Dänemark, Gruppe E
von Ben Strack-Zimmermann
Nachdem die letzten beiden Turniere verpasst wurden, meldet sich Dänemark mit einer neu zusammen gebastelten Mannschaft im WM-Reigen zurück. Morten Olsen besitzt in unserem ulkigen Nachbarland komplette Narrenfreiheit und darf seit Jahren an seinem Team herumbasteln und nachjustieren. Jetzt scheinen langsam alle Mosaiksteinchen am Platz. Die Dänen konnten in einer sehr schweren Qualifikationsgruppe vollkommen überzeugen und sind völlig zurecht in Südafrika dabei. Den Sympathiefaktor von einst hat man zwar nicht mehr. Dafür ist inzwischen alles zu professionell. Auch der Spaßfaktor, den die Laudrup-Brüder, Flemming Olsen und Co. einst ausstrahlten, ist einem eher biederen Arbeitsethos gewichen. Doch was man kann, kann man immerhin auch richtig gut: modernes Verschieben im Raum, frühes Attackieren des Gegners sowie schnelles, präzises Spiel nach vorne. Böse Zungen würden diese Spielweise “das Legosystem” nennen – die Räume werden dichtgemacht, alles passt gut ineinander und ergibt solides, verlässliches Handwerk. Schon etwas langweilig, irgendwie eher für Kinder. Eine Mannschaft, die sich gut dafür eignet, fußballfremden Personen, die sich bei einer WM ins eigene Wohnzimmer verirren, das Spiel zu erklären. “Guck mal, so geht eine moderne Dreierkette”, “Siehst du, wie sie immer schön mit zwei Leuten den ballführenden Spieler attackieren?”, “Da sind wieder beide Verteidiger gleichzeitig rausgegangen und schon ist es Abseits” und “Kannst du wenigstens Bier holen, wenn du anscheinend sonst nichts kannst?” – mit so schönen Sätzen macht sich der Couch-Kavalier beliebt bei Jung und Alt. Worum geht es eigentlich? Ach ja, Dänemark. Also: Dänemark bietet gehobenen Langweilerfußball, exzellent ausgeführt. Man muss die Dänen also tatsächlich ernst nehmen.
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