Deutschland, Gruppe D
von Ben Strack-Zimmermann
“Nun steh ich da, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor”. Ungefähr so einen Eindruck hinterließ die deutsche Mannschaft beim (ziemlich) neutralen Betrachter in den letzten zwei Jahren, einschließlich der seltsamen Europameisterschaft. Ja, diese Mannschaft kann spielen. Sie tut es auch in 60 Prozent aller Spiele, sie lässt es aber auch gerne mal sein. Ja, sie hat einige Einzelkönner, die man international fürchtet. Aber wie ist die Form von Klose und Podolski? Und gibt es auch mal eine Abwehrformation, bei der man nicht mindestens dreimal im Spiel “Oh Jemineh!” ausrufen muss? Würfelt der Schweinsteiger vor dem Spiel aus, wie gut er heute ist? Wie verkraftet der junge Torwart das alles? Wäre ein echtes defensives Mittelfeld nicht doch eine sinnvolle Anschaffung? Oder, einfach gefragt: Wie gut ist diese deutsche Mannschaft wirklich? Die Qualifikation war überwiegend überzeugend. Andererseits dürfte eine finnische Mannschaft natürlich niemals so gut aussehen wie in den beiden Spielen gegen die Deutschen. Nun ist natürlich wahrlich nicht alles schwarz. Im Gegensatz zu den dunklen Jahren 1998-2004 hat man einen Haufen spielstarke Spieler an das Team herangeführt. Auch deutsche Tugenden dürfen dem Multikulti-Haufen durchaus unterstellt werden. Man sieht gegen große Teams auch viel öfter gut aus als noch vor ein paar Jahren. Doch man hat halt auch einen nach missglückten Vertragsverhandlungen angeschlagenen Trainer, herumeiernde Team-Manager und Präsidenten, und generell nicht mehr die “Lustig, lustig, Trallalalala”-Stimmung wie noch vor vier Jahren. Und so gehen die Deutschen diesmal als mysteriöse Sphinx ins WM-Rennen, als enigmatisch wabernde kosmische Unschärfe – so oder wenigstens so ähnlich würde es wohl Andreas Brehme ausdrücken.
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