Haltestelle Bücherei

die interessanten artikel
1. Die Neue Zürcher Zeitung bespricht Alice Schwarzers “Die Antwort”: “Weder verfällt sie in die Munterkeitspose, noch inszeniert sie grosse Empörung. Stattdessen verlässt sie sich auf den souveränen Charme der Ironie – und deshalb liest sich ihr Buch besser als manche Kampfschrift ihrer jüngeren Kolleginnen.”
2. Die “Kritische Ausgabe” führt ein langes Gespräch mit Helmut Krausser (pdf): “Ich recherchiere ungern, ich bin ein fauler Mensch. Für Melodien habe ich recherchiert, aber nicht viel. Ich erfinde lieber.”
3. Die “NY Times” (Sunday Book Review) macht sich Gedanken über “Translating Zbigniew Herbert”: “It’s easy to say which nation has the fastest trains (France) or the largest number of prime ministers who’ve probably been eaten by sharks (Australia), but it’s impossible to know which country has the best writers, let alone the best poets.”

der schöne text
sind heute mehrere, weil ich mich gar nicht entscheiden kann: Auf der Webseite der Fiktionäre Herbst & Deters, bietet Alban Nikolai Herbst einige seiner schönen Texte zum Download an (Übersicht), auf die Schnelle und für den Anfang seien empfohlen: der erste “Ausfall” des “Arndt”-Komplexes (pdf) und das Gedicht “Alexanderplatz Berlin, Juni 2007″ (pdf).

der erste satz
Du kennst dich aus, abgeschirmt, mit geschlossenen Augen, im Dunkeln.
Aus: Verena Stefan: “Fremdschläfer” – von Verena Stefan hat man lange nichts gehört, vor über 30 Jahren betrat sie mit festem Schritt das literarische wie literaturwissenschaftliche Parkett mit ihrem Erstling “Häutungen”, der mittlerweile längst zum Klassiker der feministischen Literatur und der Gender Studies avanciert ist. “Fremdschläfer” ist noch besser: Wieder sind der Körper und die Sprache die Koordinaten ihres Werks, doch diesmal geht es um Fremdsein, um Krankheit, Liebe & Leben. Klingt pathetischer als es ist, denn Stefan hat einen besonders guten Blick für die Nebensachen, die das große Ganze ausmachen. Ach ja: Hier beim Ammann Verlag erfährt man noch ein wenig mehr darüber, auch im D-Radio-Büchermarkt wurde bereits über “Fremdschläfer” gesprochen (mp3).

der hörtipp
“Ich lese überhaupt nicht viele literarische Bücher” – kurz aber ziemlich dezidiert: Gottfried Benn spricht “über die neue literarische Saison” (mp3).

Bereits vor ein paar Tagen sprach der Deutschlandradio- und ARD-druckfrisch-Kritiker Denis Scheck – den ich by the way für einen der besten Kritiker dieses Landes halte – nicht nur, weil er in seinen Kommentaren der Top Ten dumme Bücher mit den richtigen Worten bedenkt und sie in die Tonne stopft, sondern auch, weil er Unterhaltungsliteratur auch als solche anerkennt und nicht unnötig elitär daran herummäkelt – Denis Scheck sprach (mp3) also mit dem Literaturkritiker Marius Meller vom Tagesspiegel und der Lyrikerin, Kritikerin und vor allem Kookbooks-Verlegerin Daniela Seel über die jetzt schon legendäre Ausgabe No. 17 der Literaturzeitschrift “bella triste”. Da fiel dann der Satz, den ich so oder so ähnlich schon bei meinem Literaturkritiker-Seminar an der Bundesakademie in Wolfenbüttel gehört habe, und der da sinngemäß lautet: Die junge Lyrikszene boomt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ – jedoch fehlt es der jungen, nachwachsenden Kritikergeneration an Kenntnissen und Fähigkeiten zur Besprechung und Vermittlung dieser Werke. Erwischt! kann ich da nur sagen – deshalb hole ich momentan auch das nach, was ich eigentlich an der Uni hätte lernen und mir merken sollen.
Wen es interessiert: Gut fand ich dafür bislang Dieter Burdorfs “Einführung in die Gedichtanalyse” (unkonventionell, zeitgemäß & gut zu lesen); als Sammelband habe ich mir außerdem zugelegt “Das deutsche Gedicht” vom Großgermanisten Wulf Segebrecht (im Grunde schenken sich all diese Anthologien nicht viel, allerdings stimmt bei Segebrecht das Preis-Leistungs-Verhältnis: knapp 20 Euro für knapp 700 gebundene Seiten); empfehlenswert für den Überbau ist die “Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart” von Hinderer/Meid/Müller sowie die “Geschichte der deutschen Lyrik von Goethe bis zur Gegenwart – Ein Grundriss in Interpretationen” von Gerhard Kaiser, den ich sehr schätze wegen seines exzellenten, schlauen, wunderbar lesbaren Stils. Um einen Überblick über das aktuelle Geschehen zu bekommen, habe ich mir nicht nur die “bella triste” No. 17 zugelegt, sondern auch die wunderbare Anthologie “Lyrik von Jetzt!”, die Jan Wagner und Björn Kuhligk herausgegeben haben, die im DuMont-Verlag erschienen ist und für sagenhafte 4,95 Euro zu erwerben ist – ein kleines, aber dickes & inhaltspralles Buch, das auf jeden Fall lohnt.
Man anerkenne also bitte: Ich habe den Vorwurf ernst genommen, kümmere mich drum und werde sehen, dass ich in Zukunft hier etwas mehr über Lyrik erzähle – auch weil´s mich selber brennend interessiert und jedes Gedicht tatsächlich wieder neu und schön und anders ist. Neben einzelnen Besprechungen & Empfehlungen, werde ich versuchen, Lyrik-Verlage vor- und Online-Dossiers zu einzelnen Autoren zusammenzustellen. Und nu: Danke für die Aufmerksamkeit!

Scheint dann doch eher ein Ladenhüter zu sein, dieser neue Potter-Band.

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Lest doch einfach in Ruhe euren siebten Band, trinkt dazu Kakao, freut euch, werdet glücklich, habt die schönste Zeit eures Lebens! Aber hört doch BITTEBITTE auf, euch ständig dafür zu rechtfertigen!

Eben erst entdeckt: Auf der Webseite des Suhrkamp Verlags finden sich – wer weiß wie lange schon – ein paar Audiodateien von Features und Lesungen. Darunter nicht nur Marcus Braun liest aus “Armor” und Paul Brodowsky im Gespräch über “Die blinde Fotografin” und Ariane Breidenstein liest aus “Und nichts an mir ist freundlich”, sondern vor allem: Uwe Johnson liest aus den “Jahrestagen”, und das knappe zehn Minuten lang. “Was ich Ihnen vorlesen möchte, ist aus einem unveröffentlichten Buch, das auch nicht fertig ist.” (Diese Stimme!)
Und hier geht´s zur Übersicht über die Lesungen & Features.

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    • Max: Yep, hat mich auch mächtig geärgert, dieses ganze Feuilleton-Gerausche...
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