Haltestelle Sportplatz

Südkorea, Gruppe B

von Ben Strack-Zimmermann

Die bis zum Übertritt Australiens klar beste Mannschaft aus Asien will es diesmal definitiv wissen. Endlich soll es klappen mit dem Achtelfinale fernab der Heimat. Die Voraussetzungen sind gut: Man geht konsequent seinen Weg, bringt in jedem Jahrgang international verwendbare Spieler hervor, hat taktisch und körperlich die letzten Lücken geschlossen und nach dem Rücktritt eines Gutteils der Stars von 2002 eine noch stärker wirkende Mannschaft. Die Qualifikation hat Südkorea eindrucksvoll und ohne Niederlage hinter sich gebracht, und so konnte es kräftig experimentieren und den Kader verbreitern. Das Spiel der Koreaner lebt immer noch von der enormen Laufbereitschaft, die wohl weltweit einmalig ist. Daneben hat man in den letzten Jahren vor allem an der Physis gearbeitet und gezielt große und körperlich starke Spieler aufgebaut – eine kluge Idee, wie überhaupt (ähnlich wie bei den Japanern) die meisten Entscheidungen der Südkoreaner klug und umsichtig erscheinen. Gut auch, dass man sich mittlerweile traut, auf heimische Trainer zu setzen. Diesen Mut sollten viel mehr Nationen aus der zweiten Reihe aufbringen. Man darf gespannt sein. Die Südkoreaner tragen die Köpfe derzeit zurecht hoch und sollten auf jeden Fall ernst genommen werden.
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Japan, Gruppe E

von Ben Strack-Zimmermann

Lange war Japan eine der Lachnummern im Weltfußball, irgendwo versunken im drögen asiatischen Fußballmittelfeld. Dann erfand man Anfang der 90er Jahre die J-League. Seitdem bessert sich die Lage kontinuierlich. Inzwischen hat Japan den wohl besten Ligaspielbetrieb in ganz Asien, mit vernünftigen Vereinen bis runter in die dritte Liga (Die südkoreanische Liga ist in der Spitze etwas besser, hat allerdings nicht mal einen Zweitligaunterbau). Ja, Fußball ist in Japan so richtig heimisch geworden, und so erntet man immer mehr die gesäten Früchte. Die Qualifikation hat man ziemlich souverän hinter sich gebracht und sich somit zum vierten Mal in Folge qualifiziert. Die Probleme auf der großen Weltbühne sind allerdings nach wie vor dieselben wie 1998, soll heißen: Man hat halt körperliche Nachteile und tut sich deshalb gegen robuste Teams sehr schwer. Außerdem bringt man bis heute keinen klassischen Goalgetter hervor, weshalb man zu viele Chancen braucht. Die Mannschaft versucht das brav mit viel Laufbereitschaft und großem Herz auszugleichen, was allerdings gegen kopfballstarke Teams bei Ecken lediglich Sympathiebonuspunkte bringt. Ob man so die Vorrunde überstehen kann, ist mehr als fraglich. Doch Japan wird sich sicher auch durch ein frühes Aus nicht von der Politik der vielen kleinen Schritte gen Fußballthron abbringen lassen.


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Slowakei, Gruppe F

von Ben Strack-Zimmermann

Der einzige Neuling bei dieser WM musste sich gegen sehr arrivierte, allerdings auch stark schwächelnde Gegner durchsetzen. Dies tat man mit Bravour und kann nun versuchen, den beliebten Part des spielstarken, sympathischen Außenseiters aus Osteuropa zu spielen. Um an die Erfolge von Kroatien oder Bulgarien in den 90ern anzuknüpfen, fehlt dann allerdings doch etwas die Klasse in Form von ein oder zwei echten Superstars. Man spielt traditionell relativ offensiv, eigentlich ähnlich wie der große Bruder aus Tschechien, nur gerne auch mit etwas mehr Körpereinsatz (der auf Kosten der spielerischen Brillanz geht). Der Auslosungsgott hat es gut mit dem Neuling gemeint: Neuseeland sollte man ordentlich den Hintern versohlen können. Gegen Paraguay gibt es dann ein Aufeinandertreffen von zwei komplett unterschiedlichen Spielphilosophien. Wir fassen zusammen: Ein durchaus sympathischer Außenseiter, ungefähr das Kaliber von Ecuador bei den letzten Weltmeisterschaften, nur mit etwas ästhetischerer Spielweise. Ahoi Slovensko!


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Honduras, Gruppe H

von Ben Strack-Zimmermann

Seit meinem ersten WM-Fußballerlebnis warte ich auf die Wiederkunft einer Mannschaft, die damals mein junges Fußballherz erobern konnte. Neben den Tschechen, mit denen man ja wirklich schon genug Leid durchmachen muss, ist Honduras seither mein persönliches Nationalmannschaftssteckenpferd. Seit der damals wirklich tollen WM, bei der man von vorne bis hinten beschissen wurde, haben mich die Qualifikationsbemühungen dieses fremden Stückes Mittelamerika immer nahe am Herzinfarkt gehalten. Man spielt immer gut, normalerweise gnadenlos offensiv (auch gegen viel bessere Mannschaften), aber geklappt hat es nie mehr – bis dann endlich im letzten Herbst. Was kann man nun erwarten? Wohl noch couragiertere Auftritte, als die von Costa Rica beim letzten Mal, eine sehr gut eingespielte Mannschaft, viele Spieler, die in Europa kaum jemand kennt, die in Mittelamerika aber durchaus einen guten Klang haben, und wohl insgesamt einen krassen Außenseiter, der so tut als wäre er keiner. 2001 hat man mal bei der Copa America in Kolumbien als Last-Minute-Ersatz für Argentinien mitgespielt und dann dort mit gnadenlos offensivem Spiel Uruguay, Bolivien und Brasilien vernascht, um am Ende Rang 3 zu erreichen. Ganz so ein toller Husarenritt wird es wohl diesmal nicht werden. Doch die Schreiberlinge, die Honduras jetzt schon in einen Topf mit Nordkorea und Neuseeland werfen, werden sich noch umsehen!


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Kamerun, Gruppe E

von Ben Strack-Zimmermann

Die Sphinx des afrikanischen Fußballs steht nicht, wie man meinen könnte, in Ägypten, sondern in Kamerun. Einst war man der stolze Vorreiter, der bei den Weltmeisterschaften 1982 und 1990 der Konkurrenz das Fürchten lehrte und die Hoffnungen der Afrikaner auf Erfolg wenigstens in der Welt des Fußballs nährte. Jahrgang um Jahrgang war seitdem mit Talenten besonderer Art gesegnet, die allerdings ein ums andere Mal mehr oder weniger schlimm enttäuschten. 2006 überstand Kamerun nicht einmal mehr die Qualifikation. Den Grund weiß ganz allein der Wind – Kamerun hat eine vor großen Namen nur so strotzende Mannschaft. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Teams ist man auch auf den Problempositionen Afrikas (Torhüter, Mittelstürmer, defensive Mittelfeldspieler) gut bis überragend besetzt. Trotzdem spielt das Team oft öden Durchschnittsfußball, ungefähr jedes vierte, fünfte Spiel vergeigt man sogar völlig. Amateurhaft ist das Umfeld. Die sich ständig einmischende Politik und einer der unfähigsten und korruptesten Verbände weltweit tun immer alles, um es Trainer und Team möglichst schwer zu machen. Doch auch mit dem Teamgeist scheint es nicht allzu weit her zu sein. In kaum einer anderen Mannschaft wird soviel gemotzt, gemobbt und diskutiert. Nichts gebracht hat da auch ein Wechsel der Kapitänsbinde von Song auf Eto’o. Die Probleme scheinen tiefer zu sitzen. Kamerun ist ein Team, das eigentlich alles könnte, aber in den letzten Jahren kaum etwas davon zeigt.
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