England, Gruppe C
von Ben Strack-Zimmermann
Die Großmäuler des internationalen Fußballgeschäfts sind wieder dabei – dieses Mal muss man sie leider ausnahmsweise auch noch ernst nehmen. Bei jeder WM wird uns England von der Journaille als Favorit untergejubelt. Rauskommen tut dann immer nichts, gerne im Elfmeterschießen. Man muss sich wirklich mal vor Augen führen, was die Engländer außerhalb ihres Landes international gerissen haben: einen vierten Platz bei der WM 1990 und einen dritten Platz bei der EM 1968. Ansonsten: Nix, Niente, Nada! Würde also nicht immer mal wieder ein Turnier gnädigerweise da stattfinden, wohin Football dann angeblich Home kommen würde, hätte man eine schlechtere Bilanz als Tschechien, Österreich, Ungarn, Dänemark, Schweden, Jugoslawien, Belgien und wahrscheinlich noch zig andere Teams. Eine Lachnummer mit Garantie also, eigentlich schon ein Running Gag im Zweijahrestakt. Gilt alles nicht, man ist aufgewacht und hat beim Trainer mal so richtig geklotzt, und Fabio Capello hat das Narrenschiff tatsächlich sofort auf Kurs gebracht. Die Qualifikation war supersicher. Teilweise spielte man berauschenden Fußball: eine vollendete Symbiose aus moderner kontinentaleuropäischer Taktik und wildem britischen Angriffsspiel. Allerdings hat Capello natürlich auch zu einem günstigen Zeitpunkt übernommen. Der Grundstock der Mannschaft kann ja bekanntlich Fußball spielen. Zudem haben sich in den letzten Jahren auch zunehmend wieder mehr Engländer in der heimischen Liga gegen den starken Konkurrenzdruck aus der ganzen Welt durchsetzen können. Es gibt also endlich Alternativen. Und da sich David Beckham verletzt hat, kann man vielleicht sogar wieder ein wenig für die Jungs sein. Irgendwo mag man ja die lustige Mixtur aus psychopathischen Alkoholikern, grobschlächtigen Boliden, die Mannschaftskameraden mit deren Ehefrauen betrügen, und leicht debilen Mädchenschwärmen, die England für gewöhnlich auf den Rasen schickt. Jeden zweiten Spieler kennt man irgendwie aus Charakterstudien von Dickens über das männliche Arbeiterproletariat im ausgehenden 19.Jahrhundert – so hat diese Mannschaft durchaus auch Charakter formenden Wert. Wenn man sich zusammenreißen kann und vielleicht doch mal übt, wie man aus 11 Metern einen Ball in ein Tor bekommt, dann muss man England tatsächlich auf der Rechnung haben.
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