Haus. Jetzt kam war der Keller an der Reihe. Wieder hörte ich das Geräusch, diesmal ganz laut. Mir brach der Schweiß aus allen Poren. Doch dann faßte ich mir doch ein Herz und schaltete das Licht an. Zuerst erkannte ich gar nichts. Aber dann Ich war von dem grellen Licht geblendet. Als ich wieder etwas sah, durch suchte ich den Keller. Ich schwitzte. Eine halbe Stunde wühlte ich im Keller herum, fand aber nichts. Immer noch brach mir der Schweiß aus allen Poren. Plötzlich hörte ich ein Lachen hinter mir. Waren meine Brüder doch nicht im Bett? Ich sah sich Tobias und Florian grinsend hinter mir. Ich fragte sie: “Was sucht ihr hier?” “Wir wollten dich erschrecken.”, war die Antwort.
C
Ich mußte plötzlich lachen. Hatte ich mich die ganze Zeit vor meinen Brüdern gefürchtet? * Beruhigt ging ich wieder in Bett und schlief ein. So hatte die ganze Geschichte doch noch ein glückliches Ende.

* Wahrscheinlich hatte sich der Anrufer nur verwählt.

Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.

  1. Nadja
    05 Jul 07
    19:10

    mir fällt an dieser geschichte weniger der plot auf als vielmehr die syntax. schön kurz. mein lieblingssatz: danach stiegen wir in unsere betten.

  2. karl
    06 Jul 07
    11:44

    Musste mir schon anhören, das sei Hanni-und-Nanni-Sprache, dabei habe ich damals nur Karl May gelesen.

  3. Nadja
    06 Jul 07
    19:23

    na, die durften ja nie zusammen in die betten steigen – hanni und nanni – oder doch? war das damals nicht sogar zwang in privatschulen? joe strummer war ja auch auf einer….karl may hat der bestimmt nie gelesen-eher die bibel. aber dann seine alte hippie-vergangenheit abstreifen wollen, wie stinkende socken. na, da lob ich mir doch, wenn man sich schon früh zu seiner vergangenheit bekennt- ich fand die geschichte ganz niedlich.:)

  4. huso
    01 Jun 10
    21:19

    o die haben gefickt oder was in denn bett hahaha gute geschichte

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