Haltestelle Bücherei

6. Oktober

Recht gut geschlafen. Als meine Frau gegen 4 Uhr die Glocke läutete, um die Mädchen zu rufen, damit sie mit der Wäsche anfingen, dauerte es sehr lange, bis sie kamen, was uns ärgerte. Ich werde eine grössere Glocke anschaffen. […]

Samuel Pepys, Tagebücher

… weshalb man auf jeden Fall eine Banderole fest auf den Umschlag drucken sollte, um dort “New York Times” darauf schreiben zu können. Mir ist ja sowas meist sowas von wurscht, aber dieses Mal bin ich wirklich peinlich berührt. Mir tut es da irgendwie um dieses Buch leid. Literarisches Großereignis … das ist so ziemlich das Dümmste.

Alte Bücher neu lesen, eh klar ists wieder neu. Aber gleich so! Nur zehn Jahre später ist es schon aufgrund der inzwischen weiter verfertigten Kultur beim Leben was ganz anderes, geht so viel tiefer in die Welt und mich.
Literatur auch mal wieder, wo die Sprache mich erwischt, nicht nur wegen der Färbung.

wahnsinn
Also, welches Buch? Zu gewinnen gibts ein [update:] Weißbier.

Das Video ist zwar schon geraume Zeit im Netz, für mich aber vollkommen neu. Wer kann schon ahnen, dass es zu Pynchons neuem Roman einen Buch-Trailer gibt? Dass es überhaupt Buch-Trailer gibt? Manchmal lebe ich echt hinterm Mond.
Pynchon spricht übrigens selbst, was man bei Penguin nach anfänglicher Geheimnistuerei dann doch zugegeben hat.

AlpendönerIch habe das erste Mal in meinem Leben einen Roman gelesen, geschrieben von jemandem, den ich persönlich kenne. Seltsam ist das. Das Buch heißt Alpendöner und der Autor Willibald Spatz. Alpendöner ist ein Krimi, der in Kempten spielt, in der Provinz also, was auch vorne groß drauf steht, ein “Allgäu-Krimi”, wie die Kluftinger-Bücher von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Nebenbei: Krimis mit Lokalkolorit scheinen irgendwie ein Lehrer-Ding zu sein, fällt mir gerade auf.
Mir hat Alpendöner eine Menge Spaß gemacht, wobei ich gar nicht recht sagen kann, ob mir allein das Buch so gefallen hat oder die Vorstellung beim Lesen, wie sich der Willi beim Schreiben gefreut haben muss über manch einen Unsinnseinfall. Ich nehme mal an, der Willi war früher kein großer TITANIC-Leser, weil er es Menschen wie mir ziemlich schwer macht mit dem Namen der Hauptfigur, die tatsächlich Birne heißt. Ich hatte ständig den dicken Helmut Kohl vor Augen. Wenn dann Birne im Buch auch noch zum Flirten anfängt … Herrjeh!
Also: Der etwa 30-jährige Birne geht nach Kempten, um eine Stelle als Redakteur bei einem Verlag für Wanderführer anzutreten. Nur wenige Tage ist er da, dann wird schon seine Nachbarin ermordet – mit einem Kebabmesser, was der Polizei sofort einen Hauptverdächtigen liefert. Der türkische Besitzer eines Döner-Ladens muss es gewesen sein. Birne versucht der türkischen Familie zu helfen und ermittelt (ziemlich dilletantisch eigentlich) vor sich hin, kommt dabei dauernd dem Ober-Polizisten in die Quere, ermittlungs- und frauentechnisch. Dazwischen säuft er sich nieder, bezeichnet Polizisten als Nazis oder vermisst seine Tageszeitung, die ihm irgendein Rüpel wieder aus dem Briefkasten geklaut hat. Ach, mehr mag ich eigentlich gar nicht erzählen. Ein Buch, das genau recht ist, für einen faulen Nachmittag. Erschienen ist der Krimi bei Gmeiner.

 neuer 1 2 3 4 5 6 7 8 ...12 13 14 älter
Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.