rinck_klein2.jpgDas war ein Weihnachtsgeschenk von meinen Eltern, ein bestelltes natürlich – Wunschzettel legen wir heute nicht mehr unter den abgewetzten Sessel (weil es den genausowenig mehr gibt wie das Wohnzimmer mit der Weichzeichner-Fototapete, in dem er stand), sondern versenden sie per Mail – und als ich es auspackte, sagte Mama, dass just dieses Buch sie auch interessierte (der Kookbooks-Gestalter Andreas Töpfer hat mal wieder was Wunderbares hingelegt). Sie schlugs also auf, nachdem ich ein wenig drin geblättert hatte, schlugs also auf auf Seite 54, las unter dem Titel „NZL“ die zeile „nutten zur literatur“ und freute sich daran (Adorno ist ihr, soweit ich weiß, kein deutlicher Begriff).
Lange Einleitung, kurzer Schluss: Monika Rincks „zum fernbleiben der umarmung“ von kookbooks war (neben Ann Cottens „Fremdwörterbuchsonetten“) im schon wieder vergangenen Jahr die interessanteste, klügste, lesenswerteste Lyrikpublikation. Bedacht, respektlos, gedankenvoll, sprunghaft, mit dem nötigen Schuss high-brow und Augenzwinkern. (Eine Leseprobe – „das gegenteil von verführung“ – gibt´s auf der kookbooks-Homepage.)
Und: Monika Rinck hat selbstredend eine Website, die da heißt Begriffsstudio und auf der eine Abo-Funktion zu finden ist. Wer sich dafür anmeldet, bekommt in unregelmäßigen Abständen (ich glaube monatlich) Listen mit neuen Begriffen geschickt, die da etwa lauten „die gnostische tendenz der kick-fraktion“ oder „teigige verzweiflungsreime“ oder „käsefondueschorle“ oder „psychoaktive fliederpflaster“ oder „die verlorene welt der verlorenen und wiedergefundenen tücher“ oder „suffering from Rilke Damage“ oder „heinz körper, der wärmende charakter aus dem zweiten stock“ oderoderoder. So schön!

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