Italien, Gruppe F
von Ben Strack-Zimmermann
So ähnlich wie Italien an sich nimmt sich derzeit auch der italienische Ligafußball aus. Man blickt auf eine Melange aus allerschmierigster Korruption, allergrößter Unfähigkeit und grenzenloser Kriminalität. Neofaschisten schütteln sich die Hände mit Mafiosi. Konservative Politikerschmierlappen liegen im Bett mit satten, Korruptheit ausstrahlenden Unternehmern, und vor den Logen dieser modernen Cäsaren treten eitle Hinfaller, weinende Muttersöhnchen und hinterhältige Arschgeigen jedes Jahr noch etwas schlechter gegen den Ball, und töten das schöne Spiel immer noch ein bisschen mehr. Catenaccio, gestenreiche Spielertrauben um den Schiri, der Blick zum Schiri schon während des absichtlichen Sturzes im Elfmeterraum (Pippo Inzaghi-Gedächtnisblick), das operettenhafte Rumgeheule und Mädchengetue, wenn man auch nur einen Hauch eingesteckt hat, während man gleichzeitig austeilt wie Claudio Gentile 1982, angefeuert von Heerscharen von Fans, die nur allzu gern mit faschistischem Gruß ihre peinlichen Helden ehren…
Ich fange noch einmal an! Das hatte nämlich mit der italienischen Nationalmannschaft nur entfernt etwas zu tun. Die spielt nämlich weitestgehend starken, taktisch sehr reifen Fußball und ist unter den großen Fußballnationen ganz sicherlich diejenige, die am ökonomischsten spielt. Machen wir uns nichts vor: Damit sind die Italiener automatisch ein Titelkandidat! Wie wir mittlerweile alle wissen, brauchen die nicht einmal eine wirklich große Mannschaft, um einen Titel zu gewinnen. Das ist für den Erfolg oder Misserfolg einer italienischen Mannschaft bei einem Turnier weitestgehend unerheblich. Eine Gewinnermannschaft aus Italien braucht ganz andere Dinge als unbedingt Qualität. Sie braucht einen großen Trainer, der taktisch alles drauf hat. Sie braucht Spieler, die sich im Laufe eines Turniers steigern können oder dort sogar erst so richtig entdeckt werden. Und sie muss das hässliche Spiel beherrschen: Zeitverzögerung im richtigen Moment, unbarmherzige Härte und komplettes Ignorieren jeglichen Fair-Play-Gedankens. Einen großen Trainer haben sie ganz sicher: Marcello Lippi hat Donadoni eine Europameisterschaft lang gewähren lassen, dann hatte er ein Einsehen und kehrte zurück, womit Italien sofort wieder zurück in der Erfolgsspur war. Unter ihm spielt die Mannschaft geradlinig, unspektakulär, entzieht sich allen taktischen Normen der letzten 15 Jahre – und ist verdammt schwer zu knacken. Auch für den zeitweilig grassierenden Jugendwahn im internationalen Fußball hatte man in Italien nicht einmal ein Achselzucken übrig. So ist die derzeitige Mannschaft ganz sicher eine der ältesten (und gewieftesten) im Turnier. Die Qualifikation brachte man ziemlich souverän hinter sich. Hinten steht man gut, und man hat nicht nur ein paar interessante, noch weitgehend unbekannte Trumpfkarten in der Hinterhand, sondern beherrscht vor allem auch den ganzen Katalog an schmutzigen Tricks, der bereits die Vorgänger groß gemacht hat. Wenn die anderen Teams das nicht verdammt ernst nehmen, dann werden halt wieder die Italiener Weltmeister.
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