Haltestelle Sportplatz

USA, Gruppe C

von Ben Strack-Zimmermann

Seit Beginn der 90er Jahre gehen die Vereinigten Staaten in der Entwicklung der Qualität ihres Fußballspiels einen vorbildlichen Weg. Die MLS wird konsequent ausgebaut, die Ligen darunter formieren sich immer mehr zu sinnvollen Einheiten, und im Universitätssport ist “Soccer” (Hier bitte alle kurz ob des schlechten Wortes einmal lachen) mittlerweile eine feste Größe. Auch die Nationalmannschaft profitiert davon. Seit 1990 hat man sich immer qualifiziert, dieses Mal sogar ziemlich locker. Immer mehr US-Boys bevölkern die wichtigen Ligen Europas. Zum ganz großen Glück fehlen halt noch ein, zwei überragende Männer. Dann wäre man wohl endgültig in der Weltspitze angekommen. Bei Weltmeisterschaften außerhalb Europas hat man zudem eine ziemlich eindrucksvolle Bilanz. 1930 wurde man Dritter, 1994 erreichte man das Achtel- und 2002 sogar das Viertelfinale. Nur 1950 in Brasilien war schon nach der Vorrunde Schluss. Doch sogar diese Endrunde hat man in guter Erinnerung, da man damals die Engländer demütigen durfte. Sollte die Statistik nicht lügen, darf man einiges von den Amis erwarten. Die USA spielen einen modernen, kraftintensiven Stil, gerne auch mal etwas härter, lieber nüchtern anstatt viel Chi-Chi. Die Erwartungen im eigenen Land sind nach der gefühlten Blamage von 2006, als man eigentlich Größeres vor hatte, diesmal eher abwartend. Das kann dem Spiel der Amerikaner eigentlich nur gut tun. Sollte man doch etwas reißen, kommt das Medieninteresse ja bei den opportunistischen US-Sendern eh von alleine. Es gibt eigentlich nicht viele Gründe, gegen diese amerikanische Mannschaft zu sein, außer dass uns unlustige Fans im Stadion sicher mit “Yes we can”-Schildern auf die Nerven gehen werden. Wenn ich so nachsinniere, reicht das mir persönlich allerdings fast schon, um sie zu hassen.
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Jetzt bin ich baff! Das hätte kein Werbe-Fuzzi vorausgesagt. Ist das Politikverdrossenheit?


(gerade eben auf zeit.de)

Der Text ist aber auch wirklich spannend! Wieso bietet Anand seine Dame so seltsam zum Tausch an? Wieso schlägt er dann – noch seltsamer – mit einem Bauern zurück? Wieso gewinnt er dann das Spiel? Ich werde jetzt Schach-Hooligan. Da gab’s mal eine wunderbare Karikatur in der Titanic. Ich glaube von Rattelschneck. Oléoléolé! Live-Übertragung der Schach-WM im Fernsehen jetzt!

Dänemark, Gruppe E

von Ben Strack-Zimmermann

Nachdem die letzten beiden Turniere verpasst wurden, meldet sich Dänemark mit einer neu zusammen gebastelten Mannschaft im WM-Reigen zurück. Morten Olsen besitzt in unserem ulkigen Nachbarland komplette Narrenfreiheit und darf seit Jahren an seinem Team herumbasteln und nachjustieren. Jetzt scheinen langsam alle Mosaiksteinchen am Platz. Die Dänen konnten in einer sehr schweren Qualifikationsgruppe vollkommen überzeugen und sind völlig zurecht in Südafrika dabei. Den Sympathiefaktor von einst hat man zwar nicht mehr. Dafür ist inzwischen alles zu professionell. Auch der Spaßfaktor, den die Laudrup-Brüder, Flemming Olsen und Co. einst ausstrahlten, ist einem eher biederen Arbeitsethos gewichen. Doch was man kann, kann man immerhin auch richtig gut: modernes Verschieben im Raum, frühes Attackieren des Gegners sowie schnelles, präzises Spiel nach vorne. Böse Zungen würden diese Spielweise “das Legosystem” nennen – die Räume werden dichtgemacht, alles passt gut ineinander und ergibt solides, verlässliches Handwerk. Schon etwas langweilig, irgendwie eher für Kinder. Eine Mannschaft, die sich gut dafür eignet, fußballfremden Personen, die sich bei einer WM ins eigene Wohnzimmer verirren, das Spiel zu erklären. “Guck mal, so geht eine moderne Dreierkette”, “Siehst du, wie sie immer schön mit zwei Leuten den ballführenden Spieler attackieren?”, “Da sind wieder beide Verteidiger gleichzeitig rausgegangen und schon ist es Abseits” und “Kannst du wenigstens Bier holen, wenn du anscheinend sonst nichts kannst?” – mit so schönen Sätzen macht sich der Couch-Kavalier beliebt bei Jung und Alt. Worum geht es eigentlich? Ach ja, Dänemark. Also: Dänemark bietet gehobenen Langweilerfußball, exzellent ausgeführt. Man muss die Dänen also tatsächlich ernst nehmen.
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Die WM rast förmlich auf uns zu, was ich anscheinend noch nicht ganz realisiert habe aufgrund von Championsleague- und Triple-Träumen. Sonst hätte ich mich früher gefragt, was eigentlich mit den Panini-Sammelalben los ist. Sind mir bisher noch gar nicht aufgefallen beim Zeitschriftenhändler meines Vertrauens. Wie sollte man sonst die mittlerweile wahrscheinlich 10000 Bilder bis zum Finale voll bekommen? Seit ein paar Tagen gibt es die Bildchen. Nicht dass ich noch Lust hätte, das Zeug zu sammeln. In einen Laden gehen und sich eine ganze Box kaufen zu können anstatt sich über jedes einzelne Tüten zu freuen, ist einfach nicht mehr das dasselbe. Recht hat er, der Mann vom Schweizer fussballMag, der den Mitternachtsverkaufstart der Panini-Bilder in Bern gefilmt hat: Eine ganze Kiste kaufen, ist uncool.

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Irgendwie gehören diese Bildchen einfach zu einer WM. Ich kenne es nicht anders, aber nur aufgrund von Erinnerungen an meine Jugend muss ich dann trotzdem nicht sammeln. Ich schaue mir lieber noch einmal das komplett eingescannte Heft der WM 1990 beim footballspotter an und bin ganz baff wegen des Titelbilds. Wahnsinnsdesign! Mich erinnert das eher an diese seltsam zukunftsgläubigen Technikbücher der 50er und 60er, aber wahrscheinlich rede ich mir da die Jugend schön. Naja. 1990 wurde Deutschland immerhin Weltmeister. Hab ich eigentlich schon einmal gesagt, ich einen WM-Titel für einen Championsleague-Gewinn tauschen würde? Zumindest heute würde ich da sofort unterschreiben.

Italien, Gruppe F

von Ben Strack-Zimmermann

So ähnlich wie Italien an sich nimmt sich derzeit auch der italienische Ligafußball aus. Man blickt auf eine Melange aus allerschmierigster Korruption, allergrößter Unfähigkeit und grenzenloser Kriminalität. Neofaschisten schütteln sich die Hände mit Mafiosi. Konservative Politikerschmierlappen liegen im Bett mit satten, Korruptheit ausstrahlenden Unternehmern, und vor den Logen dieser modernen Cäsaren treten eitle Hinfaller, weinende Muttersöhnchen und hinterhältige Arschgeigen jedes Jahr noch etwas schlechter gegen den Ball, und töten das schöne Spiel immer noch ein bisschen mehr. Catenaccio, gestenreiche Spielertrauben um den Schiri, der Blick zum Schiri schon während des absichtlichen Sturzes im Elfmeterraum (Pippo Inzaghi-Gedächtnisblick), das operettenhafte Rumgeheule und Mädchengetue, wenn man auch nur einen Hauch eingesteckt hat, während man gleichzeitig austeilt wie Claudio Gentile 1982, angefeuert von Heerscharen von Fans, die nur allzu gern mit faschistischem Gruß ihre peinlichen Helden ehren…

Ich fange noch einmal an! Das hatte nämlich mit der italienischen Nationalmannschaft nur entfernt etwas zu tun. Die spielt nämlich weitestgehend starken, taktisch sehr reifen Fußball und ist unter den großen Fußballnationen ganz sicherlich diejenige, die am ökonomischsten spielt. Machen wir uns nichts vor: Damit sind die Italiener automatisch ein Titelkandidat! Wie wir mittlerweile alle wissen, brauchen die nicht einmal eine wirklich große Mannschaft, um einen Titel zu gewinnen. Das ist für den Erfolg oder Misserfolg einer italienischen Mannschaft bei einem Turnier weitestgehend unerheblich. Eine Gewinnermannschaft aus Italien braucht ganz andere Dinge als unbedingt Qualität. Sie braucht einen großen Trainer, der taktisch alles drauf hat. Sie braucht Spieler, die sich im Laufe eines Turniers steigern können oder dort sogar erst so richtig entdeckt werden. Und sie muss das hässliche Spiel beherrschen: Zeitverzögerung im richtigen Moment, unbarmherzige Härte und komplettes Ignorieren jeglichen Fair-Play-Gedankens. Einen großen Trainer haben sie ganz sicher: Marcello Lippi hat Donadoni eine Europameisterschaft lang gewähren lassen, dann hatte er ein Einsehen und kehrte zurück, womit Italien sofort wieder zurück in der Erfolgsspur war. Unter ihm spielt die Mannschaft geradlinig, unspektakulär, entzieht sich allen taktischen Normen der letzten 15 Jahre – und ist verdammt schwer zu knacken. Auch für den zeitweilig grassierenden Jugendwahn im internationalen Fußball hatte man in Italien nicht einmal ein Achselzucken übrig. So ist die derzeitige Mannschaft ganz sicher eine der ältesten (und gewieftesten) im Turnier. Die Qualifikation brachte man ziemlich souverän hinter sich. Hinten steht man gut, und man hat nicht nur ein paar interessante, noch weitgehend unbekannte Trumpfkarten in der Hinterhand, sondern beherrscht vor allem auch den ganzen Katalog an schmutzigen Tricks, der bereits die Vorgänger groß gemacht hat. Wenn die anderen Teams das nicht verdammt ernst nehmen, dann werden halt wieder die Italiener Weltmeister.
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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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