Haltestelle Bücherei


RWF, coole Sau.

Das hier ist nur eine kleine Liste von Kommentaren zu Christian Krachts neuem Roman Imperium. Eigentlich sind das gar keine Kommentare zu Christian Krachts neuem Roman. Es sind Kommentare zu einem Kommentar von Georg Diez, der Christian Kracht wohl für rechts hält, für einen “Türsteher der rechten Gedanken” oder so. Ich kann nur ein Zitat zitieren, weil der Text von Diez gar nicht online zu lesen ist. Ich habe ihn zumindest nicht gefunden.

In der Zeit haben übrigens Iris Radisch, Uwe Timm und David Hugendick etwas zum Kommentar von Diez zu sagen. Aus der Zeit ist auch diese kleine Liste oben. Neben den Kommentaren gibt es noch die eigentliche Rezension von Adam Soboczynski. Das alles ist ja ganz lustig, nur:

Das verdammte Buch von Kracht erscheint heute!
Und es gibt Leute, die würden das Buch gerne noch lesen!
Und sie hätten zu der ganzen Debatte vielleicht sogar eine Meinung!
Aber sie können das Buch noch gar nicht gelesen haben!
Es liegt nämlich frühestens heute im Briefkasten!
Und das Allermindeste bei dieser ganzen Scheiß-Debatte wäre doch, dass der Spiegel den Text von Diez online stellt!

Ich hoffe, es ist reine Koketterie, wenn sich die deutschen Feuilletons darüber beschweren, dass der Kreis ihrer Leser eher klein ist.

“Verstehe. Nehmen Sie’s nicht tragisch. Die Weiber spielen gern verrückt, aber in Wirklichkeit wollen sie hart rangenommen werden. Hart rangenommen, das ist das Geheimnis. Wie Goethe sagte: Vergiß die Peitsche nicht.”

“Goethe?”

“Der Dichter, wissen’S. Goethe, Schiller. Der Schiller war eher ein Softie, aber der Goethe hat brutal durchgeblickt.”

Jörg Fauser, Kant, 1986.

9. Februar

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt, sehr beschäftigt. Mittags zu Hause gegessen und wieder ins Amt, wo mich Sir William Petty aufsuchte und mir unter anderem berichtete, dass Mr. Barlow gestorben sei. Er mag zwar ein ehrbarer Mann gewesen sein, doch ich kann weiß Gott nicht mehr Trauer für ihn empfinden als für irgendeinen Fremden, da ich durch seinen Tod jährlich 100£ einspare. Und wenn ich länger darüber nachdenke und es als göttliche Fügung betrachte, habe ich allen Grund, Gott zu danken, und tue dies aus tiefstem Herzen.

Samuel Pepys, Tagebücher

So heisst ein kleines Flugblatt, das ich vor wenigen Tagen im Antiquariat meines Vertrauens gefunden habe, eine Polemik gegen das Christentum vom hochgeschätzten Arno Schmidt, 1957. Einseitiges, hemmungsloses Draufschlagen – eine rechte Freude. Man spürt den Zorn, die nur zwei Jahre zurückliegende Anklage wegen Gotteslästerung (und Pornographie) für seine zarte Erzählung Seelandschaft mit Pocahontas.

Kleiner Ausschnitt:

Genau dies aber war der Fall mit Jesus von Nazareth: er verstand weder Griechisch noch Römisch, die beiden Sprachen, auf denen seit viel hundert Jahren alle nennenswerte Kultur beruhte (und beruht!). Er war mit Homer und Plato ebenso unbekannt wie mit Phidias und Eratosthenes: was ein solcher Mann behauptet, ist für mich von vornherein indiskutabel!

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