Haltestelle Kunstpark

Die WM rast förmlich auf uns zu, was ich anscheinend noch nicht ganz realisiert habe aufgrund von Championsleague- und Triple-Träumen. Sonst hätte ich mich früher gefragt, was eigentlich mit den Panini-Sammelalben los ist. Sind mir bisher noch gar nicht aufgefallen beim Zeitschriftenhändler meines Vertrauens. Wie sollte man sonst die mittlerweile wahrscheinlich 10000 Bilder bis zum Finale voll bekommen? Seit ein paar Tagen gibt es die Bildchen. Nicht dass ich noch Lust hätte, das Zeug zu sammeln. In einen Laden gehen und sich eine ganze Box kaufen zu können anstatt sich über jedes einzelne Tüten zu freuen, ist einfach nicht mehr das dasselbe. Recht hat er, der Mann vom Schweizer fussballMag, der den Mitternachtsverkaufstart der Panini-Bilder in Bern gefilmt hat: Eine ganze Kiste kaufen, ist uncool.

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Irgendwie gehören diese Bildchen einfach zu einer WM. Ich kenne es nicht anders, aber nur aufgrund von Erinnerungen an meine Jugend muss ich dann trotzdem nicht sammeln. Ich schaue mir lieber noch einmal das komplett eingescannte Heft der WM 1990 beim footballspotter an und bin ganz baff wegen des Titelbilds. Wahnsinnsdesign! Mich erinnert das eher an diese seltsam zukunftsgläubigen Technikbücher der 50er und 60er, aber wahrscheinlich rede ich mir da die Jugend schön. Naja. 1990 wurde Deutschland immerhin Weltmeister. Hab ich eigentlich schon einmal gesagt, ich einen WM-Titel für einen Championsleague-Gewinn tauschen würde? Zumindest heute würde ich da sofort unterschreiben.

Heute wäre Steve McQueen 80 Jahre alt geworden.

Vor ein paar Tagen erst, beim Pressescreening von From Paris with Love mit John Travolta, habe ich mir erst wieder gedacht, wie öde diese hyperventilierenden, hektisch geschnittenen Action-Szenen sind, die man im Kino mittlerweile vorgesetzt bekommt. Keine vernünftigen Stunts mehr, keine Körperlichkeit, nichts passiert mehr wirklich. Bezeichnenderweise hat sich der amerikanische Star-Filmkritiker Roger Ebert bei seiner Besprechung dieses Films genau auf diesen Aspekt konzentriert. Diesmal ist es sogar mir kleinem Licht aufgefallen, aber diese Computerschlampereien nerven mich schon geraume Zeit. Erst einmal ist Film Bewegung, dann kommt der Schnitt. Einer der letzten Action-Filme, dem ich das Gezeigte auch geglaubt habe, war übrigens Tarantinos Death Proof. Es gab echte Car Chases mit echten Stunts, ohne Schnitte im Sekundentakt, die das Gesehene nicht mehr nachvollziehbar machen.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Bullitt von Peter Yates mit eben Steve McQueen. Ich bin immer wieder begeistert von der berühmten Verfolgsungsjagd: dieses minutenlange Pirschen der beiden Autos durch San Franzisko, dieses Lauern, diese unterdrückte Kraft des Ford Mustangs. Man wartet auf eine Explosion und dann endlich, endlich heulen die Motoren und es geht los! Das ist so brilliant. Ich kann mir die Szene dutzende Male anschauen. Bullitt hat übrigens einen Oskar bekommen – für den besten Schnitt. Natürlich erwähnt Ebert diesen Film in seiner Kritik, als Beispiel aus besseren Zeiten. McQueen hat seine Stunts selbst gemacht.

Der folgende Ausschnitt ist nicht aus Bullitt, sondern aus einem Dokumentarfilm über die Leidenschaft für das Motorradfahren. Der Film heißt On Any Sunday, ist von 1971 und wurde gedreht von Bruce Brown, der dafür sogar eine Oskar-Nominierung bekam. Auch Steve McQueen kommt darin vor. Der Ausschnitt zeigt die letzten paar Minuten des Films, der wunderbar kitschig endet: Steve McQueen am Strand mit Kumpels bei Sonnenuntergang auf Motorrädern.

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Kann nur empfehlen, sich „Ein Prophet“ von Jacques Audiard anzuschauen, so lange er noch in den Kinos läuft. Endlich mal wieder ein richtig trockener Gangsterfilm. Und ein stimmungsvoller Gefängnisfilm noch dazu. Mit tollen Schauspielern, besonders natürlich dieser Tahar Rahim, der als ein arabischer Niemand im Knast eingeliefert wird und sich tief ins Ganovenbusiness hineinarbeitet. Eine Traumebene gibt dem Film eine poetische Note, die aber niemals nervt. Da ich gerade auch die starke Camorra-Zustandsbeschreibung „Gomorrha“ auf DVD wiedergesehen habe und vier Folgen vor dem Ende der wohl realistischsten Cop-Serie „The Wire“ – über die hier schon mal geschwärmt wurde – stehe, spannt sich das Thema des organisierten Verbrechens bei mir gerade über den ganzen Globus. Und es ist erschreckend, wie sich die fantastisch recherchierten Meisterwerke „Gomorrha“ und „The Wire“ und damit die Systeme der Drogenkriminalität in Neapels Betonsilos von Scampia und Baltimores Eastside- und Westsidecorners ähneln: die Drogenumschlagsplätze, die Gruppendynamik in der Pusher-Szene und vor allem die Macht der Kids. Denn wenn in „The Wire“ ab der dritten Staffel der eiskalte Marlo Stanfield immer mehr die Fäden zieht, dann fragt man sich zuerst schon, warum denn niemand diesem Mittzwanziger-Lümmel mal die Ohren langzieht. Die Antwort gibt „Gomorrha“-Autor Roberto Saviano im interessanten Interview auf der Doppel-DVD des Films: „Die alten Verbrecher gibt es nur im Film. In Wirklichkeit sind die Bosse jung. 90 Prozent der Opfer der organisierten Kriminalität sind unter 30 Jahren.“ So ist dann auch das grandios augenzwinkernde Ende von „Ein Prophet“ wieder absolut realistisch.

Hier noch der Trailer von “Ein Prophet”:

… sofort unterschreiben, dass in den letzten Jahren kaum jemand die deutsche Sprache um so viele schöne Bilder bereichert hat wie Dendemann, ehemals Rapper von Eins Zwo. (Ich freu mich z. B. immer wieder über den “Dorftrottel, der arschkriecht, wie einer seiner G-Strings”, hihi.) Seit ein paar Jahren ist Dendemann solo unterwegs. Demnächst erscheint sein neues Album, wohl mit dem schönen Titel “Vom Vintage verweht”, für das ich an dieser Stelle einfach mal ungehört Vorab-Werbung mache. Vor allem deshalb, weil ich finde, dass das Video zu “Stumpf ist Trumpf 3.0″ jede Webseite der Welt schöner macht.


Dendemann – Stumpf ist Trumpf 3.0

Dendemann | MySpace Musikvideos


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