Haltestelle Hauptstraße

Die RAF geht an die Börse? Jetzt ist es soweit. Ich lese überall nur noch RAF, egal was da in Wirklichkeit steht.

RAG-Boersengang

Warum landet eine solche E-Mail nicht sofort im Spam-Ordner? Sowas will man doch nicht lesen!

Betreff: Your Ticket Application for UEFA EURO 2008(TM) has been unsuccessful

noch ein nachtrag zur schmöckes-rundschau von gestern, via stefan niggemeier via netzjournalist und onlinejournalismus.de (beide thomas mrazek): Ein Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung von Steffen Range und Roland Schweins beschäftigt sich mit dem Phänomen “Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet — wie das Web den Journalismus verändert”, darin heißt es unter anderem: “Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten. Das Gros der Klicks ist dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen.” Die Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden – wenigstens dieser Klick lohnt sich also… und noch ein weiterer auch: hier geht´s zum blog der beiden autoren.

das mag vielleicht ein gutes zeichen sein, ist aber grad doch doof: weil sowohl heise als auch der perlentaucher medienticker den ersten TV 2.0 Sender – mit user generated content – bewerben, wollte ich mir das gleich mal ansehen. doch scheinbar bin ich da nicht die einzige:

nun würde ich gerne mit einer anrede beginnen, weiß aber gar nicht, ob man sagt “lieber spon” oder “liebes spon” oder gar “liebe spon”. jedenfalls sind die ja bekannt dafür, dass sie im so genannten “panorama” für krassen pepp sorgen – wenn schon von dem politischen zeug keiner was wissen bzw. “mehr…” lesen will. also ich natürlich auch schnell die headlines und “eilmeldungen” überflogen und dann – eh klar – auf den titel “london: restaurant-gast entmannt sich mit messer” geklickt. dass die ganze story von der britischen dreckschleuder “the sun” übernommen ist, wäre nicht der rede wert, wenn die unterzeile nicht so hübsch deppert von einem “unappetitlichen zwischenfall” spräche. also, wenn ich beim essen säße und da käme einer rein und nähme sich ein messer und setzte es an seinem eigenen schwanz an, würde mir nicht nur der appetit vergehen. und das wort “zwischenfall” käme mir wohl auch nicht in den sinn.
aber à propos “eilmeldung”: die sueddeutsche online hat das ja jetzt auch schon angefangen – oh, ist schon wieder weg. ich bezeuge, dass vor ein paar minuten die hafterleichterungen für christian klar noch als eine solche gebrandmarkt gewesen waren.
und à propos klicks: auch da ist sueddeutsche-online spon schwer auf den fersen – die “diese netten menschen hat der irre asiate eiskalt erschossen”-bildergalerien gab es jedenfalls hier wie dort, nur hat spon eben noch einige interaktive karten (als popups am rechten rand des artikels) bereitgestellt und muss insofern doch wieder als sieger in der klasse “obszönität” gelten. sowieso tobt auf sueddeutsche-online um dasselbe thema offenbar gerade ein kleiner edit-war (am ende der seite) angesichts eines tatsächlich bitter schlechten textes, dessen autor offensichtlich weder paul virilios “krieg und kino” gelesen (das, wie ich gerade merke, offenbar vergriffen ist), noch michael hanekes großartigen film “benny´s video” gesehen hat. und dass er ansonsten die virtuelle gewalt andauernd verteidigt, ist ihm offenbar auch noch nicht aufgegangen. schon schön, wenn medienjournalisten keinen begriff von medialität haben…
immerhin gibt es auf dieser seite – und auch gedruckt – heute endlich den ersten gescheiten text dieser zeitung über second life. und das von andrian kreye, der treffend konzediert, dass der Medienhype um SL “nicht so sehr auf tatsächlichen Neuerungen, sondern auf der Unfähigkeit der meisten Journalisten, überschätzte Internetmoden von Phänomenen mit Durchhaltevermögen zu unterscheiden” beruhe. den ganzen text lesen!
und noch etwas schönes am ende: “musik für sechs schlagzeuger und ein appartment” – geklaut vom ohnehin unschlagbaren “endgültigen Satiremagazin Titanic”.

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