Hossa, auf einmal sieht der Webauftritt der taz ganz anders aus! Wusste eigentlich irgendjemand, dass man dort einen Relaunch plant? So magazinmäßig schwarz ist da jetzt alles. Laut Editorial soll der Online-Auftritt jetzt zugleich “beschleunigt und entschleunigt” sein. Beschleunigt wird natürlich in Sachen Tagesaktualität. Filmkritiken, Buchbesprechungen oder Verbrauchertipps gelten als entschleunigt. Man will sich anscheinend neu erfinden, aber eine kurze Zwischenfrage: Machen das nicht alle Zeitungen mehr oder weniger so? News-Feeds gibt es immer noch nicht. Und die Blog-Abteilung hat immer noch diesen freudlos zusammengeschusterten Look, wie eh und je.

Man werde die fertigen Artikel jetzt sofort online stellen und nicht erst, wenn die Zeitung in Druck gehe. Jetzt wird es also auch bei der taz aller Wahrscheinlickeit nach heißen: Schnell, mach fertig! Korrigieren kann man später immer noch. Die Klickhurerei gelte es selbstverständlich trotzdem zu vermeiden, heißt es da weiter in Bezug auf eine derzeit vielzitierte Studie zum Onlineverhalten der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die momentan beinahe obligatorischen Kommentarmöglichkeiten unter den Artikeln hat man sich verkniffen, aber ein Leserforum gibt es, wo man gerade anlassgemäß über den neuen Online-Auftritt diskutiert. Eine “Am meisten gelesen”-Sektion hat man sich dann doch geleistet. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dort nicht auch bald Top-Journalismus über Eichhörnchen auf den ersten Plätzen wiederfindet.

Ich kann mir bei aller Sympathie nicht helfen, aber die ganze Sache wirkt doch arg altbacken, vor allem im Vergleich zum neuen Webauftritt vom Tagesspiegel. Zumindest was die Optik angeht, bin ich davon schwer begeistert, auch wenn ein paar Sachen auf der Eingangsseite noch unausgegoren erscheinen, etwa die Bildsetzung in der Sektion “Aus allen Ressorts”. Auf jeden Fall wirkt die Seite nicht hektisch und überladen und das ist mir das Allerwichtigste. Die wahre Pracht wird man hoffentlich bei den Blogs sehen können. Man surfe mal in einen hinein, z.b. in den Berliner Fanblog, und staune. Fair ist der Vergleich zwischen Online-taz und Online-Tagesspiegel sicher nicht. Ich möchte nicht wissen (doch, eigentlich schon), wieviel Geld man bei Holtzbrinck hineingebuttert hat.

Aber etwas anderes: Fällt euch beim Tagesspiegel etwas auf? Da ist alles so schön rot, schwarz und weiß. Beinahe so schön rot, schwarz und weiß wie hier, beim zweitens-magazin. Für den Tagesspiegel-Relaunch hat man laut Mercedes Bunz jedoch einen Stardesigner engagiert.

Sage da noch einer, dass er mehr vom Zeitgeist … Ach, siehe auch Eilmeldung: Auf Erotikmessen geht es ums Geld!, letzter Absatz.

Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. katrin
    14 Jun 07
    19:31

    “Wusste eigentlich irgendjemand, dass man dort einen Relaunch plant? ”
    ja, [stolz:] ich! (link funzt aber nicht mehr und die neue taz-archivsuche offenbar noch nicht…)
    andere frage: wie zitiert man denn in kommentaren?

  • Musste auch gesagt werden

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