Haltestelle Sportplatz

Ein vernünftiger Tag fängt mit einer Tageszeitung an. Immer noch trotz Internet. Dafür stehe ich mindestens eine Stunde vor dem Verlassen des Hauses auf. Natürlich lese ich als erstes den Sportteil, eigentlich alles über Fußball, das meiste auch über die anderen Sportarten, wobei es manchmal durchaus vorkommen kann, dass ich Berichte über diese Schneller-Höher-Weiter-Wettkämpfe nur überfliege. Danach kommen dann Politik oder Feuilleton, je nach Lust und Laune. Den besten Sportteil aller deutschen Zeitungen hat auf jeden Fall und mit Abstand die Süddeutsche Zeitung. Das ist der Grund, warum ich immer (auch) die SZ lese und mich seltsam uninformiert fühle, wenn ich an einem Montag beispielsweise mit der Rundschau vorlieb nehmen muss. Deren Sportteil ist zweite Liga. Maximal.

In letzter Zeit überlege ich mir aber immer häufiger, ob ich nach dem Aufstehen nicht besser sofort meinen Computer anschmeißen und mir diese Einsachtzig schenken sollte. Den wichtigsten Sport-Artikel der morgendlichen Printausgabe kenne ich nämlich meist schon. Er steht neuerdings bereits am Vortag, etwa gegen 17 Uhr, im Netz. Heute gibt es beispielsweise ein schönes Interview mit Joachim Löw, in dem er tatsächlich viel über seine Arbeit erzählt. Nur: Es war nicht mehr neu. Es war von gestern, aus dem Netz. Und, Bonmot, nichts ist so alt wie eine Zeitung von gestern. Genau dieses Gefühl überkommt mich da beim Frühstücken. Von eineinhalb Seiten Fußball kenne ich bereits das Sahnestück, das etwa die Hälfte ausmacht. Gut. Es gibt auch noch Mannschaftsaufstellungen (wie überall im Netz auch), ein paar taktische Einschätzungen für das Spiel gegen Tschechien, aber mal ganz bescheiden: Das traue ich mir bis zu einem gewissen Grad auch selbst zu.

Der Online-Auftritt der SZ bekommt seit einiger Zeit genug Schelte für miese Artikel und lästige Bildergallerien. Schon klar. Also versucht man halt, die ganze Sache auf ein höheres Niveau zu heben, indem man, quasi als Schmankerl, gute Artikel ins Netz stellt. Natürlich ist schon ein wenig gemein, da zu mäkeln. Nur: Die eigentlich Zeitung zu lesen, macht dann halt einfach keinen wirklichen Spaß mehr. Mir ist nicht ganz klar, warum z.B. dieses Interview an Wert verlieren sollte, wenn man es erst heute früh online freischalten würde. Das ist doch keine EILMELDUNG, das bleibt doch sowieso exklusiv, da muss doch kein Mensch schneller sein als Spiegel Online. So ein Interview würde ich gerne zum Frühstück lesen. Es scheint aber bei vielen Tageszeitungen noch nicht angekommen zu sein, dass es Menschen wie mich gibt, die den ganzen Tag im Internet unterwegs sind und trotzdem noch eine Zeitung haben. Ich lese Zeitung, weil es mir manchmal gehörig auf die Nerven geht, dass es sogar bei solchen Geschichten wie einem Exklusiv-Interview darauf anzukommen scheint, was der Zeitstempel im Netz sagt. Ich hätte ohne diese Infos aus dem Gespräch auch ganz gut bis heute früh leben können. Heute hätte ich mich darüber gefreut und es gemütlich gelesen. Gestern habe ich es nur überflogen, wie ich es immer öfter mache mit diesen Schneller-Höher-Weiter-Sachen des Netzes.

Und ich kenne das nicht! Warum denn eigentlich nicht? Stermann und Grissemann bringen die deutsche Fußballgeschichte in Ordnung, so voll und ganz, und ich erfahre das aus dem Stermann & Grissemann-ABC auf jetzt.de! Wo samma denn eigentlich?

So wie die Fußball-Bundesliga bisher läuft, gibt es an jedem Wochenende einen Titel zu gewinnen. Zwar kann man sich dafür nichts kaufen und abgerechnet wird, wie allseits bekannt, ja immer erst am Schluss und manch eine Mannschaft wird, wenn sie ehrlich ist, diesen Titel mehr hassen als Pest, Cholera, Syphilis und Rinderwahn zusammen. Doch es gibt auch Mannschaften, – meist sind es welche, denen von Buchmachern und Experten ein trister Überlebenskampf in den hinteren Tabellenregionen prognostiziert wird – die sich diesen Titel immer wieder ganz gerne anheften, täuscht er doch, zumindest kurzfristig, über die eigene, nunja, Opferrolle hinweg, ist er doch wenigstens für ein, zwei Spieltage Balsam auf die Wunden, entstanden durch die spöttischen Gesänge: „Ihr seid nur ein Punktelieferant.“ (Ja, auch Worte können wehtun.) Evolutionstechnisch fühlt sich dieser Titel an, als sei man endlich mal ganz oben in der Entwicklungsstufe, als sei man Spitze der Nahrungspyramide und darf selber fressen anstatt verdaut zu werden. Es geht um den allwöchentlich zu vergebenden Titel „Bayernjäger.“
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Heute geht es um den berühmten Sack Reis in China. Damit hat es eine seltsame Bewandtnis. Er ist berühmt, weil er ständig umfällt. Aber es interessiert trotz seiner Berühmtheit niemanden. Er fällt ja angeblich ständig um. Niemand schert sich darum. Und doch ist diese Darstellung bösartig verkürzt. Ein paar Menschen fluchen und ärgern sich nämlich schon. Mühsam kehren sie den Ertrag harter Arbeit wieder zusammen, füllen die Körner zurück in den Sack und richten ihn wieder auf. Hilft ja nichts, es muss weitergehen.

In der vergangenen Woche ist im Fußball wieder so ein Sack Reis umgefallen, sollte man zumindest meinen. Der Trainer von Real Madrid, Bernd Schuster, hat vor dem Championsleague-Spiel gegen Werder Bremen einen Satz geäußert, der äußerst banal ist und deshalb nicht weiter interessieren sollte. Schuster sagte, der Bremer Spielmacher sei ein sehr interessanter Spieler. Tja, wer wagt da noch zu widersprechen? Natürlich niemand. Man sollte sofort erwidern: Erzähle es deiner Großmutter, das wissen wir schon längst! Und außerdem: Mal eine Frage! Welchen interessanten Spieler findet Real eigentlich nicht interessant? Vor kurzem haben sie Wesley Sneijder verpflichet, sicherlich einen interessanten Spieler. Zum Saisonbeginn hieß es für kurze Zeit, Real sei an Rafael van der Vaart interessiert. Ein ganz interressanter Spieler, dieser Van der Vaart. Real ist an Kaka interessiert, an Ballack, an Gott und der Welt, solange man dort nur jemandem ein Mikrophon unter die Nase hält. Wieso sollte sich da überhaupt irgendjemand noch dafür interessieren?
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Ich habe mal GO spielen gelernt. Das fiel mir neulich wieder ein, als ich einen Artikel in der c’t gelesen habe über verschiedene Ansätze der KI-Forschung, Strategiespielen Herr zu werden und Programme zu entwickeln, die es aufnehmen können mit Menschen. Während Schachweltmeister schon von Maschinen geschlagen wurden, ist das im GO noch nie passiert. GO-Programme gewinnen bisher nicht gegen gute Spieler. Gegen mich gewinnen sie leider meistens (naja, eigentlich immer).

Während des Studiums kam gegelegentlich ein netter Kommilitone bei mir vorbei mit einem selbstgeschriebenen GO-Programm auf Diskette, an dem er nebenbei herumbastelte. Wenn ich ihm die Tür aufmachte, grinste er immer schon recht gemein und erzählte irgendetwas vom Bewertungsalgorythmus, der jetzt besser sein müsste und ob ich nicht mal ein Spiel wagen wolle. Wahrscheinlich kannte sein Programm gerade mal die Grundregeln. Für mich hat es meistens gereicht. Er war zufrieden und vergaß sein spöttisches Grinsen meist erst dann, wenn er mir ein, zwei neue Songs seiner Surfpunk-Band vorspielen konnte.

Egal. Kein Meister vom Himmel, usw … Ich will wieder GO spielen. Nur: Dann müssten andere auch GO spielen. Computer sind ja keine Gegner. Hüstel.

Lange Rede, wenig Sinn außer folgendem: Vielleicht mag ja einer der lieben Freunde auch GO lernen. Ich habe beim Herumsuchen im Netz einen schönen Kurs gefunden, der die Grundregeln sehr schön erklärt. Man darf dort herumklicken und ausprobieren und auf Deutsch ist das Ganze auch noch:

The Interactive Way To Go

Macht Spaß, im Ernst! So ein schönes Spiel! Und ich brauche Gegner …

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    • karl: Mir macht das Buch bisher auch ziemlich Spaß. Das Lustige an dieser...
    • Max: Yep, hat mich auch mächtig geärgert, dieses ganze Feuilleton-Gerausche...
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    • hansn: korrigiere: “gibts”
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