Haltestelle Hauptstraße

Es ist ein Elend, überhaupt über so etwas wie “Bewahrung der Privatsphäre” nachdenken zu müssen. Aber wenn Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist, bleibt einem ja nichts anderes übrig. Jens Scholz hat auf seiner Seite zusammengeschrieben, was man so alles tun kann, um die eigene Privatsphäre zumindest ein wenig zu verteidigen. Sehr schön, viele gute Tipps und eine wunderbare Doppelstrategie: einerseits gar nichts mitteilen und andererseits möglichst viel irrelevanten Datenmüll produzieren.

SuperbotsBeim Lesen dieses Textes fiel mir auf, dass ich von einem Netz(kunst-)projekt, das genau den zweiten Teil dieser Strategie verfolgte, schon ewig nichts mehr gehört habe: “Machines will eat itself” von Franz Alken. Allen Anschein nach gibt es das Projekt nicht mehr, das Bild müsste jedoch davon sein. Man konnte damals auf der mittlerweile toten Website superbot.tk Software-Agenten basteln, die dann selbstständig durch das Internet spazierten und Formulardaten mit willkürlichen Nutzerprofilen ausfüllten. Das Lustigste daran war, dass man seinem Bot auch noch dabei zusehen konnte, wie und wo er gerade Müll produzierte.

Schade, dass es diese Bots wohl nicht mehr gibt. Obwohl: Vielleicht laufen sie losgelöst von der ganzen Sache immer noch durchs Netz und müllen und müllen. Eine schöne Vorstellung. Automatisiertes Produzieren von Datenmüll scheint mir schon der Königsweg zu sein gegen automatisierte Datensammlerei. Warum nicht eine Maschine gegen Maschinen kämpfen lassen? Lesen kann man noch über das Projekt: hier etwa oder hier.

Beim Suchen im Netz habe ich immerhin herausgefunden, dass man Franz Alken mittlerweile in der Münchner galerie hobbyshop in der Lothringer 28 finden kann.

Nachtrag (26. April):
Vor lauter Bot-Begeisterung habe ich vergessen, darauf hinzuweisen, dass Jens Scholz auch von anderen Menschen Tipps zum leidigen Thema zusammenträgt. Ein Klick auf den Button teleportiert zur Stoffsammlung:
hownot2bseen.png
Mein Tipp dazu ist ein besonders altmodischer, tausendmal durchgekauter und leider ganz und gar unkomischer, den jeder kennt, aber keiner (einschließlich mir) befolgt: E-Mails mit PGP verschlüsseln. Ich gelobe jedoch Besserung und finde, das ist eine gute Gelegenheit meinen Schlüssel mitzuteilen: Hier kann man meinen Public-Key herunterladen.

Das kann doch alles kein Zufall mehr sein: LEGO World City 7034 – Überwachungs- und Abhörtruck (entdeckt auf argh.de). Da steckt doch ein ganz fieser Plan vom großen Bruder dahinter. Naja, vielleicht ist das ein bisschen zu paranoid. Aber wer schenkt denn einem Sechsjährigen (empfohlenes Mindestalter des Herstellers) so etwas ernsthaft zum Spielen?

Schön ist dazu die Kurzbeschreibung auf amazon:

(…)In World City ist immer und überall etwas los! Du entscheidest, wo und wann die Stadt zum Leben erwacht. Denn du bist gleichzeitig Architekt und Einwohner.

Mit World City ist grenzenloser Bauspaß vorprogrammiert. Lass deiner Fantasie freien Lauf und denke dir immer wieder neue Abenteuer in deiner Stadt aus!

Grenzenloser Bauspaß, freier Lauf der Fantasie in diesem Kontext, Einwohner und Architekt zugleich, neue Lego-World-City und so schön! Da gruselt’s andere anscheinend auch oder warum sind sie sonst beim Lego-Überwachungs-Truck gelandet?

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(…)
[PHP]Architect’s Guide to PHP Security

Das wird den Herrn Schäuble sicher nicht weiter stören, aber deutlicher geht’s dann doch nimmer als in der Telepolis-Klick-Umfrage Wer ist die größere Gefahr fürs Grundgesetz? Mit 91 Prozent führt er die Liste zum Zeitpunkt dieses Posts vor u.a. Ex-Terroristen an.

Mag stimmen oder auch nicht. Aber warum sollte ausgerechnet für ihn die Unschuldsvermutung weiterhin gelten, die er so gerne abschaffen umkehren würde? Er ist die größte Gefahr. Vorsichtshalber einsperren? Obwohl: Vielleicht sollte man das zuallererst einmal beweisen. Noch …

so:
Deutscher Campus

schlimm sind wir doch auch wieder nicht…

Wer´s noch nicht gelesen hat, wie freimütig und fraglos sich die WAZ an Texten freier Journalisten bedient, dem seien hier die Erfahrungen des Medienjournalisten Peer Schader empfohlen.Und wie die Geschichte weiterging. Sehr hübsch! Und furchterregend!

Nachtrag (19. April): Und hier sollte man lesen, wie die Geschichte dann doch einigermaßen glimpflich mit einer Einigung zu Ende ging.

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