Haltestelle Sportplatz

Bisher dachte ich immer, die Menschen, die im Fußball-Stadion so freudig und begeistert die Nationalhymne mitsingen, würden wenigstens den Text davon kennen – wenn sie schon unbedingt die Hymne singen müssen. Die Ähnlichkeit eines Länderspiels mit einer Karaoke-Veranstaltung war mir bisher wirklich nicht so recht klar, aber da läuft ja tatsächlich auf den Videoleinwänden der Text der Hymne mit, passend zur Musik zum Mitsingen.

Ob mich das in meiner Hymnen- und Fahnenskepsis jetzt beruhigen oder mir Angst machen sollte, weiß ich nicht. Einerseits beruhigen: So wichtig scheint das den Menschen gar nicht zu sein, wenn sie keine zwei Minuten Zeit haben, um den Text zu lernen. Warum singen sie die Hymne dann? Wahrscheinlich, weil sie jeder singt. Das ist dann wieder das Beängstigende daran. Wieder einmal: Komische Welt. Fragen über Fragen. In diesem Sinne: Brüh im Lichte dieses Glückes …

Fu%c!K”%$hit$kgrml! Dass Pizarro den Verein wechselt, war eh klar. Aber wieso ausgerechnet zu Chel$ea? Ausgerechnet dieses verdammte Chel$ea holt den besten Bayern-Stürmer! $Fuc$k! Und Bayern kauft im Gegenzug diesen Ohrschrauber, diesen Toni! “§$”M!$t

Zu lesen z.B. hier oder hier.

Es ist vorbei mit der großen WM-Euphorie – zumindest wenn man den Zeitschriftenmarkt für Fußball-Magazine zur Beweisführung heranzieht. Das Magazin RUND gibt es schon seit einigen Wochen nicht mehr (Schade drum!) und über die Zukunft des Gratisblattes Sportzeitung, das von vergangenem November bis April in den Lufthansa-Lounges auslag, ist noch nicht entschieden. Stichwort Anzeigenkunden. Einen Artikel mit dem Titel “Fußball-Magazine sterben schnell” gibt es hier bei der FTD. Gestern erschien die letzte Ausgabe von PLAYER. Damit hat kein im Zuge der WM gegründetes Magazin überlebt.

Der Markt für Fußball-Publikationen scheint also bereits abgedeckt zu sein. Es gibt den kicker, den man schon immer liest, 11 Freunde für Fans, Interessierte und Bolzplatz-Heroen – und wer gerne Bilder anschaut, kauft sich eben die SportBild. Der WM-Effekt war auf dem Zeitschriftenmarkt kurzfristig und marginal. Selbst der kicker konnte wohl seine Verkaufszahlen nicht wesentlich steigern – was gar nicht so sehr wundert, wenn man die teils ganz hervorragende, auf jeden Fall aber äußerst umfangreiche WM-Berichterstattung der großen Tageszeitungen anschaut. Die Berichterstattung von der WM lebte sicherlich von der Tagesaktualität. Was interessiert schon eine Spielanalyse von vorgestern, wenn längst der Ball schon wieder rollt?

Das Magazin PLAYER hat es also auch nicht geschafft. Gegründet als Fußball-Lifestyle-Magazin versuchte man Anfang Januar mangels Verkaufszahlen das Ruder noch einmal herumzureißen, mit einer sensationell hilflos wirkenden Strategie: noch weniger Fußball, mehr Lifestyle. Da heißt es dann in den Mediadaten – ich zitiere ganz, weil man eh nicht mehr aufhören kann vor Staunen, wenn man einmal angefangen hat zu lesen: » Hier geht’s weiter …

„Das ist ein Modell, das wir analysieren nach Stärken und Schwächen. Das ist zumindest theoretisch ein Modell, das ziemlich viel hätte.“

So etwas sagt man nur, wenn das zu analysierende Modell zumindest praktisch so ziemlich überhaupt nichts hat außer ein paar schweren Fehlern, z.B. den, dass Salzburg in Österreich liegt. Oder den, dass man im deutschen Fußball erst einmal aufsteigen muss, um in der ersten Liga spielen zu können.

Dem Herrn Mateschitz, seines Zeichens Besitzer einer Brausefirma, wird es also offensichtlich ein wenig langweilig in der österreichischen Liga mit seinem Club Red Bull Salzburg. Mit riesigem Punkteabstand ist man dort Meister geworden. Was niemanden wundert, schließlich hat sich Herr Mateschitz eine so sündteure und schicke Mannschaft zusammengekauft, dass selbst Trainerkanonen wie Trapattoni und Matthäus die Meisterschaft nicht mehr in den Sand setzen konnten. » Hier geht’s weiter …

Look and see …

Und wieder Meister der Herzen? Nein, diesmal wirklich nicht. Diesmal sind sie absolut selber schuld.

to be continued …

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