Serbien, Gruppe D
von Ben Strack-Zimmermann
Pleiten, Pech und Pannen begleiteten Restjugoslawien im letzten Jahrzehnt. Erst mit dem Zurückschmelzen auf ein Restserbien scheint man mal wieder eine Mannschaft beisammen zu haben, die etwas taugt. So hat man eine beachtlich starke Qualifikation gespielt, aufbauend auf einer sicheren Defensive und angereichert mit den für die Region typischen technischen Fertigkeiten. Der böse Bube Europas, das Land, in dem zwielichtige Staatsmänner auf wunderbare Weise zu bärtigen Heilern mutieren, guckt also mal wieder bei einer Weltmeisterschaft vorbei. Zumindest zu Hause ist man sich sicher, dass man die zweite Runde problemlos erreichen wird. Eine Meinung, mit der sie weltweit durchaus alleine dastehen dürften, aber man will ja nicht so sein: Grenzenlose Selbstüberschätzung kann ja auch für den neutralen Beobachter spannend – oder zumindest komisch sein. Fußballerisch bewegt man sich zwischen den altbekannten Balkanpolen, soll heißen: Technische Brillanz und überragender Spielwitz gehen gerne Hand in Hand mit überhartem Spiel und einem seltsamen Phlegma. Das Geheimrezept für den neuerlichen Aufschwung ist wohl der neue Coach Radomir Antic, womit Serbien hier ganz im Trend liegt, wechseln doch die meistbegehrten Trainer seit ein paar Jahren immer mehr vom Clubfußball zu den Nationalmannschaften. Antic war seit langem der Lieblingskandidat des serbischen Fußballverbands (ein sogar für Fußballverbände äußerst zwielichtiger Haufen). Er hat sofort voll eingeschlagen. Serbien spielt zum ersten Mal seit Jahren disziplinierten Fußball, hat taktisch einen Riesensprung gemacht. Einen ganzen Schwung an neuen Namen wurde nach oben gespült. Bleibt abzuwarten, ob sich das alles auch auszahlt oder ob man bei dieser WM ähnlich konfus auftritt wie vor vier Jahren.
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