Bereits vor ein paar Tagen sprach der Deutschlandradio- und ARD-druckfrisch-Kritiker Denis Scheck – den ich by the way für einen der besten Kritiker dieses Landes halte – nicht nur, weil er in seinen Kommentaren der Top Ten dumme Bücher mit den richtigen Worten bedenkt und sie in die Tonne stopft, sondern auch, weil er Unterhaltungsliteratur auch als solche anerkennt und nicht unnötig elitär daran herummäkelt – Denis Scheck sprach (mp3) also mit dem Literaturkritiker Marius Meller vom Tagesspiegel und der Lyrikerin, Kritikerin und vor allem Kookbooks-Verlegerin Daniela Seel über die jetzt schon legendäre Ausgabe No. 17 der Literaturzeitschrift “bella triste”. Da fiel dann der Satz, den ich so oder so ähnlich schon bei meinem Literaturkritiker-Seminar an der Bundesakademie in Wolfenbüttel gehört habe, und der da sinngemäß lautet: Die junge Lyrikszene boomt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ – jedoch fehlt es der jungen, nachwachsenden Kritikergeneration an Kenntnissen und Fähigkeiten zur Besprechung und Vermittlung dieser Werke. Erwischt! kann ich da nur sagen – deshalb hole ich momentan auch das nach, was ich eigentlich an der Uni hätte lernen und mir merken sollen.
Wen es interessiert: Gut fand ich dafür bislang Dieter Burdorfs “Einführung in die Gedichtanalyse” (unkonventionell, zeitgemäß & gut zu lesen); als Sammelband habe ich mir außerdem zugelegt “Das deutsche Gedicht” vom Großgermanisten Wulf Segebrecht (im Grunde schenken sich all diese Anthologien nicht viel, allerdings stimmt bei Segebrecht das Preis-Leistungs-Verhältnis: knapp 20 Euro für knapp 700 gebundene Seiten); empfehlenswert für den Überbau ist die “Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart” von Hinderer/Meid/Müller sowie die “Geschichte der deutschen Lyrik von Goethe bis zur Gegenwart – Ein Grundriss in Interpretationen” von Gerhard Kaiser, den ich sehr schätze wegen seines exzellenten, schlauen, wunderbar lesbaren Stils. Um einen Überblick über das aktuelle Geschehen zu bekommen, habe ich mir nicht nur die “bella triste” No. 17 zugelegt, sondern auch die wunderbare Anthologie “Lyrik von Jetzt!”, die Jan Wagner und Björn Kuhligk herausgegeben haben, die im DuMont-Verlag erschienen ist und für sagenhafte 4,95 Euro zu erwerben ist – ein kleines, aber dickes & inhaltspralles Buch, das auf jeden Fall lohnt.
Man anerkenne also bitte: Ich habe den Vorwurf ernst genommen, kümmere mich drum und werde sehen, dass ich in Zukunft hier etwas mehr über Lyrik erzähle – auch weil´s mich selber brennend interessiert und jedes Gedicht tatsächlich wieder neu und schön und anders ist. Neben einzelnen Besprechungen & Empfehlungen, werde ich versuchen, Lyrik-Verlage vor- und Online-Dossiers zu einzelnen Autoren zusammenzustellen. Und nu: Danke für die Aufmerksamkeit!

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