
Die Einfahrt zu einem tristen und teuren Touripark bei Tabernas, Andalusien, wo einstmals Sergio Leone drehte.
Tolle Landschaft, genau wie man sie kennt aus Per un pugno di dollari, oder auch…

Die Einfahrt zu einem tristen und teuren Touripark bei Tabernas, Andalusien, wo einstmals Sergio Leone drehte.
Tolle Landschaft, genau wie man sie kennt aus Per un pugno di dollari, oder auch…
Gestern war ich auf dem besten Konzert seit sehr, sehr langer Zeit. Es war ein Jazz-Gig, wo ich irgendwie gerade öfters bin, als bei Pop oder Rock. Saxophonist Donny McCaslin hat in der Unterfahrt mit seinem Trio zwei Sets abgeliefert, die wirklich ungeheuerlich waren. Gut, ich saß ein Meter von der Bühne weg und dann ist in so einem kleinem Club der Sound halt quasi unverstärkt und einfach nur phänomenal. Und wenn man dann wie ich nur gelegentlich solche intime Jazzclubatmosphäre schnuppert, dann ist das jedes Mal echt erfrischend. McCaslin spielt einen harten Ton und muss in seinem Trio nur mit Bass und Schlagzeug quasi permanent ins Limit gehen. Kein Begleitklavier sorgt da für schöne Harmonien. Nach den Dinosauriern Sonny Rollins, Wayne Shorter und Co. zählt McCaslin mittlerweile zu den besten Saxophonisten, die zu hören sind. Scott Colley am Bass und Antonio Sanchez am Schlagzeug sind in der gleichen Liga. Zusammen hat das dann genau die pulsierende Energie, die wohl nur der Jazz hinbekommt. Eine CD hab’ ich mir natürlich auch gekauft, aber bis jetzt weigere ich mich, die Eindrücke von gestern mit irgendeinem Sound zu vermengen.
Im Video-Netz gibt’s leider nur eine große McCaslin-Gruppe, wo immerhin auch Colleys engagierter Bass-Stil zu bewundern ist. So ab Minute 4:20 geht das los, was McCaslin gestern zweieinhalb Stunden geboten hat. (Im gleichen schicken Hemd, was auf meinem Action-Foto nicht ganz zu erkennen ist) Leider bearbeitet Adam Cruz die Drums längst nicht so überraschend wie Sanchez. An der Trompete ist Dave Douglas, den ich lustigerweise letzten Freitag im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks mit der HR-Bigband gesehen hab’, was auch ein schönes Konzert war. Aber derartig konzentrierte Kraft wie gestern in der Unterfahrt hab’ ich selten erlebt.
Dieses Blog ist ja hoffentlich schon bekannt für seine positive Einstellung gegenüber Autofilmen (wie hier, hier und hier).
Heute aber keine Hymne auf einen weiteren, sondern nur die beiläufige Erwähnung von Espion, lève-toi, der so vielversprechend daherkam, nämlich mit Lino Ventura, Michel Piccoli und Musik von Ennio Morricone, von 1982. Dann spielt er noch in Zürich, fast alles bei uns hier um die Ecke gedreht, ein Abstecher nach München, Linksterroristen und Geheimdienste… aber mehr als Charme und Lokalkolorit hatte er dann nicht zu bieten. Schade, die Verwirrnis der Hauptfigur wurde nicht produktiv, sondern beliebig und umfassend. Ein kleiner Eindruck von den Dreharbeiten ergänzt meinen eigenen.

Bildquelle: imcdb.org
Aber! Beim Rumrecherchieren dazu stiess ich auf die tolle Seite Internet Movie Cars Database, wo anhand von Standbildern eifrig Typ, Baujahr und Rückleuchten der mehr oder weniger handlungstragenden Autos aller möglichen Filme diskutiert werden. Unbedingt besuchen, wer auch nur einen Funken Interesse für Filmbetrachtung hat. Und alle klassifiziert nach ihrer Bedeutung: bloss im Hintergrund, kleine Rolle bei Verfolgungsjagd, grosser Auftritt. Und alle werden mit der gleichen Ernsthaftigkeit diskutiert. Echtes Fantum! Auf der Startseite sind direkt alle Marken aufgelistet, die Filmliste ist dagegen gut versteckt.

Wie Kino immer die Möglichkeit bietet, einen wie auch immer gearteten eigenen Zugang zu finden und auszuleben! Und über irgendwelche Elemente dann Inhalt definieren… die Übersichtsseiten der einzelnen Filme zeigen natürlich nur Bilder mit Fahrzeugen, und so entstehen ganz andere Zusammenhänge aus dem gleichen Ausgangsmaterial.
So spannend! Danke, Internet!
Nur ganz kurz will ich begeistert werben für das nahezu textlose Blog If Charlie Parker Was a Gunslinger, There’d Be a Whole Lot of Dead Copycats.
Und dass ich das endlich mache, liegt am heutigen Eintrag People Who Died #47. Titel sind wichtiger als Anlässe! So schön (das Foto auch)!
Die Jungs (und eine Dame, nämlich die von Cinebeats) haben nicht nur täglich neue Wunderbilder (Mahnt die eigentlich keiner ab da drüben?!) aus der (meist amerikanischen) Kulturgeschichte des 20sten Jahrhunderts, sondern auch die besten einhundert Rubriken und Titel überhaupt. Der schönste:
Poets are both clean and warm / And most are far above the norm / Whether here or on the roam / Have a poet in every home!
Und ausserdem haben sie mich gerade an einen prägenden Film meiner Kindheit erinnert, Der Dieb von Bagdad, von 1940, den ich einst angststarr im Neuen Arena ansah. Danke dafür.
Ein kleiner Post, gewärmt von südspanischer Wintersonne, in unerwarteter Ergänzung zu Nadjas Poplinkerei.
Endlich mal Mix, Cuts & Scratches (1997) von Westbam und Rainald Goetz gelesen, nachdem ich schon lang und immer wieder gern an entsprechende Menschen Goetz’ Rave (oder hier) verschenke.
Und in Mix, Cuts & Scratches also schreibt Goetz die Worte von Westbam, dessen Gedanken über Techno, Jugendkultur und Underground. Letzteren sieht er als per se Nebenschauplatz der Charts, nicht als deren Widerpart. Die jeweilige “Revolution” sei stets darauf angelegt, als Massenphänomen zu reüssieren. Mhm.
Aber interessant:
“House und techno nicht nur die ganze Nacht, sondern auch den ganzen Tag, die ganze Woche und überall.
Von den kleinsten Clubs zu den grössten Veranstaltungen, von den indie labels bis zu den majors, in den Metropolen genau wie in der Provinz, im Frontpage wie in der Bild Zeitung, im Supermarkt und im Morgenmagazin. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem wir uns fragen müssen: Haben wir das gewollt?
Die Antwort lautet: Ja.
Weil für uns die Anfänge im underground auch immer der Aufbruch in eine revolutionierte Popuärkultur war, der Start in die ravende Gesellschaft.”
Hossa!
Zu viel Ärgerliches an Westbams Freude über den massiven Erfolg der selber mitgeprägten Bewegung, zu viele bildungsbürgerliche Basteleien in diesem Buch, und leider wieder mal schlecht gesetzt und lausig korrigiert worden bei Merve. Aber die Übertragung von Gesagtem in Geschriebenes gelingt Goetz dafür prächtig.
Kennt Ihr eigentlich Westbams Musik?
Hossa…