Haltestelle Sportplatz

Nur aus purer Faszination stelle ich folgende Rechnung an. Mit Neid hat das gar nichts zu tun, wirklich nicht. Und falls jemand Neid verspüren sollte, dann Schande über ihn! Dann lerne er so gut Fußball spielen wie Thierry Henry.

Angeblich wird Henry beim CF Barcelona ein Jahresgehalt von 10 Millionen Euro bekommen. Das sind bei gerechneten 365 Tagen 27397 Euro am Tag, 1141 Euro in der Stunde und – weil das Weiterrechnen tatsächlich noch Sinn macht – 19 Euro in der Minute. Ob der Mann das wert ist? Selbstverständlich! Bei einer Torquote von 165 Toren in 237 Spielen der Premier League ist er das wert in diesen seltsamen, völlig jenseitigen Relationen des Fußballs.

Nur: Ist es Barcelona wert, dass Henry deswegen Arsenal verlässt? Arsenal London mit Henry war großartig in den letzten Jahren, der schönste Fußball Europas wurde dort gespielt und Henry war der spektakulärste Spieler einer spektakulär spielenden Mannschaft. Und: Henry war Arsenal. Wie Barcelona mit Henry sein wird, kann man sich nur zu gut vorstellen. Ganz hervorragend, ganz toll, ganz super, eine Suppe aus Stars, ein einziges Spektakelgesuppe. Neben Ronaldinho, Eto’o, Deco und Messi suppt dann auch noch Henry herum, was ich mir ähnlich charmant vorstelle wie das galaktische Madrid. Schlagartig hatte ich damals das Interesse verloren an Club und Spielern.

Nach Madrid geht Henry immerhin nicht. Die hatten ja auch kräftig mitgeboten. Metzelder haben sie dort bekommen. Immerhin.

Es hat ja einige Zeit gedauert, bis den Altvorderen vom DFB die Argumente gegen eine Frau als Profi-Schiedsrichterin ausgingen, obwohl zum Beispiel in der Schweiz Nicole Petignant bereits seit einigen Jahren Spiele der 1. Liga leitet und das selbstverständlich genauso gut macht wie ihre männlichen Kollegen. Aber es geschehen auch in Deutschland manchmal noch Wunder: In der nächsten Saison darf Bibiana Steinhaus Spiele der 2. Bundesliga pfeifen.

Und was fällt ihrem Chef Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, dazu ein? Nachzulesen z.B. in der netzeitung:

Ich bin sicher, dass sie auch in der 2. Liga ihren Mann stehen und mit guten Leistungen aufwarten wird. (Hervorhebung von mir)

Danke. Abtreten!

Man muss wohl kaum erwähnen, dass in den Kommentarspalten renommierter Medien wirklich kein Mangel an sexistischen Dummheiten zu diesem Thema herrscht. Verlinkungen schenke ich mir.

Ob die Welt das wirklich braucht? Will man wirklich wissen, wie das Biergarten-Debüt von Mark van Bommel gelaufen ist oder ob die Miss FC Bayern des Monats April Kickboxen betreibt und eigentlich auf Football steht? Solche Fragen stelle sich der echte Fan erst gar nicht, wenn er sich die Video-Schnipsel auf dem neuen YouTube-Channel des FC Bayern München anschaut! Da ist natürlich alles wichtig! Der Content kommt aus dem vereinseigenen FCB.tv. Da werden dann Homestories, Interviews, kurze Trainingseindrücke oder ähnlich Weltbewegendes gezeigt. Fans dürfen eigene Videos hochladen und kommentieren, wie super sie den Club, das Portal und überhaupt finden. Herr Hoeneß wird sich freuen, dass manch einer schon nach Untertiteln ruft. Schließlich sei man ja international.

“Dies ist ein weiteres wichtiges Standbein innerhalb unseres Medien-Portfolios und unserer Internet-Strategie”, meint Herr Rummenigge auf Focus Online. Ein weiteres Standbein dieser Strategie: Spielausschnitte wird es auf dem Video-Channel wohl trotzdem nicht zu sehen geben. Das wirklich Interessante muss nämlich Geld kosten. Das ist klar, standbeinmäßig.

(via popkulturjunkie)

Köpfe einziehen und beten – mehr kann man jetzt gar nicht mehr machen! Lothar Matthäus ist wieder auf Jobsuche, weil Trapattoni wohl nicht mehr so recht mit ihm konnte. Deshalb hat man Matthäus heute bei Red Bull Salzburg vor die Tür gesetzt, was diesen Club ja beinahe schon wieder ein bisschen sympathisch macht. Vereinsschädigende Äußerungen, andere Auffassungen vom Fußball – so lauten wohl die Gründe. Laut kicker war Matthäus bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Angeblich mag ihn ein reicher Mensch zu Beitar Jerusalem locken. Und wieder kann man nur beten, dass das so schnell wie möglich passiert.

Ich kann mir nämlich schon denken, was spätestens übermorgen passiert: Er will wieder Nachfolger von Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern werden. Und weil ihn hoffentlich, hoffentlich niemand fragen wird, wird er sich wieder selbst in Gespräch bringen, wie schon tausende Male zuvor, zuletzt erst im Februar 2007 (nachzulesen zum Beispiel hier bei sportgate oder hier im Forum von soccer-fans.de).

Hoffentlich ist das nur ein Witz von Uli Hoeneß, wenn er meint, die Greenkeeper-Sache sei ausgeräumt. Und selbst wenn die Sache tatsächlich ausgeräumt sein sollte, dann denkt Hoeneß hoffentlich nicht im Traum daran … Nein, daran darf ich gar nicht denken. Falls er doch, dann soll er bitte, bitte z.B. diesen Text aus der FAS lesen. Da sind die Großtaten des Herrn Matthäus der letzten Zeit zwar noch gar nicht drin, aber schlimm genug! Weiterbeten! Alle zusammen!

Das G8-Theater ist zwar mittlerweile vorbei, aber auf den allerschönsten Kommentar von allen zu diesem Thema möchte ich doch noch hinweisen, weil ich ihn gerade erst entdeckt habe.

Bietet der Sport nicht immer wieder die wunderbarsten Erklärungsmodelle für unser aller Leben, möchte ich da glatt ganz schwülstig fragen. In diesem Fall ist es der Schachsport: Matt auf G8

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