Haltestelle Volksschule

Vielleicht als eine Art Gratulation zum Geburtstag eines Juristen.

tja, was soll man sagen...

Das erzählt uns der Schweizer Tagesanzeiger stolz in seinem Datenblog. Und betont nochmal im Intro:

Die Arbeitslosenquote der Ausländer ist deutlich höher als jene der Schweizer. Und sie variiert je nach Herkunftsland stark. Das zeigt unsere ausgebaute Arbeitslosengrafik.


Das zeigt sie eben nicht. Zumindest nicht mit dem Spitzenreiter Bulgarien/Rumänien (mit dem sie den Artikel im Print auch aufhängten). Wie mit einem Asterisk und einer Bemerkung im Text diskret klargestellt wird, folgt die Grafik absoluten heutigen Arbeitslosenzahlen und setzt sie in Bezug zum Bevölkerungsanteil von 2010 (!). Da dieser Anteil bei Rumänen und Bulgaren sich seit 2010 etwa verdoppelt habe, müsse man diese “Überzeichnung” auf 14% etwas relativieren (also, der Leser soll das leisten, was der Statistiker und dann der Excel-Bediener nicht taten).

Dann tue ich das doch mal. Und komme auf knapp 7 % relative Arbeitslosenquote für Bulgaren und Rumänen, mittig zwischen Spaniern und Franzosen angesiedelt. Schade, dass nun die Grafik nicht mehr diesen spektakulären Ausreisser der unsympathischen Osteuropäer aufweist. Oder, sanft polemisch: kein Wunder, dass hier Masseneinwanderungsinitiativen angenommen werden, bei dieser Begeisterung für die boulevardeske “Überzeichnung” selbst in den trendigen “Datenblogs”, mit denen ja irgendsowas wie Faktentreue suggeriert werden soll.

Zeit, in den Urlaub zu gehen.

Nennt man die NZZ nicht auch gern “Alte Tante“? Seit dieser Samstagsausgabe weiss auch ich, warum. In der Besprechung des “Berliner Journals” entblödet sie sich nicht, dem lange toten Autor noch etwas nachzutragen:
Max Frisch liebte und las offenbar die NZZ nicht!
Was dabei rauskommt, erklärt uns Feuilletonchef Martin Meyer höchstpersönlich anlässlich von Besuchen Frischs in Ostberlin:

Und anders als gewisse ein- und ausreisende poetae minores aus dem Westen ist Frisch niemals so naiv, die heuchlerische Verehrung der Funktionäre in die Stärkung seines Selbstbewusstseins abzuführen. Doch hätte man – etwa durch die Lektüre der ihm so ungeliebt gewordenen NZZ – auch schon lange und ohne jede Überraschung wissen können, dass die Diktatur ein kapitales Übel war.

Wieder was gelernt. Am besten gleich abonnieren.

aus dem Online-Angebot der Augsburger Allgemeinen

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