„Ich bin nicht mehr Norbert, auch nicht Ncc … Nun bin ich der Fremdling meiner selbst, der Trost sucht, wo es ihn nicht gibt: bei Bier und Wein, General Pappenheimer muß es sein.“ Schreibt Norbert Conrad Kaser mit noch nicht ganz 20 Jahren, im März 1967, dem Jahr seines „eintritts in die literatur“. Der Aufenthalt dort währt nicht lange: Elf Jahre später, im August 1978, stirbt Kaser an einem Lungenödem, der Folge einer Leberzirrhose. Dazwischen: der Wunsch, Mönch zu werden, Dorflehrer-Dasein, Arbeitslosigkeit, Reisen, Aushilfsjobs, Austritt aus der katholischen Kirche, Eintritt in die KPI, Aufenthalte in Krankenhäusern und Nervenheilanstalten – General Pappenheimer war eigentlich immer dabei, „mein gewissen lebt vor offener kaefigtuer“, schreibt er 1975 in einem Brief. Er war eben ein Dichter: einer, dem Heimat und große weite Welt gleichermaßen Angst und lieben machten; der sich selbst nie ganz zu kennen wagte und doch wusste, dass „Wahrheit ganz einfach das ist, dass man Dinge aufdeckt, die gar nicht aufzudecken sind.“ Auch der von Raoul Schrott zusammengestellte Kaser-Band „Elementar“ (beim Haymon-Verlag, der auch die Gesamtausgabe gemacht hat) lässt einen nicht schlau aus Kaser werden, doch immerhin ein paar gewichtige Ahnungen von ihm bekommen. Darin – in rein chronologischer Ordnung – Briefe, Prosastücke, Essays, Interviews, seine poetisch böszüngigen „stadtstiche“ und natürlich viele Gedichte, auch sein letztes natürlich: „ich krieg ein kind/ein kind krieg ich/mit rebenrotem kopf/mit biergelben fueßen/mit traminer goldnen haendchen/&glaesernem leib/wie klarer schnaps//zu allem lust/&und auch zu nichts//ein kind krieg ich/es schreiet nie/lallet sanft/ewig sind/die windeln von dem kind/feucht & naß//ich bin ein faß“
Was jetzt vielleicht einen falschen Eindruck macht: Kaser – oder besser: n.c.kaser, der immer klein geschrieben hat und weder Trennstriche noch Umlaute kennen wollte – Kaser also hat nicht nur übers Trinken geschrieben. Am besten man höre selbst – denn das klingt natürlich auch nach dem Südtirol, wo Kaser herkam und von dem er nie wegkam: „der kannibale“ (direkt zur Audiodatei) etwa oder „venedigs nachmittag“ (direkt zur Audiodatei) oder was anderes.

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